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Gröschel-Hengst überrascht in Baden-Baden

Die Explosion des Polish Vulcano

Baden-Baden 24. August 2013

Nur wenige Trainer haben solch einen Erfahrungsschatz wie Hans-Jürgen Gröschel – und die Pferde des 70-jährigen Altmeisters aus Hannover laufen derzeit so schnell wie kaum jemals zuvor. Bestes Beispiel war am Samstag, dem Eröffnungstag der Großen Woche in Baden-Baden vor 8.200 Zuschauern und bei sehr wechselhaftem Wetter der fünfjährige Lomitas-Sohn Polish Vulcano (150:10-Außenseiter, mit dem Russen Wladimir Panov) im Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.000 m).

Der im Besitz von Albert Darboven – der Kaffeekönig verfolgte das Rennen bei einer anderen Veranstaltung via ipad) – stehende Hengst war immer schon hocheingeschätzt worden. Vor zwei Jahren galt er als Derby-Hoffnung, doch immer wieder musste er Pausen einlegen. „Im vergangenen Jahr litt Polish Vulcano lange an einer Entzündung des Lymphbeins. Wir haben ihn ganz langsam wieder aufgebaut, und das macht sich nun bezahlt. Zuletzt in Düsseldorf hatte er sehr lange keinen Platz zur Entfaltung gehabt. Aber ich habe damals gesehen, dass er wieder auf dem richtigen Weg ist“, erklärte Hans-Jürgen Gröschel, nachdem sein Schützling in großem Stil beim elften Start den sechsten Sieg eingefahren und die 32.000 Prämie auf das Konto seines engagierten Hamburger Eigners galoppiert hatte.

Vorausgegangen war eine packende Entscheidung. Das gesamte Feld knubbelte sich an der Außenseite, wobei sich der Bahnspezialist Quinido lange bestens verteidigte, während der heiße 17:10-Favorit Neatico in erheblichen Schwierigkeiten war. Andolini hatte innen einen Moment, außen flog Earl of Tinsdal heran, und weiter innen entwickelte Polish Vulcano mächtigen Speed, der zu einem sicheren Triumph ausreichte. „Es lief alles perfekt. Wir hatten ein sehr gutes Rennen. Eigentlich wollte ich auf der Zielgeraden nach außen gehen, aber dort war der Weg versperrt, so dass ich es weiter innen versucht habe. Dort ist Polish Vulcano regelrecht explodiert“, verriet Siegreiter Wladimir Panov. Nun steuert man mit dem Sieger voraussichtlich den Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten an.

Earl of Tinsdal unterlag in allen Ehren. „Wir wussten, dass die Distanz etwas kurz für ihn ist. Mehr Tempo wäre gut gewesen. Andolini hat endlich wieder eine gute Form gezeigt“, berichtete Trainer Andreas Wöhler, dessen zweiter Kandidat auf Platz vier vorstieß. Einen Rang vor ihm landete der Co-Favorit Petit Chevalier, der ein denkbar schlechtes Rennen hatte, sich von weiter hinten nie entfalten konnte. „Das war ein schlechter Ritt. Adrie de Vries hat sich zu sehr auf Neatico konzentriert“, haderte Besitzer Reginald Graf von Norman mit dem Jockey.

Sogar Quinindo blieb noch vor dem früh geschlagenen Neatico (Sechster). „Ich war schon um den Knick geschlagen. Es lag nicht an den drei Kilo Mehrgewicht. Er hat heute vor dem Rennen geschwitzt, das ist völlig ungewöhnlich“, stand Jockey Andrasch Starke vor einem Rätsel. Ähnliches galt für Wasimah, die früh abgeschlagen war. „Sie war heute nicht das Pferd von ihrem letzten Start“, sagte Hans-Jürgen Gröschel.

