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Minarik-Coup mit dem Schlenderhan-Wallach

Almandin der Überraschungssieger

Baden-Baden 1. Juni 2014

Es war eine ergreifende Szene, die sich im Absattelring der Rennbahn Iffezheim am Sonntag um kurz vor 17 Uhr abspielte. Jockey Filip Minarik nahm Turf-Legende Hein Bollow in den Arm und setzte ihm seine Kappe auf. Voller Freude über den völlig überraschenden Triumph mit dem 148:10-Außenseiter Almandin im Großen Preis der Badischen Unternehmer (Gruppe II, 70.000 Euro, 2.200 m), dem Highlight des Frühjahrs-Meetings in Baden-Baden vor 10.400 Zuschauern.

Fünfmal war der Sohn von Deckhengst-Superstar Monsun bisher gelaufen, hatte bisher nur ein kleines Rennen gewonnen und zwei Ehrenplätze in wesentlich einfacheren Prüfungen in Frankreich belegt. Doch nun präsentierte sich der vierjährige Wallach mächtig gesteigert.

„Wir konnten das Tempo bestens mitgehen, von Anfang an. Und als Almandin auf der Geraden einen Satz gemacht hat, da war ich mir sicher, dass wir gewinnen würden“, berichtete Filip Minarik, der seine Sache ausgezeichnet machte. Der im vergangenen Jahr wegen eines Burn-out mehrere Monate außer Gefecht befindliche Reiter ist so gut wie eh und je und wird nun erster Stalljockey im Gestüt Schlenderhan und wird an zwei bis drei Tagen dort auch im Training in den Sattel steigen. „Das ist eine große Herausforderung, für dieses Traditionsgestüt zu reiten“, sagte Minarik.

Während Trainer Jean-Pierre Carvalho in Chantilly weilte, kommentierte General Manager Genhard Apelt: „Almandin hatte im Vorjahr eine Blasenentzündung, Harnkristalle hatten sich abgesetzt. Das hat ihm beim Galoppieren weh getan. Wir haben das erst spät mit einem speziellen Ultraschall festgestellt. Dann wurde er direkt auch zum Wallach befördert. Er ist ein spätes Pferd, schon sein Bruder Atempo besaß einiges Können. Heute war ein Gradmesser, wir wussten auch nicht, wo wir stehen. In Frankreich war er zu früh vorne. Filip Minarik hat ihn super geritten.“

Lange bestimmten Adriana und Vif Monsieur die flotte Fahrt vor Polish Vulcano und Feuerblitz, dann etwas Abstand zum Derbysieger Lucky Speed und Almandin. Night Wish, Protectionist und Quinzieme Monarque folgten dahinter.

Auf der Geraden hatten die vorderen Pferde bald genug, als Almandin rasch nach vorne stürmte und sich einen klaren Vorteil verschaffte. Diese reichte schließlich aus, um den zu spät heranfliegenden Protectionist mit einer dreiviertel Länge abzuwehren. „Wir haben lange überlegt, ob wir hier starten sollten, das war eine gute Entscheidung. Wir steuern nun Hamburg an“, versicherte Trainer Andreas Wöhler.

Auch Lucky Speed machte bei seinem Comeback noch einigen Boden gut, wurde Dritter. „Das war gut nach der langen Pause und mit dem hohen Gewicht. Wahrscheinlich starten wir nun im Hansa-Preis“, so sein Betreuer Peter Schiergen.
Polish Vulcano lief als Vierter ausgezeichnet. „Wir haben uns hier nicht blamiert“, sagte Trainer Hans-Jürgen Gröschel. Vif Monsieur und Quinzieme Monarque blieben noch dabei, während Adriana und Feuerblitz sich völlig geschlagen gaben.

Deutschlands hoffnungsvollster junger Sprinter ist spätestens seit diesem Sonntag Gestüt Höny-Hofs Donnerschlag (35:10, A. Helfenbein). Für Besitzer Manfred Hellwig, der seinen Wallach persönlich in den Absattelring zurückbegleitete, holte sich der Favorit aus dem großen Formstall von Andreas Löwe nach einem Top-Ritt des ebenfalls in unübertrefflicher Verfassung agierenden Jockey Andreas Helfenbein das Benazet-Rennen – Badener Roulette-Preis (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.200 m).

Lange ließ sich Donnerschlag von der Außenseiterin Alpha führen, um sich auf dem letzten Wegstück locker freizumachen. „Er ist ein großes, spätes Pferd. Unser Ziel ist natürlich die Goldene Peitsche“, kommentierte Trainer Andreas Löwe. Der Franzose Gammarth wurde noch sehr schnell, bestätigte den Ehrenplatz vom letzten Jahr aus dem bedeutendsten Fliegerrennen vor der lange führenden Alpha. „Sie ist super gelaufen, nun steht ein 1.000 Meter-Rennen in zwei Wochen in Hoppegarten auf dem Programm“, ließ Trainer Rainer Werning durchblicken. Charles Darwin kam noch besser ins Bild.

