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Größter Außenseiter triumphiert in München

Die Seismos-Sensation

München 11. August 2013

Galopprennen sind manchmal unberechenbar, und auch das macht den besonderen Reiz dieser Sportart aus. Rund 5.000 Zuschauer konnten sich am Sonntag an einem sonnigen Großrenntag wieder einmal davon überzeugen. Denn im Großen Preis von Bayern (Gruppe I, 155.000 Euro, 2.400 m), einem der bedeutendsten Rennen der Riemer Saison, triumphierte mit Seismos der längste Außenseiter im kleinen Sechserfeld.

Zu einer stattlichen Quote von 134:10 Euro war der fünfjährige Wallach des Gestüts Karlshof der Familie Faust angetreten. Gerechnet hatten nur wenige mit dem fünften Karrieretreffer beim 15. Start des Dalakhani-Sohnes, den Andreas Wöhler in Spexard bei Gütersloh vorbereitet. Denn die vorherige Leistung im Idee-Hansa-Preis in Hamburg war wenig berauschend gewesen. Aber offenbar hatte man Seismos viel zu schnell abgeschrieben.

Dabei profitierte der Außenseiter auch von einem genialen Schachzug seines italienischen Jockeys Andrea Atzeni – als Quidamo zunächst eine sehr langsame Pace vorlegte, beorderte er Seismos schon nach wenigen hundert Metern in Front. Und dort kontrollierte er immer das Geschehen. Hinter Quidamo sah man die heiße 18:10-Favoritin Temida vor den beiden Ebbeslohern Empoli und Girolamo, während der Lokalmatador Feuerblitz beim ersten Start in diesem Jahr mit einigen Längen Abstand am Schluss folgte.

Zu Beginn der Zielgeraden ließ Atzeni Seismos kurz verschnaufen, die Konkurrenten mit Empoli, Girolamo und außen Feuerblitz wurden zwingender, aber bissen sich an ihm die Zähne aus – Seismos schaltete noch einmal einen Gang höher und verabschiedete sich auf großen Vorsprung. Mit vier Längen stürmte der Karlshofer zum Gruppe I-Triumph!

Sehr zur Überraschung seines Teams: „Wir wollten hier Dritter werden und sind vor allem deshalb gelaufen, da so wenige Pferde am Start waren“, gab Holger Faust von Besitzerseite zu. „Andreas Wöhler hatte die Idee, die Außenbox zu beantragen, da er schon einmal schlecht abspringt. Der Plan ging voll auf. So war es einfacher, nach vorne zu kommen. Der Rest ist Geschichte.“

Und Trainer Andreas Wöhler, der wahre Festwochen erlebt, sagte: „Temida war eigentlich nicht zu schlagen, eine Platzierung hätte uns schon gefreut. Es lief alles wie abgesprochen. Als er dann in der Geraden einen Satz machte, da wusste ich, ihn kriegt keiner mehr. Seismos galoppierte mit viel Spaß. Jetzt genießen wir erst einmal diesen Erfolg.“ Weitere Pläne sind also noch offen, aber das Canadian International in Toronto könnte ein Thema sein für Seismos, der 100.000 Euro auf das Konto seiner Eigner brachte und nun bei einer Gewinnsumme von 223.480 Euro steht.

Ausgezeichnet schlug sich der Dreijährige Empoli als Zweiter vor seinem ebenfalls gut dabeibleibenden Stallgefährten Girolamo. „Ich bin sehr zufrieden, wir waren Zweiter und Dritter in einem Gruppe I-Rennen“, gab Trainer Peter Schiergen zu. „Der Sieger war heute nicht zu schlagen. Mal abwarten, was wir nun machen.“

Auf Rang vier landete Feuerblitz, der es bei einem guten Moment beließ. „Eigentlich war es nicht so vorgesehen, derart weit hinten zu gehen. Weiter vorne wäre mir lieber gewesen“, kommentierte Trainer Michael Figge. Nur vor dem abbauenden Quidamo endete die enttäuschende Favoritin Temida als Fünfte. Ihr Betreuer Miltcho Mintchev stand vor einem Rätsel: „Sie ging schon im Schlussbogen nicht mehr gut und zog nicht an. Ich kann mir das noch nicht erklären.“

