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Schlenderhaner bezwingt Sea The Moon im Großen Preis

Ivanhowe überrascht in Baden-Baden

Baden-Baden 7. September 2014

Mit einer großen Überraschung endete vor 15.300 Zuschauern der Longines – Großer Preis von Baden. Die mit 250.000 Euro dotierte Gruppe I-Prüfung über 2.400 Meter am Sonntag auf der Galopprennbahn in Baden-Baden-Iffezheim gewann der im Besitz des Gestüts Schlenderhan von Georg Baron von Ullmann stehende vierjährige Hengst Ivanhowe. Der von dem Franzosen Jean-Pierre Carvalho trainierte Soldier Hollow-Sohn triumphierte unter Jockey Filip Minarik mit gewaltiger Endgeschwindigkeit mit drei Längen Vorsprung gegen den heißen Favoriten und bislang noch ungeschlagenen Derbysieger Sea The Moon sowie den Riesenaußenseiter Night Wish.

Sea The Moon (15:10 am Totalisator notiert) hatte nach ständiger Führung den Sieg kurz vor Augen, doch ganz an der Außenseite stürmte Ivanhowe (Quote 116:10) noch überaus leicht an ihm vorbei. 150.000 Euro wanderten auf das Konto des ältesten deutschen Privatgestüts Schlenderhan. Damit steigerte Ivanhowe seine Gewinnsumme auf 236.200 Euro. Es war der vierte Sieg beim siebten Start des Hengstes, der im Frühjahr den Gerling-Preis (Gruppe II) in Köln gewonnen, aber seit seiner schwächeren Leistung im Grand Prix de Chantilly am 1. Juni nicht mehr gelaufen war.

„Wir haben immer gewusst, dass er ein sehr gutes Pferd ist. Er hatte ein Hufproblem, da mussten wir erst mit dem Training aussetzen und ihn wieder neu aufbauen. Da war die Frage, ob das für heute schon ausreichen würde. Aber auch Sea The Moon war ja offenbar noch nicht auf hundert Prozent. Wir freuen uns, nun aller Voraussicht nach einen Starter im Prix de l‘ Arc de Triomphe (am 5. Oktober in Paris) zu haben“, kommentierte Schlenderhans General Manager Gebhard Apelt, der nach einer Inspektion des Geläufs am Morgen grünes Licht für den Start gegeben hatte.

Jockey Filip Minarik, der den Großen Preis von Baden zum dritten Mal nach Prince Flori und Night Magic gewann, er völlig überwältigt: „Ich habe Ivanhowe mit viel Vertrauen geritten, habe ihn ganz nach hinten zurückgenommen. Im letzten Bogen war ich mir schon sicher, dass er gewinnen würde, was auch immer da noch kommen würde. Ich habe immer gewusst, dass er ein außergewöhnliches Pferd ist und das beste, das ich je geritten habe. Ich bin sehr happy und stolz. Heute sind zwei großartige Pferde aufeinandergetroffen und das bessere hat gewonnen.“

Trainer Jean-Pierre Carvalho meinte: „Bei ihm war ein kleines Malheur passiert, als sein Huf zu kurz geschnitten wurde. Man musste nur Geduld haben, es war nichts Schlimmes, aber zwei Wochen wurde er aus der Bahn geworfen. Wir hatten den Grand Prix de Deauville vor einer Woche oder Baden-Baden im Plan, und nach sechs Wochen in vollem Training haben wir uns für Iffezheim entschieden. Ob wir in den Arc gehen, werden wir noch besprechen.“
Sea The Moon enttäuschte auch in der Niederlage nicht. „Ich habe immer gesagt, dass er noch nicht auf hundert Prozent ist. Wir haben uns nicht blamiert und sind auch nicht deprimiert. Die Planung bleibt wie sie ist“, so sein Betreuer Markus Klug. Und Jockey Cristian Demuro ergänzte: Er war wohl nocht nicht voll auf dem Zenit, das Tempo war leider nicht sehr hoch.“

Ein glänzendes Rennen lief als Dritter der Münchener Gast Night Wish. „Das ist super. Ich habe immer an ihn geglaubt. Nun ist der Preis von Europa sein Ziel“, signalisierte sein Besitzer Hans-Gerd Wernicke über den von Wolfgang Figge trainierten Hengst des Stalles Salzburg.

Platz vier ging an den überraschend stark laufenden Giant’s Cauldron. „Er hat bestätigt, dass er in diese Klasse gehört, ist noch ein Baby“, erläuterte Paul von Schubert vom Gestüt Ebbesloh.

Die hochgehandelten Sirius (Fünfter) und Lucky Lion (Siebter) blieben ebenso wirkungslos wie Ex-Derbysieger Lucky Speed (Neunter).

Auch das Rahmenprogramm an diesem Sommertag hatte es in sich. Ganz fest in französischer Hand war der Berenberg Cup (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.800 m), denn die beiden Gäste waren in dieser Prüfung allein auf weiter Flur. Vom vorletzten Platz aus entwickelte die im Besitz und aus der Zucht von Sandro Gianella stammende Kamellata (A. Crastus) so viel Speed, dass auch die Landsfrau, die Aga Khan-Lady Kozideh passen musste.