Wer als Listensiegerin aus Vichy in das BBAG Auktionsrennen (102.500 Euro, 1.200 m) geht, der muss allerbeste Siegchancen haben. Und die im Besitz des Illertissener Kältetechnik-Unternehmers Rupert Plersch stehende Princess Bavaroise (23:10.Favoritin, Fabrice Veron) wurde dieser Einschätzung auch vollauf gerecht. Sofort hatte die von Henri-Alex Pantall vorbereitete Lady eine gute Position, und in der Außenspur verabschiedete sich die Desert-Prince-Tochter, die als Jährling für 16.000 Euro zurückgekauft worden war, sofort von der Konkurrenz.

„Mir ist immer bange, wenn man so eine heiße Favoritin im Rennen hat. Aber das war eine günstige Aufgabe. Princess Bavaroise hätte auch im Prix Morny laufen können, aber das war mir dann doch zu schwer. Sie kann auch weitere Distanzen. Nun steuern wir ein Gruppe III-Rennen in Frankreich an. Danach könnte sie am Arc-Tag zum Einsatz kommen. Ihr von Slickly stammender Bruder geht am Freitag zur Auktion“, berichtete Rupert Plersch, der seine Stute selbst zum Absattelring zurückführte. 50.000 Euro gab es als Siegprämie.
Emerald Star hielt als Co-Favoritin bestens stand , „sie ist sehr gut gelaufen und wird in ähnlichen Rennen weitermachen“, kommentierte Peter Schiergen. Dahinter hielt Rosa Rot Platz drei gegen Bella Kathina und Feodora.

Nach der ausgezeichneten Leistung in einem Hamburger Auktionsrennen reichte es im einleitenden 1.800 Meter-Rennen für Dreijährige (10.000 Euro) für Thomas Gehrigs Seewolf (50:10), der mit Miguel Lopez außen nach einer Kampf-Entscheidung noch knapp an dem Favoriten Warship und König Arte vorbeikam. „Diese Prüfung sah leichter aus als ein Rennen am zweiten Wochenende, daher sind wir hier gelaufen. Er hatte nach Hamburg etwas aussetzen müssen, doch das war heute eine gute Vorstellung“, kommentierte Siegtrainer Sascha Smrczek.

Zu großartiger Form gefunden hat Galoppclub Wambels Dorietta (87:10, Pascal Jonathan Werning), die nach dem Harzburger Treffer in einem 1.500 Meter-Handicap erneut sicher zum Zuge kam. Die Favoritin Sepideh und die in totem Rennen auf Rang drei eingekommenen The German Queen und Kim Groom landeten auf den Plätzen. Trainer Reiner Werning hatte schon viele Jahre nicht mehr auf dem Treppchen in Baden-Baden gestanden.

Ihren Ruf als absolute Bahnspezialistin untermauerte einmal mehr Monika Lindemanns Neapel (158:10, Cristian Demuro), die in der Wettchance des Tages (Ausgleich III, 2.000 m) vom vorletzten Platz die Gegner überlief und ganz zuletzt noch mit einer Nase an Anaita vorbeikam. „Sie liebt die Badener Luft. Wir haben hier immer die gleiche Sattelbox und folgen den immergleichen Ritualen“, signalisierte Besitzer Dr. Norman Albers. Titania und It’s a Privilege komplettierten die Viererwette, die 100.000:10 Euro bezahlte.

Im Alter von sieben Jahre erlebt Readyspice (55:10, E. Pedroza) seinen zweiten Frühling. Im 1.800 Meter-Verkaufsrennen entwickelte der Schützling von Champion Eduardo Pedroza die größten Reserven und wies die Österreicherin Lights On Me sowie den Favoriten El Okawango, der ein sehr schlechtes Rennen hatte, in die Schranken.

Sieben Jahre alt musste Antaro werden, um sein erstes Rennen zu gewinnen – ausgerechnet in einem 7.000 Euro-Ausgleich IV über 2.000 Meter klappte es mit gewaltigem Endspurt gegen Ramira und Bacchus Danon. „Auf den kleinen Bahnen passte es nicht so, heute hatte ich schon Mumm, hatte mit Piotr Krowicki einen Jockey engagiert“, gab Besitzertrainer Michael Alles zu. Die Sensation war perfekt – 712:10 gab es auf Sieg, die Dreierwette wurde gar nicht erst getroffen.

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