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Thorsten Castle – Der Mann mit den Multi-Jobs im Turf

„Es gibt nichts Schöneres, als Pferde zu versteigern“

Köln 15. März 2013

Thorsten Castle (33) ist Moderator und Redakteur für Deutschlands größte Audioagentur, die nahezu alle deutschen Hörfunkstationen (zzgl. aller deutschsprachigen Sender in Europa) mit Nachrichten, Live-Sendungen, Sportberichterstattung und Korrespondentenberichten aus aller Welt beliefert.

Thorsten Castle (33) ist Moderator und Redakteur für Deutschlands größte Audioagentur, die nahezu alle deutschen Hörfunkstationen (zzgl. aller deutschsprachigen Sender in Europa) mit Nachrichten, Live-Sendungen, Sportberichterstattung und Korrespondentenberichten aus aller Welt beliefert. Zudem gründete er 2006 seine eigene Firma und moderiert Events für Firmen sowie Sportwettbewerbe für den Internationalen Skiverband FIS und den Deutschen Skiverband. Im Galopprennsport ist er Moderator und Kommentator in München sowie seit kurzem Auktionator bei der BBAG. German Racing sprach mit ihm in erster Linie über den neuen Job.
German Racing: Wie wird man Auktionator? Welche besonderen Talente muss man für diese Aufgabe besitzen?
Thorsten Castle: Um Auktionator zu werden, gibt es sicherlich viele verschiedene Wege. Ich selbst habe Dipl. Journalistik studiert und eine Ausbildung in Hörfunk und TV absolviert, das ist für die Anforderungen natürlich sehr hilfreich. Ich durfte das erste Mal als Auktionator für die Vollblutagentur Axel Donnerstag in Mülheim tätig sein. Da ich zwar immer am Pult stehen wollte - aber zum einen jung und zum Zweiten ohne Erfahrung war, stellte das eine große Chance dar. Kurze Zeit später veranstaltete der Riemer Rennverein wieder Auktionen in München, und Harald Schneider schenkte mir sein Vertrauen und die Möglichkeit, mich so weiter zu entwickeln. Denn ein Auktionator braucht vor allem Erfahrung, wird man doch immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert. Zwei Jahre später erhielt ich dann von der BBAG die Chance, parallel auch in Baden-Baden zu auktionieren.