Er hat einfach ein goldenes Händchen: Guido Schmitt, Besitzer aus Düsseldorf, kaufte am Freitag bei der BBAG-Frühjahrsauktion für 30.000 Euro den fünfjährigen Hengst Lateran Accord (26:10, F. Minarik) von Dr. Christoph Berglar. „Ich habe ihm dazu geraten, denn das ist ein richtig gutes Pferd. Wahrscheinlich gehen wir nun wieder nach Frankreich“, kommentierte Trainer Waldemar Hickst nach dem souveränen Erfolg des Favoriten, der von zweiter Stelle früh souverän war. Betty Lou und Santillana machten noch ordentlich Boden gut. „Der Sieger war nicht zu schlagen, beide liefen auf nicht idealem Boden gut“, versicherte ihr Betreuer Markus Klug.

Das erste Zweijährigen-Rennen der Saison, das Richard Kaselowsky Memorial (15.000 Euro, 1.000 m) wurde zu einer Beute von Gestüt Brümmerhofs England-Akquisition Banana Split (35:10, A. de Vries). Die Kyllachy-Tochter entwickelte auf den letzten 200 Metern mächtige Reserven und verwies den Franzosen Royal Style sowie die kurz in Front befindliche Sanandaj auf die Plätze. „Sie ist von meinen jungen Pferden am weitesten. Wir steuern nun ein Listenrennen in Köln an“, ließ Trainer Paul Harley durchblicken.

Das beste deutsche Araberpferd ist unverändert der von Gunter Richter in Hoppegarten vorbereitete Ameretto (M. Manueddu, 49:10). Mit viel Speed zwang der Mitfavorit im The President of the United Arab Emirates Cup (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.600 m) den noch stärker gewetteten und lange führenden Phraseur Kossack sowie Lillij Ann in die Knie.

Das absolute Highlight aus Wettersicht war der Ausgleich III über 1.800 Meter mit einer Garantie-Auszahlung von 60.000 Euro in der Viererwette. Hier triumphierte auch bei seinem zweiten Auftritt der weiter steigerungsfähige Motabaary (dritter Treffer für Tamara Hofer bei diesem Meeting, 75:10) in großer Manier auf der Außenspur vor Smoke Charger, Silencio und Twain. Die Viererwette bezahlte 608.070:10 Euro. „Man weiß noch gar nicht, was er kann. Die Superhandicaps in Bad Harzburg könnten das Fernziel sein“, versicherte Siegtrainer Werner Glanz.

Seinen ersten Meetingstreffer schaffte Eduardo Pedroza auf dem von Andreas Wöhler aufgebotenen Pucco (53:10) in einem 2.400 Meter-Rennen vor Notre Same und Time of my Life.

Weiterhin ungeschlagen bleibt der Ittlinger Letro (St. Hellyn, 21:10) aus dem Quartier von Waldemar Hickst. Der heiße Favorit setzte sich im Ausgleich II über 2.000 Meter locker von Foreign Hill und Madhyana ab und gewann auch bei seinem dritten Auftritt.

Mit dem bestens vorbereiteten Holländer Tribal I D (30:10) landete Filip Minarik Start-Ziel in einem 1.400 Meter-Ausgleich III noch einen weiteren, sicheren Sieg vor Leoderprofi und Kasuga Danon.

Im abschließenden Ausgleich III über 2.200 Meter setzte sich noch einmal Meetingschampion Adrie de Vries mit Rudi Storps Glamour Girl (26:10) in Szene, die Ramblin Shadow, Best Man und Ring of Fire sicher hinter sich ließ.

In Leipzig punktete der von Roland Dzubasz trainierte Ramssiss (35:10, M. Cadeddu) in der Dreijährigen-Prüfung über die Meile vor der heißen Favoritin Oske und Antonia Bella. Der Wallach ist ein Sohn des Arc-Dritten It’s Gino, der ebenfalls bereits im Besitz des Stalles 5 Stars von Tonya Rogge stand. In einem Meilen-Hamdicap sorgte Chamberley (325:10, T. Schurig) für eine Sensation. Den Ausgleich III über die Meile sicherte sich Hans-Jürgen Gröschels Gambadino (31:10, W. Panov) vor Concordia und Hannover Indian. Das Pendant über 2.000 Meter ging an Claudia Barsigs Pyrenean Music (26:10, M. Cadeddu) vor Mr Beauregard und Laolita.

In Verden gab sich im einleitenden 2.400 Meter-Rennen kein Geringerer als der Ittlinger Stellato (11:10, C. Chan) die Ehre. Der schon in Grupperennen angetretene Wallach aus dem Stall von Waldemar Hickst musste sich aber ordentlich rühren, um Wheredreamsare noch abzufangen. Im Jagdrennen gab es ein packendes Finale zwischen zwei Belgiern aus dem Vlaminck-Stall: Coyaique (33:10, M. Lopez) raufte sich knapp gegen Sweet Chloe nach Hause.

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