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Adriana lässt die Favoriten abblitzen

Sensation beim Gruppe-Finale

Frankfurt/Main 10. November 2013

Vier Rennen hatte die Poliglote-Tochter Adriana bisher in ihrer Karriere gewonnen, doch ein solches wie an diesem verregneten Sonntag in Frankfurt war bisher noch nicht darunter. Denn im Hessen-Pokal (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.000 m), dem letzten Gruppe-Rennen der Saison in Deutschland, schlug die bisherige Sternstunde der Fünfjährigen, die dem Kraichtaler Bäckermeister August Föckler gehört und von Mirek Rulec in Iffezheim trainiert wird.

Die Lady, zuletzt Vierte im Premio Lydia Tesio (Gruppe I) war von den Wettern sträflich unterschätzt worden, denn sie ging als allerletzte Außenseiterin im achtköpfigen Feld (Quote 162:10) auf die Reise. Doch das hinderte Adriana nicht an einem sensationellen Triumph. Start-Ziel teilte Lennart Hammer-Hansen ihr alles bestens ein. Nie kam ein Konkurrent in die Nähe. „Der weiche Boden war perfekt für sie. Da ist sie in ihrem Element. Adriana zog immer weiter. Ihre Zukunft ist noch offen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie noch ein Jahr in Training bleibt“, signalisierte Mirek Rulec.

Vier Längen hinter der Überraschungssiegerin war der Ehrenplatz hart umkämpft. Der 22:10-Favorit Petit Chevalier, der unterwegs teilweise auf den letzten Platz zurückgefallen war, kam innen noch einmal wieder. Auch wenn er keine Gewinnchance hatte, lief er das erwartet gute Rennen, musste aber wie schon 2012 mit dem zweiten Rang vorlieb nehmen. „Der Rennverlauf war nicht ganz wie geplant. Er soll jetzt erst einmal nach Hause kommen, dann schauen wir weiter“, sagte Trainer William Mongil.

Bei Petit Chevalier dürften die Hong Kong-Pläne ebenso wie bei Zazou vorerst ad acta gelegt worden sein. Dieser erreichte in bester Haltung als Zweiter die Zielgerade, kam aber am Ende nicht mehr weiter und wurde nur Vierter. „Er ging lange gut, doch anschließend zog er nicht durch“, versicherte Trainer Waldemar Hickst. An ihm vorbei raufte sich noch Polish Vulcano, der außen stark nachsetzte. „Es war nicht genug Tempo, aber das Laufen geht absolut in Ordnung. Er wird uns im nächsten Jahr noch einige Freude bereiten“, glaubt Hans-Jürgen Gröschel. Swordhalf, Belango, der länger zweitplatzierte Windsor und Ostinato hatten früh nichts mehr zu bestellen.

„Sein Debüt war schon gut, er hatte ein Rennen im Bauch, und heute lief auch alles nach Plan“, kommentierte Trainer Peter Schiergen den Sieg des von ihm vorbereiteten Ebbeslohers Doinyo (26:10, A. Starke), der in der Meilen-Prüfung für Zweijährige sicher zum Zuge kam und nun in die Winterpause gehen wird. Von zweiter Position aus musste sein Jockey zwar früh nachfassen, während die Debütantin Tahmineh vorne noch gut ging, aber auf den letzten 150 Metern wurde er immer stärker und kam noch gut hin. Mit etwas mehr Routine hätte allerdings der erstmals aufgebotene Time of my Life gewonnen, der auf Schlangenlinien außen sehr flott wurde. „Er konnte zunächst das Tempo nicht mitgehen, packte aber noch einmal an“, versicherte Trainer Waldemar Hickst. Tahmineh hielt lange stand und sollte bald gewinnen. Cassilero folgte schon deutlicher zurück, während Against all Reason von dritter Position aus zeitig genug hatte.

Trainer Peter Schiergen machte mit dem in einem 2.800 Meter-Handicap locker davonziehenden Nadenko (72:10, unter Amateur-Champion Dennis Schiergen) vor dem formkonstanten Wells’s Wonder und dem Favoriten Fibonacci) ein Doppel perfekt. „Bei Nadenko passte heute alles, er hatte sich in Hannover schon angekündigt“, so der Coach.

Eine herbe Schlappe gab es für die Favoritenwetter im einleitenden Maidenrennen für Dreijährige, als der auf 17:10 heruntergewettete Ambizioso nach schwachem Start nie in die Partie fand und nur Vierter wurde. Ganz anders der 146:10-Außenseiter American Star (F.-X. Weißmeier), der mit gewaltigem Speed noch an dem lange führenden Sao Paulo und Viva L‘ Inghilterra vorbeikam.“Damit hatte ich gar nicht gerechnet“, gab Siegtrainer Uwe Schwinn, bei dem es weiterhin ganz großartig läuft, offen zu.

Nicht besser erging es der 14:10-Chance Ever Strong in einer Meilen-Prüfung unter hohem Gewicht. Aus dem Mittelfeld zog der heiße Favorit an der Außenseite schon früh nicht mehr durch und musste sich mit dem vierten Rang zufriedengeben. „Vielleicht ist er doch schon über die Hochform hinweg“, meinte sein Betreuer Dr. Andreas Bolte. Wesentlich besser aufgelegt war die zuletzt in schweren Prüfungen gestartete Alpha (88:10). In einem knappen Endkampf rettete Pascal Jonathan Werning einen Vorteil von einer halben Länge gegen Pristina (Markus Klug: „Sie konnte nach der Pause kaum besser laufen“) und Kazzira.

Alpha wurde die Strecke am Schluss etwas weit. Ich habe sie mit Gefühl taxiert und den Schwung mitgenommen. Vielleicht laufen wir mit ihr nun auf der Sandbahn. Ich bin mir sicher, dass sie im nächsten Jahr wieder in Form kommen wird“, versicherte Siegreiter Pascal Jonathan Werning.

Einen ganz besonderen Treffer erzielte der Iffezheimer Coach Gerald Geisler. Mit dem immerhin schon siebenjährigen Wallach Van Tullian (93:10) feierte er den 200. Trainer-Erfolg. „Er braucht weichen Boden. Daniele Porcu hat ihn selbst gehen lassen, als die anderen eher halbherzig zu Werke gegangen sind. Als er im Schlussbogen einen Satz vor das Feld machte, war ich schon recht zuversichtlich“, gab der Betreuer zu. Start-Ziel hatte sich der Tertullian-Sohn rechtzeitig abgesetzt und hielt den spät auf Touren kommenden Favoriten Fly First, der zuletzt noch vor ihm geblieben war, sowie den äußerst flott endenden Twain auf Distanz.

So richtig der Knoten geplatzt ist jetzt bei dem von Andreas Wöhler vorbereiteten Cabanello (E. Pedroza, 76:10). Aus bester Haltung entwickelte der vierjährige Wallach in einem 1.600 Meter-Ausgleich IV enorme Reserven vor der dauerplatzierten Lulea, der noch riesig aufkommenden Seriensiegerin California und dem Favoriten Kowalsky. Die Viererwette in der Wettchance des Tages bezahlte 24.604:10 Euro.

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