Welche Talente wichtig sind? Nun, das ist sicherlich Flexibilität und eine schnelle Auffassungsgabe. Während ein Pferd im Ring ist, ergeben sich blitzschnell neue Situationen, die es zu erkennen gilt. Zudem entwickelt sich ein Bieteverfahren oftmals in rasanter Geschwindigkeit. Auch Menschenkenntnis ist sehr hilfreich, um für den Anbieter das Maximum "herausholen" zu können. Denn man versucht zu erkennen, wie weit die Bieter bereit sind zu gehen und wann ein Bieteduell ausgereizt ist. Es entsteht - da man bei jedem Pferd das Bestmögliche erreichen möchte - natürlich ein gewisser Druck, deshalb ist es unerlässlich, stressresistent zu sein. Denn für die Anbieter entscheidet sich im Ring oftmals in nur wenigen Minuten Wesentliches, sie haben im Vorfeld viel Zeit, Geld und Herzblut investiert.Vor diesem Hintergrund müssen Auktionatoren im Vorfeld äußerst gewissenhaft alle notwendige Informationen und Vorzüge des jeweiligen Pferdes herausarbeiten und bestmöglich präsentieren. Man muss sich stets die Frage stellen, welche Information muss wie stark gewichtet werden, um so einen möglichst hohen Preis zu erzielen.
German Racing: Könnten Sie sich auch vorstellen, Gegenstände, wie Teppiche zu versteigern, oder ausschließlich Pferde?
Thorsten Castle: Es gibt nichts Schöneres als Pferde zu versteigern, wobei meine Leidenschaft und Liebe natürlich den Galoppern gilt. Von Auktionen geht aber generell ein großer Reiz aus, daher versteigere ich auch andere Gegenstände. Mein Einsatzgebiet ist breit gefächert, und es kommen immer neue interessante Aufträge hinzu. Besonders in Erinnerung habe ich eine Auktion für einen Luxusreisen-Anbieter. Dabei konnten die anwesenden Gäste Trauminseln zur exklusiven Nutzung für einen begrenzten Zeitraum ersteigern. Eine außergewöhnliche Erfahrung, zumal sich die Bieter ihre Traumurlaube mit eigenem Flugzeug, Wassersport - Crew etc. erhebliche Summen haben kosten lassen. Dafür hätte man sich jeweils einen Jährling von einem top aktuellen Hengst aus einer Grupp -Stute leisten können.
German Racing: Wie hoch steigt Ihr Adrenalin-Spiegel, wenn Sie in einer besonders hohen Preisregion angelangt sind?
Thorsten Castle: Der Adrenalin Spiegel ist bei mir vor allem zu Beginn des ersten Lots hoch, da man nie genau weiß, wie sich die Auktion entwickelt, wie viele Bieter vor Ort sind oder wie groß das Interesse an den angebotenen Pferden generell ist. Ich gehe im Kopf nochmals die Pedigrees durch und studiere die möglichen Reservepreise.Wenn ich dann das erste Mal ans Pult trete und das Mikro einschalte, spüre ich definitiv das Adrenalin. Der Puls geht dann schon deutlich schneller. Das ist aber, denke ich, auch verständlich, denn obwohl man am Pult doch etwas weiter entfernt von den Publikumsrängen steht, spürt man deutlich die Anspannung der Anbieter und Bieter. Ist der erste Moment vorbei, und ich erhalte die ersten Gebote, genieße ich die hoffentlich spannenden Bieteduelle. Je mehr Kaufinteressenten mitbieten, desto mehr Freude habe ich am Auktionspult. Das schönste Gefühl ist aber definitiv, wenn die Gebote höher und höher gehen, immer mehr Menschen vom Gelände der BBAG in die Auktionshalle strömen und es automatisch ruhiger wird. Alle erwarten gebannt das nächste Gebot - eine tolle Atmosphäre. Es gibt nichts Schöneres Da bin ich hoch konzentriert, aber nicht aufgeregt.
German Racing: Wie kamen Sie überhaupt zum Rennsport? Welche Ihrer Aufgaben macht Ihnen am meisten Freude und warum?
Thorsten Castle: Ich wurde „in den Rennsport geboren", da meine Mutter jahrzehntelang das Traditionsgestüt Isarland vor den Toren Münchens geleitet hat. Insofern kenne ich alle Facetten des Rennsports vor und hinter den Kulissen. Für mich das ganz große Glück meiner Kindheit, dass ich direkt auf dem Gestüt aufwachsen konnte und alle Höhen und Tiefen zu erleben, die der Rennsport so mit sich bringt. Im Moment überwiegen leider aus bekannten Gründen die Tiefen, da die Geschichte des Gestüts abrupt beendet wurde. Aber es werden auch wieder glücklichere Zeiten kommen, das hoffe ich und das lernt man recht schnell in unserem Sport. Nach meiner Ausbildung im Hörfunk bekam ich die Chance als Bahnsprecher auf der Rennbahn München-Riem tätig zu werden. Diese Position bekleide ich jetzt seit 12 Jahren. Was in Sachen Rennsport folgte, waren Moderationen und Rennkommentare für Premiere (heute SKY) und Equi8 und natürlich der ein oder andere Renntag, an dem ich in München als Rennkommentator fungieren konnte. Insofern gab es in meinem Leben nicht einen einzigen Moment ohne den deutschen Galopprennsport. Zuletzt konnte ich auch einige Züchtertreffs für die Mehl-Mühlens-Stiftung und den Owners & Breeders Day moderieren, was mich sehr gefreut hat. Wenn ich die einzelnen Aufgaben miteinander vergleiche, dann fällt es sehr schwer zu sagen, welcher Bereich mir am meisten Freude bereitet.Da ich ja in meinem Alltag nahezu täglich on Air bin oder Events moderiere, ist die Tätigkeit als Auktionator etwas komplett anderes. Daher freue ich mich jedes Jahr auf meine Einsätze bei der BBAG, vor allem auch, da in Baden-Baden Jahr für Jahr alle Beteiligten des Sports zusammen kommen und man sich austauschen kann.
German Racing: Besitzen Sie auch eigene Pferde (eventuell bei der Auktion gekauft)?
Thorsten Castle: Als stellvertretender Vorsitzender des Galoppclubs Süddeutschland bin ich ja an mehreren Rennpferden beteiligt, Und bisher gab es ja auch einige schöne Erfolge. Auf einer Auktion habe ich mich vor einigen Jahren in eine Jährlingsstute so sehr verliebt, dass ich spontan mitgeboten habe, aber leider war irgendwann meine Grenze erreicht. Auch das gehört zu einer Auktion und macht sie so reizvoll. Man hat die Chance einen zukünftigen Superstar zu ersteigern, aber manchmal geht man eben auch leer aus, oder verpasst die ganz große Möglichkeit. Ich sage nur Danedream ... Sie habe ich - wie viele andere Käufer - leider auch verpasst. Aber für mich persönlich und alle anderen Bieter werden sich ganz sicher auf einer BBAG-Auktion noch weitere hervorragende Möglichkeiten bieten, einen zukünftigen Star zu ersteigern. Bis dahin begleiten mich seit meiner frühen Jugend immer noch meine zwei Isländer mit den Namen Lind und Leiknir. Die Hintergründe sind auch sehr interessant, aber das zu erzählen dauert etwas länger. Wer will, kann mich ja gerne persönlich ansprechen, dann gibt es die Geschichte aus erster Hand.
Über die Aktion "Fans gestalten mit":
Es sind nicht nur die Personen im Rampenlicht, die den Galopprennsport ausmachen. Sondern auch die Menschen hinter den Kulissen. Deshalb startete GERMAN RACING auf der offiziellen Facebook-Seite die Aktion "Fans gestalten mit". Wir fragten: Welche Personen interessieren Sie am meisten? Wen sollten wir interviewen? Egal ob Stallpersonal, Jockeys, Amateure, Besitzertrainer, Züchter oder Auktionatoren. Weit über 100 Fans haben an der Aktion teilgenommen und uns verraten, für welche Aktiven aus dem Sport das meiste Interesse besteht.

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