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Jadey Pietrasiewicz ist die Nummer eins aus Holland

„Longchamp war der größte Moment meines Lebens"

Köln 2. März 2013

Jadey Pietrasiewicz ist die aktuell erfolgreichste holländische (Amateur-)Reiterin. Sogar auf der Nobelbahn in Paris-Longchamp gewann die sie 2012 ein hochdotiertes Araberrennen. GERMAN RACING sprach mit der 28-jährigen.


GERMAN RACING: Wie sind Sie aus Holland zum Rennsport gekommen?
Jadey Pietrasiewicz: Als ich 16 Jahre alt war, habe ich in Wassenaar bei Duindigt eine Ausbildung begonnen. Aber im Laufe der Jahre habe ich die Sache nicht so richtig ernst genommen. Ich war einfach noch zu jung. Da habe ich erst noch einmal aufgehört und meine Balance zu finden und bin im Jahr 2005 als Amateur zurückgekehrt. Von dieser Zeit an arbeitete ich mit Menschen, die geistig bzw. Körperlich behindert sind und habe mein Diplom gemacht. Mir wurde klar, wenn wirklich etwas erreichen möchte, dann muss ich dafür hart arbeiten. Das gilt auch heute und bringt mich weiter.
GERMAN RACING: Wie schwer ist es, sich als Frau im Rennsattel zu behaupten?
Jadey Pietrasiewicz: Im Laufe der zeit reiten immer mehr Frauen, daher werden sie auf der ganzen Welt immer mehr akzeptiert. Ich habe großen Respekt vor Hayley Turner und Julie Krone. Und auch in Deutschland gibt es sehr gute Reiterinnen. Ich denke, es ist schwieriger, irgendwo anzufangen, wenn man die Sprache lernen, sich seinen Platz erkämpfen, Vertrauen finden und sich verbessern muss. Ob Du ein Mädchen, Junge, Amateur oder Lehrling ist, das ist dasselbe. Von nichts kommt nichts.
GERMAN RACING: Wie verlief die Karriere bisher? Können Sie sich vorstellen, Profi zu werden? Was ist Ihr Hauptberuf?
Jadey Pietrasiewicz: Es ist ein Leben mit Ups and Downs. Nach meinem Comeback als Amateur hatte ich ein erfolgreiches Jahr, sogar mit einigen Siegern in Deutschland.Danach hatte ich Kontakt zu Susanna Santesson, und sie hat mich für die Fegentri einladen. An den schönsten Orten der Welt durfte ich mit Mödels aus den verschiedensten Ländern auf historischen Rennbahnen reiten und vieles kennenlernen. Es ist großartig, dass es solch eine Organisation gibt, die uns solche Möglichkeiten überall einräumt. Leider bekam ich nach zwei Jahren einen Schlüsselbeinbruch, der operiert werden musste. Das kostete mich anderthalb Jahre. Ich bin danach zurückgekommen und wurde Champion in Holland, ritt wieder für die Fegentri in Rennen auf der ganzen Welt. Immer öfter kam ich nach Deutschland. Ich habe meinen Job gewechselt und wurde Krankenschwester. Dabei helfe ich auch Menschen mit mentalen Problemen bei allen Schwierigkeiten. Ich liebe meine Arbeit, es ist toll, andere Leute glücklich machen zu können. Es gab einen Moment, an dem ich überlegt habe, Profi zu werden und mit dem normalen Job aufzuhören. Ich ritt oft in Deutschland, und es lief richtig gut. Ich habe viel trainiert, um fit zu bleiben, liebe die Rennen, aber musste natürlich arbeiten, um mein Auskommen zu haben. Da wusste ich, dass ein Wechsel ins Profilager mir das nicht garantiewren konnte. Ich bin mit meiner Entscheidung weiterhin zufrieden, vor allem nach meiner jüngsten Verletzung. Aber ich lebe von einem Tag zum anderen und sage niemals nie.
GERMAN RACING: War der Triumph in Longchamp das größte Erlebnis?
Jadey Pietrasiewicz: Hahaha, Longchamp, bei dem Gedanken strahlen meine Augen. Das war der beste Moment meines Lebens. Mein Pferd Poulain Kossack ist ein großartiges Pferd. Zuvor hatte ich schon zwei Listenrennen mit ihm gewonnen. Trainer Huub Otermans fragte mich, ob ich ihn in einem Gruppe II-Rennen in Longchamp reiten wollte. Bis heute bin ich ihm sehr dankbar dafür. Als ich damals meinen Namen im Programm gelesen habe, als einziger Amateur und Frau, auf einer der besten Rennbahnen der Welt, dann war das eigentlich nicht normal. Ich war wirklich sehr aufgeregt. Im Führring sprang Poulain Kossack herum und entschied sich, ohne mich zur Startmaschine zu laufen. Doch als wir ihn eingefangen hatten, schwitzte er überhaupt nicht, nur ich! Ada er sich aber offenbar nicht angestrengt hatte, dachte ich, noch ist nichts verloren. Was dann im Rennen passiert ist, kann ich nicht beschreiben. Ich glaube, jeder war geschockt, auch ich. Diese Story, als Amateurreiterin mit einem 400:10-Außenseiter nach einem Sturz vorher mit Nase gegen Olivier Peslier zu gewinnen, war unglaublich. Noch heute sprechen mich Leute darauf an, das ist wunderbar.
GERMAN RACING: Sie haben sich kürzlich wieder verletzt. Wie geht es Ihnen aktuell, und was ist Ihr großer Wunsch?
Jadey Pietrasiewicz: Nach diesen tollen Momenten machte sich meine alte Knieverletzung wieder vemerkbar. Seit zwei Jahren ist mein kruezband lädiert. Und ich wusste, dass es sich eines Tages reißen würde. Am letzten Tag der Saison in Holland war es soweit. Vor dem Start machte ich eine schnelle Bewegung, und schon passierte es. Im Krankenhaus habe ich dann erfahren, dass das Kreuzband gerissen war. Ich habe auf meinen Arzt gewartet, der mich auch an der Schulter behandelt hatte. Bis dahin haben wir mein Knie gestärkt. Wir entschieden uns dazu, meineKniesehne mit einem neuen band zu versehen und auch den Meniskus zu nähen. Die Operation war am 10. Januar. Nun fühlt sich mein Beinviel besser an als in den vergangenen beiden Jahren. Und inzwischen kann ich schon wieder ohne Krücken gehen. Es wird noch länger dauern, aber ich fühle mich im Moment gut. Natürlich versuche ich, im Sommer zurückzukehren. Ich habe einige Träume, einer davon ist Australien. Aber erst will ich wieder fit werden. Und das ist hoffentlich bald wieder der Fall!
Über die Aktion "Fans gestalten mit":
Es sind nicht nur die Personen im Rampenlicht, die den Galopprennsport ausmachen. Sondern auch die Menschen hinter den Kulissen. Deshalb startete GERMAN RACING auf der offiziellen Facebook-Seite die Aktion "Fans gestalten mit". Wir fragten: Welche Personen interessieren Sie am meisten? Wen sollten wir interviewen? Egal ob Stallpersonal, Jockeys, Amateure, Besitzertrainer, Züchter oder Auktionatoren. Weit über 100 Fans haben an der Aktion teilgenommen und uns verraten, für welche Aktiven aus dem Sport das meiste Interesse besteht.

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