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Gipfeltreffen der Dreijährigen-Cracks

Köln 11. Juni 2010

Scalo kontra Zazou: Die zurzeit besten deutschen Dreijährigen treffen am Sonntag (13. Juni) im 175. Oppenheim-Union-Rennen erstmals aufeinander. Und wer gewinnt, wird heißer Favorit im 141. Deutschen Derby sein.

Tradition wird im Galopprennsport großgeschrieben. Wie es überhaupt keinen Sport auf dieser Welt gibt, der mit dem Turf darin konkurrieren könnte. Und das Union-Rennen, das ist hierzulande ein besonderes Kapitel einer beinahe 200-jährigen Galopp-Historie. Es ist die älteste deutsche Zuchtprüfung überhaupt. Die sogar noch älter ist als das Deutsche Derby, selbst wenn sie paradoxerweise seit vielen Jahrzehnten der ultimativ letzte Test vor dem Blauen Band in Hamburg Horn ist. Diese geschichtliche Substanz hatte es dem unvergessen TV-Journalisten Addi Furler immer schon angetan. Dass die Ausschreibung des Union-Rennens noch zu Leibzeiten Goethes verfasst worden war, hatte ihn stets fasziniert. Wenn er dann abends schwarz-weiß in der alten Sportschau das Kölner Rennen ankündigte, geschah das nie ohne den Hinweis auf den Dichterfürsten. Der hatte 1832 das Zeitliche gesegnet, während das erste Union-Rennen 1834 in Berlin-Tempelhof gelaufen worden war.

Wäre Addi Furler noch unter uns, so würde er auch in diesem Jahr bestimmt diese von ihm konstruierte zeitliche Verbindung zwischen Johann Wolfgang Goethe und der Ausschreibung des Union-Rennens nicht verzichten wollen. Denn schließlich steht am Sonntag die 175. Austragung des Union-Rennens an, des wie schon seit vielen Jahren Kölner Oppenheim-Union-Rennens (17.00 Uhr).

Wie beinahe seit ewigen Zeiten wird es wieder die Generalprobe für Hamburg sein, und wer das mit 100.000 Euro dotierte Gruppe-II-Rennen über 2.200 Meter gewinnt, der wird auch in diesem Jahre bis zum 18. Juli als Derby-Favorit gelten und als solcher auf dem Horner Moor aufgaloppieren. Wer wird es sein? Das Oppenheim-Union-Rennen gibt am Sonntag einmal mehr die Antwort.

Die Hauptaufmerksamkeit gilt zwei profilierten Pferden: Gestüt Ittlingens Scalo und Zazou im Besitz von WH Sport International. Der Erste ist nach drei Starts noch ungeschlagen. Als Zweijähriger hat er bereits über 1.900 Meter gewonnen, was schon als Nachweis für hohes Stehvermögen angesehen werden kann. Darüber hinaus gilt Scalo seit langem als das eigentliche Derbypferd von Trainer Andreas Wöhler, dessen Großquartier im alten westfälischen Ravensberg im deutschen Galopprennsport zurzeit die Erfolgsdresse schlechthin ist. Scalos Reiter wird wieder Eduardo Pedroza sein, der momentan ebenfalls von Erfolg zu Erfolg eilt und zugleich der amtierende Champion der deutschen Jockeys ist. Zweifellos bestechende Fakten, viel besser geht’s kaum.

Einige Punkte, die für Zazou sprechen, sind allerdings genauso wenig von der Hand zu weisen. Er war im letzten Jahr bereits als exzellenter Zweijähriger aufgefallen, der sogar in einem Top-Rennen in Frankreich eine hervorragende Figur abgegeben hat. Im Criterium de Saint-Cloud, das immerhin das Etikett Gruppe I trägt und über 2.000 Meter führt, endete er als Dritter, bevor der Dreijährige in diesem Jahr den Großen Preis der Krefelder Wirtschaft fast wie ein Pferd anderer Klasse gewann. Anschließend fiel ihm selbst als Sechster in der Poule d’ Essai des Poulains in Longchamp sicherlich kein Zacken aus der Krone. Nicht wenige Kenner meinen nämlich, dass diese Vorstellung fraglos gereicht hätte, um in Köln das Mehl-Mülhens-Rennen zu gewinnen. Mit Terry Hellier verfügt Zazou ebenso über einen Reiter der Extraklasse. Gerade in den sogenannten Big Points besitzt er immer das richtige Händchen. Bewiesen hat er dies vor kurzem noch mit einem Glanzritt auf Eye of the Tiger im 75. Gerling-Preis. Darüber hinaus stehen die Schützlinge von Zazous Trainer Mario Hofer denen von Andreas Wöhler zurzeit um nichts nach. Auch sie gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Sogar international.

Zwar sind es nur fünf Gegner, die sich gegen die zu erwartenden Protagonisten trauen. Allesamt dürften sie aber keine Statisten sein. Insbesondere der in Köln von Waldemar Hickst trainierte Wheredreamsare (Jockey: Alexander Pietsch) verkaufte sich jüngst in München-Riem als Zweiter hinter Scalo schon gar nicht so schlecht, und auch sein Trainingsgefährte Lindentree (Yann Lerner) scheint keinesfalls aus schlechtem Holz geschnitzt. Ein Pärchen schickt an Next Hight (Andreas Göritz) und Nordfalke (Filip Minarik) obendrein Hicksts Weidenpescher Kollege Peter Schiergen ins Rennen. Nach Reiterverteilung sollte Nordfalke die Nummer eins sein. Und last not least kann zudem Baschar (Andreas Helfenbein) ohne weiteres überraschen. Für Trainer Miltcho Mintchev, ein absoluter Neuling im Trainergeschäft, ist Baschar nebenbei der erste Starter in einer derartigen Nobelklasse-Prüfung.

Neun Rennen stehen insgesamt auf der Karte. In der Traloppo – Wettchance des Tages lockt eine Grantieauszahlung in der Viererwette von 15.000 Euro. Der Start des letzten Rennens ist um 18.00 Uhr, also Zeit genug um rechtzeitig zum ersten WM-Spiel der deutschen Nationalelf zu Hause sein zu können. Es besteht aber auch die Möglichkeit noch weiter im Weidenpescher Park zu bleiben und das Spiel auf einer Großbildleinwand im Biergarten zu verfolgen.

Prominentester Gast wird der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, sein. Es ist sein erster Besuch im Weidenpescher Park, seit er das Amt des Ersten Bürgers übernommen hat.

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