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„Stift“ Martin Seidl reist Samstag mit dem Flieger an

Mülheim Raffelberg: Talentierter Nachwuchsrennreiter noch ohne Führerschein

Mülheim/Ruhr 10. November 2010

Am Samstag, 13. November, geht auf der Mülheimer Rennbahn am Raffelberg ein zusätzlicher Renntag über die Bühne. Dank einer Initiative der Besitzervereinigung in Zusammenarbeit mit dem Galopper-Direktorium, die auch die Finanzierung des Renntages sicherstellen, öffnen sich ab 12.15 Uhr noch einmal für acht Prüfungen die Startboxen.

Seine ersten Starts auf der Raffelberger Rennbahn absolviert Martin Seidl (Vilsbiburg). Der 16-Jährige macht seit Anfang August eine Ausbildung bei Trainerin Jutta Mayer in München. Seitdem hat der „Stift“ bereits acht Profi-Rennen gewonnen. Sein Talent stellte Seidl früh unter Beweis. Von 2004 bis 2008 gewann er das Bayrische Ponychampionat, 2007 außerdem auch das Südwestdeutsche Ponychampionat. „Er lernt sehr schnell“, lobt Mayer ihren Schützling.

Etwas schwierig gestalten sich für den Nachwuchs-Rennreiter die Fahrten auf die Bahnen in ganz Deutschland. Ein Auto darf das 16-jährige Reiter-Talent bekanntlich laut Gesetz noch nicht fahren. „Und der Weg nach Mülheim wäre mit meinem Mofa zu weit“, scherzt Seidl, der Samstag mit dem Flieger in den Westen reist.

In Mülheim steuert Martin Seidl unter anderem den von Andreas Trybuhl (48) vorbereiteten Close to heaven. In einem 2.100 Meter-Rennen (3.600 Euro/achte Tages-Prüfung) bekommt es der dreijährige Hengst aus dem Besitz des Gestüts Weiherwiesen (Pfullendorf) von Veronika Jud-Frei (Klosters/Schweiz) mit 13 Kontrahenten zu tun.

Sechs Starts hat Close to heaven absolviert. Ein Sieg steht bisher zu Buche. Zuletzt reichte es in Iffezheim bei Baden-Baden in einem 9.000 Euro-Rennen über 2.200 Meter bei tiefem Boden zu Rang fünf. „Eine gute Vorstellung“, urteilt Trainer Trybuhl.

Besitzerin Veronika Jud-Frei, deren Firma in der Schweiz Skier produziert, wird ihren Hengst Close to heaven in Mülheim vor Ort unter die Lupe nehmen. „Man benötigt am Start auch als Besitzerin gute Nerven“, sagt die Unternehmerin. „Denn Close to heaven kommt meistens als Letzter aus der Startmaschine. Da dauert es dann ein paar Meter, damit er auf Touren kommt.“ Der zu erwartende tiefe Boden in Mülheim macht Jud-Frei keine Sorgen: „Das kann er.“

Verspielt und frech präsentiert sich Close to heaven abseits der Rennbahn. „Wenn ich mit ihm in der Box bin, versucht er immer, an meinen Haaren zu ziehen. Und wenn ich dann schimpfe, hört es sich so an, als würde er lachen“, berichtet Jud-Frei.

Zu den Gegnern von Close to heaven gehören unter anderem Shoesaregoodforyou mit Filip Minarik (35/Köln), Flying Encore mit Andreas Helfenbein (43/Köln) und Malica mit Alexander Pietsch (38/Köln). Martin Seidl fiebert dem Vergleich mit den Jockey-Routiniers entgegen. „Von solch erfahrenen Jockeys kann ich mir einiges abschauen“, sagt das Reiter-Talent, das auch im siebten Rennen des Tages mit Duty und Destiny am Start ist.
MSPW

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