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Sensationelle Görlsdorf-Stute im Hansa-Preis

Berlin Berlin erobert Hamburg

Hamburg 30. Juni 2013

„Irgendwie haben uns doch alle für doof gehalten, weil wir Berlin Berlin nachgenannt hatten. Aber zu diesem Zeitpunkt waren nur sechs Pferde im Rennen, und das Rennen passte einfach zeitlich vor dem geplanten Auftritt demnächst im Prix de Pomone in Deauville“, sprudelte es aus Niko Lafrentz heraus. Der Ehemann von Gestüt Görlsdorf-Besitzerin Heike Bischoff-Lafrentz durfte am Sonntagnachmittag trotz Regenwetters übers ganze Gesicht strahlen, denn alle Skeptiker wurden eines Besseren belehrt. Berlin Berlin, vierjährige Dubai Destination-Tochter, schaffte als 230:10-Riesenaußenseiterin die Sensation im 113. IDEE-Hansa-Preis (Gruppe II, 70.000 Euro, 2.400 m) in Hamburg. Für 7.000 Euro Nachnenngebühr gab es nun 40.000 Euro Prämie.

Auch wenn es erst der siebte Start der Lady war, so konnte man nach Vorformen doch nicht mit solch einem Sieg, dem ersten Gruppetreffer für den im Gestüt Röttgen beheimateten Trainer Markus Klug. Zu rechnen. Aber die Stute profitierte auch von einem Klassefinish von Andreas Helfenbein, der Macao-Heimkehrer, erst seit kurzem Görlsdorf-Stalljockey, bewies eiserne Nerven. Denn es war ein Rennverlauf, der nicht jedem Pferd zugute kam.

In hinteren Regionen wartete er den Gang der Dinge ab, als zunächst Baschar und in der Gegenseite Wilddrossel eine sehr flaue Fahrt vorlegten. Auch der Favorit Girolamo (15:10) gehörte wie Runaway der vorderen Gruppe an, doch verlor er auch kurz einmal seine gute Lage. Diese beiden Pferde traten auch auf der Geraden bald in Erscheinung, wobei der Gerling-Preis-Sieger aus bester Lage einfach nicht durchzog. Als man sich dann schon auf einen Triumph von Runaway eingestellt hatte, schoss tatsächlich aus dem Nichts und hart innen noch Berlin Berlin durch. In einem Thriller raufte sich die Görlsdorf-Lady noch mit einer Nase in Front. „Mit einem Platz zwischen drei und fünf wäre ich im Vorfeld zufrieden gewesen, nun bin ich natürlich überglücklich, denn mit einem Sieg war nicht zu rechnen“, berichtete Markus Klugs.
Runaway hatte überall gewonnen, nur nicht im Ziel. „Es ist natürlich denkbar unglücklich, mit einer Nase zu verlieren, aber das Pferd gibt immer sein Bestes“, kommentierte sein Trainer Andreas Trybuhl. Girolamo musste zuletzt passen und wurde nur Dritter. „Das Rennen war für ihn zu langsam, das war für Speedpferde nicht ideal“, meinte Peter Schiergen, dessen anderer Starter Silvaner sich als Vierter gut hielt. Der Rest hatte bald ausgespielt.

Natürlich war das einleitende 1.600 Meter-Rennen eine Mehr-Klassen-Gesellschaft, denn Moi Lolita (A. Helfenbein) und El Okawango standen deutlich heraus. Die heiße Favoritin Moi Lolita kontrollierte von der Spitze aus stets das Geschehen, doch wäre El Okawango nicht viel zu spät eingesetzt worden, dann hätte wohl nur der Wallach gewonnen. „Der Sieg sollte Moi Lolita Selbstvertrauen geben, denn sie hatte viel Pech in der letzten Zeit“, kommentierte Besitzer Niko Lafrentz. El Okawangos Trainer Hans-Jürgen Gröschel war weniger zufrieden: „Der Jockey hat sich viel zu weit herausgelegt.“ Weit zurück komplettierte Firuza die Dreierwette der Favoriten.

Bei den Dreijährigen über 1.600 Meter präsentierte sich WH Sport Internationals Picayune (87:10, E. Pedroza) weiter verbessert, denn die von Andreas Wöhler vorbereitete Stute wehrte den Favoriten Messi, der viel zu spät entscheidend nachsetzte, sowie Diaccia sicher ab. „Unser Pferd sollte hier Routine sammeln, er war das beste Pferd im Rennen“, kommentierte Besitzer Gregor Baum die knappe Niederlage. Die Siegerin steuert nun ein Listenrennen an.

Eine geradezu verblüffende Leistungsexplosion legt Belango (E. Hardouin, 37:10) für den Stall Fichtengrund hin. Seitdem der immerhin schon siebenjährige Wallach bei Champion Roland Dzubasz in Hoppegarten steht, gewinnt er nur noch. Im 20.000 Euro-Ausgleich II über 1.800 Meter landete er den vierten Coup hintereinander, wobei sich der 37:10-Favorit auf der Zielgeraden im Handumdrehen absetzte. „Er ist einfach sehr gut drauf. Aus dem Handicap sollte er nun heraus sein. Hamburg ist nicht weit weg von uns, die Luft ist gut und es gibt viel Geld zu gewinnen“, versicherte Dzubasz. Primera Vista schob sich in einer breiten Phalanx auf den Ehrenplatz vor Nordic Truce und Nafar, die in totem Rennen Dritter wurden.

Belangos rechter Bruder Balinus galt in der Wettchance des Tages (Ausgleich IV, 1.600 m) als heißer Favorit, doch auf den letzten Meter kam er nicht entscheidend weiter und musste mit dem dritten Rang vorlieb nehmen, nachdem er lange mit Myrtille gekämpft hatte. Aber zum Schluss schoss innen der verbesserte Twain (126:10, erster Horn-Sieg für Jana Oppermann) durch, wobei die Reiterin ihre Sache ausgezeichnet machte. „Ein toller Ritt, ich bin sehr zufrieden“, signalisierte Trainerin Erika Mäder. Samandur komplettierte die Viererwette, die 7.618:10 Euro brachte.

Und nicht nur die Serie von Belango ging weiter – im 20.000 Euro-Ausgleich II über 1.800 Meter triumphierte Koffi Angel zum vierten Mal 2013 und bleibt damit in dieser Saison ohne Niederlage. Sehr zur Freude von Kaffeekönig und HRC-Vizepräsident Albert Darboven. Mit großem Speed spurtete die 25:10-Favoritin unter Norman Richter an dem Allofs-Galopper Collodi und Foreign Princess vorbei. „Das eine eine sehr talentierte Stute, mit der wir nun auf Black Type versuchen“, kommentierte Koffi Angels Trainer Hans-Jürgen Gröschel.

Im zweiten Viererwett-Rennen gab es durch Al Quintana (178:10, B. Ganbat) eine große Überraschung. Sie hielt den Favoriten Shot to nothing sowie Burning Heart und Leoderprofi auf Distanz. Die Viererwette wurde nicht getroffen.

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