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Interview mit Besitzer Dr. Christoph Berglar

„Novellist kniet sich in seine Aufgabe hinein“

Köln 1. Oktober 2013

Dr. Christoph Berglar ist Besitzer des deutschen Arc-Starters Novellist. Bei German Racing erläutert er seine Hoffnungen für das Millionenrennen.

Novellist ist das beste aktive Pferd Europas und einer der Top-Favoriten auf den Arc-Sieg. Was ist Ihr Ziel?

Dr. Christoph Berglar: Alle teilnehmenden Teams haben dasselbe Ziel: dass ihr Pferd als erstes die Ziellinie passiert und nicht disqualifiziert wird. Das Ziel ist für alle dasselbe, die Mittel, Chancen und Wahrscheinlichkeiten sind jedoch unterschiedlich. Ich bin für unser Team relativ zuversichtlich.

Was zeichnet Novellist besonders aus und macht ihn so einzigartig?

Novellist kniet sich in seine Aufgabe mit einer unerhörten Energie hinein, dabei galoppiert er so elastisch wie ein Flummiball. Er verfügt über eine beachtliche Beschleunigung und über enorme Steherqualitäten. Novellist ist zudem ein wunderschönes Pferd, und er verfügt über ein sehr bemerkenswertes Pedigree: in den ersten drei Generationen finden sich unter 14 Vorfahren lediglich zwei Ausländer; eine echte Rarität. Zudem geht Novellist mütterlicherseits auf die Mutterlinie von Nearco zurück, weltweit der einflussreichste Vererber der letzten 75 Jahre. Auf diese Mutterlinie ist Novellist mehrfach ingezogen, was ihn aus Sicht eines Züchters zu einem echten Unikat macht.

Wie würden Sie Novellist mit Danedream vergleichen?

Beide haben gemeinsam ihren Ausnahmestatus als Rennpferde, und vieles, was ich zur Charakterisierung von Novellist gesagt habe, trifft auch auf Danedream zu. Hinzufügen möchte ich, dass beide Pferde von zwei hervorragenden Trainern trainiert worden sind. Der Trainer kann ein Pferd zwar nicht schneller machen als es ist, aber nicht jedem Trainer gelingt es, das Potential, das in einem Pferd steckt, zur vollen Entfaltung zu bringen.

Danedream war für seinen Besitzer ein unglaublicher Lottogewinn. Novellist ist das Ergebnis über zwanzigjährigen Bemühens in der Vollblutzucht, seine Urgroßmutter Narola war mein erstes Rennpferd.

Wie sind Sie eigentlich persönlich zum Rennsport gekommen?

Das begann im Jahr 1990. Wir waren mit dem damaligen Kölner Renn-Vereins-Präsidenten Friedrich Roesch befreundet. Auf seine Empfehlung hin habe ich damals die Stute Narola gekauft, die Urgroßmutter von Novellist. Sie war nicht größer als ein deutscher Schäferhund, war aber sehr erfolgreich, und alle ihre 13 Nachkommen haben gewonnen. 1995 habe ich dann das Union-Gestüt gepachtet, bis zum Jahr 2010. Auch Novellists Mutter Night Lagoon war ein exzellentes Pferd, u.a. Champion-Zweijährige. Und ihr Sohn Night Tango wurde sogar Zweiter im Derby.

Welche Voraussetzungen erhoffen Sie sich für den Arc?

Ich wünsche uns allen einen fairen, schnellen Rennverlauf, einen echten Test auf Stamina, Schnelligkeit und Härte. Auf nicht zu weichem Geläuf.

Welches sind die stärksten Konkurrenten?

Das wird sich am 6. Oktober zeigen. In den letzten Jahren waren mehrfach Außenseiter weit vorne. Gearbeitet hat Novellist am Montag hervorragend. Aber wir wissen alle, dass es keine einfache Aufgabe sein wird. Rein rechnerisch steht die Stute Treve am günstigsten, gefolgt von den Dreijährigen Ruler Of The World, Kizuna und Flintshire, dann kommen Orfevre und Novellist.

Wie schwer war es bislang für Sie, Kaufangeboten zu widerstehen?

Der Hengst hat jetzt, unmittelbar vor dem Arc, einen Marktwert, den er nach dem 6. Oktober nicht mehr erreichen wird, selbst wenn er den Arc gewinnen sollte. Schwer wäre es nur geworden, wenn maximale Geldvermehrung mein oberstes Ziel wäre, denn dann hätte ich darauf verzichten müssen, dass Novellist in unseren Farben im Arc an den Start kommt. Meine Entscheidung ist finanziell unvernünftig, aber ich bin mit mir in Frieden.

Es gab Diskussionen über Ihre Entscheidung, anstelle von Stalljockey Eduardo Pedroza den Iren Johnny Murtagh als Jockey zu engagieren.

Ich möchte da ein Bild als Vergleich geben. Wenn man den Mount Everest besteigen will, sucht man sich einen erfahrenen, ortskundigen Bergführer und keinen Führer, der sich in den Alpen oder Dolomiten bestens auskennt. Johnny Murtagh hat über hundert Gruppe I-Rennen gewonnen und auch den Arc mit Sinndar.

Werden Sie in der Nacht vor dem Rennen ruhig schlafen? Wie stark ist für Sie der Druck vor dem Rennen?

Ich werde gut schlafen, und ich verspüre keinerlei Druck.

Sollte der Traum vom Sieg in Erfüllung gehen, was haben Sie sich für den Abend vorgenommen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Wenn Novellist die Form aus Ascot einstellt, dann ist er ganz weit vorne. Doch die Frage ist um diese Jahreszeit, ob er dazu in der Lage ist. Die mentale Stärke wird den Ausschlag geben.

Wie geht es nach dem Arc mit Novellist weiter?

Der Breeders' Cup in Kalifornien kommt wohl zu früh. Novellist bekommt eine Nennung im Japan Cup. Höchstwahrscheinlich wird er Ende des Jahres dann Deckhengst. Wo das sein wird, werden wir in Ruhe nach dem Arc entscheiden.

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