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Kujath-Wallach im Final-Highlight vorne

Proud Citizen macht alle stolz

Baden-Baden 2. September 2013

Seit fast zwanzig Jahren lässt Renate Oeser aus Bad Boll bei Stuttgart, aber in Hoppegarten aufgewachsen, von Wilfried Kujath in Frankfurt ihre Pferde vorbereiten. Und immer wieder ist ein veranlagter Vierbeiner darunter. Wie der vierjährige Wallach Proud Citizen (95:10, Jozef Bojko), der im 12.500 Euro-Ausgleich II über 1.600 Meter, am sonnigen PMU-Final-Montag vor 3.540 Zuschauern in Baden-Baden, das Hauptrennen der Neun-Rennen-Karte, sicher gewann.

Bis der dritte Karrieretreffer des Martillo-Sohnes unter Dach und Fach war, musste Jozef Bojko einiges tun, denn der Holländer Viscount Vert und Little Star waren hartnäckige Widersacher, während der Favorit Jack Sparrow aus bester Lage nicht weiterkam und auf Rang vier einkam. „Proud Citizen hatte früher bei mir ein Rennen gewonnen, lief dann in einem Listen-Rennen gar nicht schlecht, dann wechselte er zu Waldemar Hickst und war dreimal unplatziert. Da habe ich im vergangenen Winter angerufen und gefragt, ob man das Pferd kaufen könnte. Das klappte, und nach einer Anlaufzeit hat er nun wieder zwei Rennen für sich entschieden. Ein anständiges Pferd“, signalisierte Wilfried Kujath.

Die Stallform des Mülheimer Trainers William Mongil ist weiterhin über jeden Zweifel erhaben. Trotz einer einjährigen Pause trumpfte die von ihm vorbereitete Wafiyah (17:10-Favoritin) im einleitenden Maidenrennen ganz groß auf. Andrasch Starke tat nur das Notwendigste, um California und Cuore de Lute hinter sich zu lassen. „Sie wurde als Zweijährige angaloppiert. Das hatte sie aus der Bahn geworfen“, hieß es aus dem Umfeld von Wafiyah.

Der in Den Haag/Holland ansässige Trainer John Smith erlebte zum wiederholten Male ein Super-Meeting in Baden-Baden. Denn in einem 1.200 Meter-Handicap landete er mit Avow (85:10) den dritten Treffer in dieser Woche. Immer wieder legte der Wallach zu und konterte die stark wirkende Attacke des unglücklich agierenden Favoriten Cratos. „Er muss einfach öfter laufen. Er hatte mich einige Male enttäuscht“, gab der 58-jährige Smith zu, dessen einstiges Paradepferd Mack Summerland mit zehn Jahren sein Leben auf der Koppel genießt. 14 Pferde stehen in seinem Quartier. Zugute kam Avow ein perfekter Ritt von Jadey Pietrasiewicz, die in Glanzform agiert.

Auch mit 73 Jahren ist der Mülheimer Trainer Bruce Hellier noch fit wie ein Turnschuh. „Ich reite jeden Morgen sechs Lots und spiele Tennis. Acht Pferde bereite ich als Hobby noch vor“, berichtete der Coach nach dem souveränen Start-Ziel-Erfolg von Miss Rembrandt (56:10, vierter Meetingstreffer für Jockey Andre Best) in einem Sieglosenrennen für Dreijährige über 1.200 Meter. Alle Angriffe von Diamond Kathi und Index Walter liefen ins Leere. „Miss Rembrandt hatte keine schlechte Form. Zuletzt wurde ihr am Start übel mitgespielt, heute kam sie sehr gut ab“, erklärte Hellier.

Bereits zu seinem siebten Meetingstreffer kam Andrasch Starke mit dem 84:10-Außenseiter Samuro in einem 12.000 Euro-Goldhandicap über 2.000 Meter. Früh auf der Geraden zog der Champion mit dem Wallach in Front und ließ sich durch Brummer und Dangus nie beeindrucken. Besitzertrainerin Kerstin Biskupski meinte: „Samuro braucht unbedingt guten, ebenen Boden. Und Andrasch hat ihn perfekt geritten. Es war mein zweiter Sieg in Baden-Baden insgesamt nach Tumult. Seit gestern habe ich mit Be my Lion noch ein zweites Pferd in Training.“

Mit gewaltigen Reserven überbot Erika Müllers Antonio Vivaldi (70:10) unter Eduardo Pedroza in einem 10.000 Euro-Rennen für Dreijährige über 2.400 Meter sein Debüt deutlich und fing dabei den Österreichischen Derby-Zweiten Cafe au lait noch ab. „Er brauchte viel Zeit, ist noch sehr unreif. Aber eine gute Meinung hatte ich von ihm immer. Sein Bruder Appleby ist ja auch ein talentiertes Pferd“, berichtete Trainer Sascha Smrczek.

Eine ganz erstaunliche Laufbahn schlägt Pagan Warrior ein. Der fünfjährige Wallach, ein Sohn des Ausnahme-Vererbers Sadler’s Wells, scheint der Handicapper des Jahres zu sein. Denn in einem 1.600 Meter-Ausgleich IV schaffte er seinen siebten Saisonsieg! Nachdem er am ersten Wochenende noch von der Disqualifikation eines Konkurrenten profitiert hatte, verabschiedete er sich unter einem wie entfesselt agierenden Andrasch Starke (dritter Tagestreffer, achter Meetingserfolg) aus dem Vordetrreffen ohne Probleme von Ocean of Fire, Directa Princess und Skyline (die Viererwette bezahlte 24.305:10 Euro). „Christian von der Recke hatte ihn mit sieben anderen Pferden aus England mitgebracht. Ich wollte nur ihn haben, viel gekostet hat er nicht. Die Meile ist genau sein Ding. Das Ziel ist ein Platin-Handicap beim Sales & Racing-Festival hier im Oktober“, ließ Besitzer und Trainer Uwe Schwinn nach seinem vierten Meetingssieg durchblicken.

Zu großartiger Form hat in dieser Saison Shinko Danon (50:10, Cristian Demuro) gefunden, der Wallach aus dem Münchener Stall von Jutta Mayer sicherte sich den Ausgleich III über 1.200 Meter mit tollen Reserven gegen Kepler und Kool And The Gang. „Er braucht unbedingt festen Boden“, nannte die Trainerin das Erfolgsrezept. Jockey Cristian Demuro nahm auf Anraten seines Managers Holger Faust diesen Ritt noch wahr, wird nun am Dienstag via Rom die Reise nach Frankreich antreten, wo er für Criquette Head-Maarek arbeiten wird.

Das abschließende Rennen, ein 12.000 Euro-Goldhandicap über 2.000 Meter, ging auf das Konto von Mightyrushingwind (65:10, Alexander Pietsch), der erst in dieser Saison so richtig aufgewacht ist. „Wir wollten ihn fast schon verschenken, aber für 1.000 Euro fand sich kein Interessent“, sagte Trainer Pavel Vovcenko nach dem leichten Treffer über Sweet Enough und Ramira. Es war der fünfte Sieg des Coaches seit Sonntag.

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