Kamellata hatte lange gebraucht, bis sie volles Black Type bekommen hat. Sie war so oft platziert, Endlich hat es geklappt“, freute sich Rahel Gianella, deren Ehemann Sandro im Züricher Rennsport eine erste Adresse ist. Kamellata hatte als Dritte im Diana-Trial auf diesem Kurs bereits sehr gefallen können.
Kozideh unterlag in allen Ehren, sollte sich bald so eine Aufgabe schnappen. Zur besten deutschen Stute avancierte die Röttgenerin Elora Princess, die sich noch gut steigern konnte und vor Love Happens blieb.

„Das war eine gewaltige Steigerung gegenüber ihrem letzten Laufen in Bad Doberan“, freute sich Harzburgs Gestütsleiter Andreas Kißler nach dem 2.200 Meter-Stutenrennen zum Auftakt. Denn mit Kashya (114:10, J. Bojko) war eigentlich kaum zu rechnen. Doch mit zunehmender Distanz wurde die Adlerflug-Tochter immer zwingender und bekam die Favoritin Tanamia und die stets hinter ihr galoppierende Sexy Girl noch locker in den Griff. „Kashya hatte sich in der Arbeit klar verbessert und besitzt einen tollen Charakter mit einem angenehmen Phlegma“, kommentierte ihr Betreuer Uwe Stech.

Auch eine Pause seit dem Ehrenplatz beim Frühjahrs-Meeting hinderte den von Waldemar Hickst vorbereiteten Zidar (33:10, A. Pietsch) nicht an einem leichten Erfolg in einem 1.600 Meter-Rennen für Dreijährige gegen die sehr lange standhaltende Riesenaußenseiterin Lausanne und Nuri Bey.

Ein besonderes Kompliment verdiente sich der Bremer Trainer Pavel Vovcenko (weilte in Quakenbrück), denn der von ihm vorbereitete Black Cool Cat (83:10, F. Minarik) sicherte sich den 1.400 Meter-Ausgleich II wie schon im Vorjahr. „Das ist genau sein Rennen, alle anderen Formen zählen bei ihm nicht“, meinte Jockey Filip Minarik. Mit großem Endspurt lief er noch klar an Schimea, Danuvius und Diplomat vorbei. Die Viererwette (mit 60.000 Euro Garantie-Auszahlung) bezahlte 342.134:10 Euro. Jeder Gewinner kassierte gut 17.000 Euro.

Mit deutlicher Steigerung gegenüber dem ersten Meetingsstart wartete Magnifique (187:10, A. Helfenbein) in einem 2.200 Meter-Ausgleich III auf. Vom allerletzten Platz fing der Außenseiter noch die lange führende Anna Bellamy sowie Late Mute ab. Uwe Schwinn markierte bereits seinen zweiten Meetingstreffer.

Jede Serie reißt einmal – diese Erfahrung musste das Team um den Ittlinger Letro im Ausgleich I über 2.000 Meter machen, denn nach fünf Erfolgen in Folge bezog der heiße Favorit seine erste Niederlage. Vielleicht hielt sich Stephen Hellyn mit ihm zu lange an letzter Stelle auf, denn trotz aller Endgeschwindigkeit reichte es nur noch zum zweiten Rang hinter dem enteilten und souverän auftrumpfenden Pas de deux (110:10, M. Seidl), den Yasmin Almenräder in Mülheim betreut. Im Ostseepreis in Bad Doberan war er als Favorit nicht über Rang fünf hinausgekommen. Red Ghost schob sich noch auf einen achtbaren dritten Rang.

Seinen dritten Erfolg hintereinander feierte der von Markus Klug aufgebotene Dorado (37:10, A. Helfenbein) im Ausgleich II über 1.800 Meter, in dem er locker vor Turgenjew und Aussicht hinkam. Und gleich eine halbe Stunde später schlug das Team Andreas Helfenbein/Markus Klug wieder zu , als die lange mit Vorsprung führende Nelke (114:10) noch einmal groß wiederkam, und in einem 2.200 Meter-Ausgleich II Allianz und Glorious Sinndar keine Chance ließ.

Im abschließenden Ausgleich III über 1.800 Meter setzte Siberian Princess (53:10, A. Pietsch; zweiter Tagessieg für den Hoppegartener Coach Uwe Stech) ihre Super-Serie fort, gewann ihr viertes Rennen in diesem Jahr hauchdünn vor Classic Blues. Sine Tempore und Fort de Vaux vervollständigten die Viererwette, die 15.442:10 Euro bezahlte.

In Dresden wanderte das Zweijährigen-Rennen auf das Konto der von Peter Schiergen aufgebotenen Ammerländerin Tuscany (24:10, J. L. Silverio), die Rosy Blush und Lascalina hinter sich ließ. Im Gelos-Triumph (Ausgleich III, 1.400 m) kam der von Roland Dzubasz trainierte Balinus (47:10, J. Mitchell) zu einem verdienten Sieg gegen Ciel de Loire und Albizia.

Das Alte Artländer Seejagdrennen in Quakenbrück (12.500 Euro) sicherte sich nach hartem Kampf Elfi Schnakenbergs Nuevo Leon (J. Korpas, 75:10) gegen die Favoritin Indian Sun und Apocal.

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