Ihm eilte immer ein großer Ruf voraus, doch in Gruppe-Rennen konnte er das bislang noch nicht bestätigen. Doch im Scalo – BBAG Auktionsrennen (52.000 Euro, 1.600 m) zeigte der Manduro-Sohn Royal Fox (21:10-Favorit, A. Starke) der Frankfurterin Margot Herbert, was in ihm steckt. Aus dem Mittelfeld verabschiedete sich der Dreijährige auf Nimmerwiedersehen von der Konkurrenz. Als Starke ihn Mitte der Geraden einsetzte, traten die anderen Pferde nur noch auf der Stelle. „Das war erwartungsgemäß, das letzte Laufen konnte nicht stimmen. Vielleicht steuern wir nun das Oettingen-Rennen in Baden-Baden an“, sagte Trainer Peter Schiergen. Und Andrasch Starke erklärte: „Das ist auf Dauer ein Gruppe-Pferd.“

Eine ausgezeichnete Leistung bot auch die nach einjähriger Pause heranstürmende Maricel. „Dass sie so gut laufen würde, hatten wir noch gar nicht erwartet. Sie war damals lahm aus dem Rennen gekommen und hatte Zeit gebraucht“, ließ Betreuer Andreas Wöhler durchblicken. Auch Turfjäger lief als Dritter mit Höchstgewicht gut. „Als Frontrenner ist es auf dieser Bahn immer schwer“, so Jens Hirschberger. Der Co-Favorit Messi kam aus guter Lage nicht weiter.

Besser konnte das Comeback von Jockey Adrie de Vries nicht ausfallen: Der Holländer stieg am Sonntag erstmals nach seiner Fußbruch-bedingten Verletzungspause wieder in den Sattel und holte sich gleich die Auftaktprüfung mit dem Zweijährigen Magic Artist.

Mit dem Iffraaj-Sohn und 25:10-Favoriten wartete er unterwegs in aller Ruhe den Gang der Dinge ab, um sich mit viel Speed noch locker gegen die gut debütierende Sugar Love und den spät noch gut anpackenden Cappuccilli noch zu schnappen. „Wir wussten, dass das ein Rennpferd ist. Er war total relaxed“, signalisierte Magic Artists Trainer Wolfgang Figge.

Regelrecht von den Sitzen riss es das Publikum in einer 1.600 Meter-Prüfung für Dreijährige, denn die debütierende Dubawi-Tochter Takenja imponierte unter Jozef Bojko bei ihrem Auftaktsieg gegen Bin Manduro und Arizona Desert sehr. 13 Längen legte die Schwester des Spitzen-Zweijährigen Tai Chi zwischen sich und die Konkurrenz. „Sie ist eine sehr große, starke Stute, die viel Zeit gebraucht hat“, erklärte Trainer Andreas Wöhler, der wie Besitzer Reginald Graf von Norman noch kein weiteres Ziel mit ihr im Auge hat. Doch werden das sicher große Rennen sein.

„Sie reitet wirklich sehr gut, und Sepideh musste einfach mal gewinnen“, lobte Trainer Werner Glanz die junge Tamara Hofer, denn in einer 1.600Meter-Prüfung für sieglose Pferde brachte sie Sepideh (95:10) für die große Besitzergemeinschaft des Galopp Club Süddeutschland genau rechtzeitig und wehrte auch die starke Schlussoffensive von Dusty Cloud ab. Mit Lady’s Day (118:10, Kampfsiegerin über Eternal Power und I do im Ausgleich III über 2.000 Meter) schafften Hofer und Glanz noch einen weiteren Punkt. „Zuletzt war sie in Bad Harzburg schon nach halber Strecke geschlagen, das konnte nicht stimmen“, meinte der Coach.

Eine Sensation gab es in einer 2.200 Meter-Prüfung für Dreijährige, denn der früher als Derby-Hoffnung gehandelte Schlenderhaner Iniciar (17:10), der sehr schwerfällig wirkte, wurde noch von Flying Dreams (310:10, mit Geburtstagskind Andreas Suborics, abgefangen. „Ich bin noch eine Woche in Deutschland, dann geht es wieder zurück nach Hong Kong“, verriet der Jockey. Trainer John David Hillis meinte: „Flying Dreams ist erst seit ein paar Wochen bei mir, hat sich aber stark verbessert.“ Der Besitzer, der Stall tmb, gewann auch später den 1.400 Meter-Ausgleich III mit Arenus (79:10, J.Korbus) für Trainer Christian Sprengel.

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