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Über 200 Besucher beim Vollblut Expertentag

Überwältigende Resonanz bei der Premiere

Hannover 27. Oktober 2014

Die Premiere war mit Spannung erwartet worden und die Resonanz gewaltig: Über 200 Besucher kamen am Samstag zum ersten Vollblut Expertentag der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V. ins Courtyard by Marriott Hotel am Maschsee nach Hannover. „Unser Ziel ist die Weiterqualifikation unserer Mitglieder. Wir wollen, dass sich Züchter und Besitzer von Pferden hinterfragen, mache ich alles richtig“, erklärte Organisator Daniel Krüger (Leiter der Geschäftsstelle der BV) bei der Einführung – ihm und seinem Team gebührt schon jetzt aller Respekt für das Gelingen dieser mehr als informativen Veranstaltung, einem Mix aus Vorträgen und Diskussionsrunden unter der Top-Moderation von Thorsten Castle.

„Richtig einkaufen! Wo kaufe bzw. verkaufe ich mein Pferd“, so lautete das Motto der ersten Gesprächsrunde mit Karl Dieter Ellerbracke (BBAG), Christian von der Recke (Doncaster Bloodstock Sales), Hubertus Schmelz (Besitzer) und Matthias Seeber (Goffs). Ellerbracke nannte als wesentliche Aufgabe des Auktionshauses „ein qualitativ hochwertiges Angebot zusammenzustellen. „Paare das Beste, was Du bezahlen kannst, mit dem Besten, was Du bezahlen kannst“, gab er den Züchtern auf den Weg, auch wenn der finanzielle Aspekt nicht im Vordergrund stehen sollte. „Ein Pferd ist etwas für Herz und Freude, nicht fürs Portemonnaie.“

Laut Christian von der Recke seien Jährlinge in Baden-Baden für unseren Markt besser zu kaufen als anderswo, während in anderen Bereichen die Auswahl in England oder Irland besonders stark sei.

Hubertus Schmelz, der gerne Pferde auf der Koppel kauft, da man sehr nahe dran sei, riet, „überall in den Gestüten herumzufahren“ und die Statistiken durchzustöbern, um versprechende Pferde zu finden.

Matthias Seeber verglich den Pferde- mit dem Kunstmarkt, man müsse sich auf den verschiedensten Auktionen umsehen und nicht selbst limitieren.

Gregor Baum brachte es in einem Wortbeitrag auf den Punkt: „Ich fühle mich bei einer Auktion wie ein Jäger, indem ich versuche, aus dem großen Angebot das beste Pferd herauszufinden. Für mich sind die Versteigerungen die Höhepunkte des Jahres“, so der Brümmerhof-Chef.

Einen hochinteressanten Vortrag hielt Philipp Graf von Stauffenberg (Schlossgestüt Itlingen): „Vorbereitung und die richtige Auktion für meinen Jährling“, was sein Thema, und der hocherfolgreiche Züchter und Agent referiert über die wichtigsten Schritte von der Geburt bis zur Auktion. „Jeder hat die Chance, aus einem großen Pool ein Rennpferd zu kaufen oder eine Niete zu ziehen.“

Bei der Selektion der Pferde halte er viel Klasse in der ersten und zweiten Muttergeneration für sehr wichtig. Bei den Hengsten gebe es einen Trend zu den First Season-Sires, die jungen Hengste seien wegen ihrer aktuellen Rennleistungen sehr begehrt. Natürlich spiele auch das Exterieur eine Rolle. „Man muss ein Pferd ohne Fehler hinstellen können, falsche Ernährung sorgt hier oft für Fehler.“

Die jungen Pferde sollten sich viel draußen aufhalten, Stressfaktoren gelte es zu reduzieren, Bewegung zu fördern. „Die Basis wird früh gelegt. In den letzten zweieinhalb Monaten bis zur Auktion werde nur noch das Fein-Tuning gemacht.“

Prominent und ungemein unterhaltsam war die Diskussionsrunde „Der richtige Trainer für mein Rennpferd“ mit den Erfolgstrainern Roland Dzubasz, Gerald Geisler, Hans-Jürgen Gröschel, Jens Hirschberger und Andreas Wöhler.

Dzubasz stellte heraus, dass eine Rennkarriere auf zwei, drei oder vier Rennjahren für ihn beruhe. „Hektische Kurzlebigkeit“ sei fehl am Platze. Auch Gerald Geisler stellte heraus, dass ein Vertrauen zwischen Besitzer und Trainer unabdingbar wäre. „Mit dem Besitzer muss man sich ohne Druck auf Augenhöhe unterhalten können“, so Hans-Jürgen Gröschel. „Geduld“ nannte Jens Hirschberger als das A und O. Eine Winterpause im Gestüt sollte nicht zu lang sein, eine rechtzeitige Rückkehr in den Rennstall wichtig“, argumentierte Andreas Wöhler.

Auch die Trainingskosten wurden erläutert, die bis zu 44 Euro am Tag liegen würden. Die Rolle der Besitzertrainer wurde unterschiedlich beleuchtet. „Sie sind eine wichtige Stütze des Sports“, so Wöhler. Gröschel brachte dagegen die Idee ins Spiel, „die Zahl der Pferde pro Besitzertrainer auf fünf zu begrenzen.“

Anschließend gab Thomas Witt (Monty Roberts Instructor und tätig beim Gestüt Ammerland) einen Einblick zum Thema „Braucht mein Rennpferd eine Pause und wenn ja wohin?“. Eingehend ging er darauf ein, dass es auch bei Pferden das Gesundheitsproblem „Burn-out“ gebe, er nannte Ursachen und Möglichkeiten zur Bekämpfung.

Besonders hochkarätig war die abschließende Runde „Richtig züchen“ besetzt - mit Gregor Baum (Gestüt Brümmerhof), Hannes K. Gutschow, Manfred Ostermann (Gestüt Hof Ittlingen) und Peter Rodde (Gestüt Westerberg).

Manfred Ostermann riet den Züchtern, „sich Ziele zu setzen. Möchte man ein Pferd für den Markt für die Jährlingsauktion oder den eigenen Rennstall züchten?“ Eine Idee sei, sich auf ein Blatt Papier das Rennen zu schreiben, das man gerne gewinnen möchte, und dann alle Schritte diesem anzupassen.

Hannes Gutschow stellte besonders hervor, dass ein neuer Besitzer „Geduld haben“ müsse. „Ruhe und Harmonie in der Aufzucht“ solle das Prinzip sein. Die Pedigrees hierzulande würden immer besser. „Das ist wie eine künstlerische Geschichte.“ Es gelte, sich in Pedigrees einzuarbeiten und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

„Gezieltes Anpaaren“ sei seine Aufgabe, versicherte Peter Rodde. „Wir begleiten unsere Pensionskunden und beantworten jede Frage.“

Laut Manfred Ostermann habe das Hengste-Spektrum in den letzten zwei Jahren in Deutschland sehr hohes Potenzial. „Es hat ein Generationswechsel stattgefunden. Monsun, Lando und Sternkönig sind nicht mehr da, aber solche Pferde wie Pastorius, Maxios, Reliable Man oder Jukebox Jury, um nur einige zu nennen, hinzugekommen. Darauf kann sich Deutschland freuen.“

Gregor Baum achtet stark aufs Pedigree. „Die Familie muss in mehreren Generationen gut sein. Und dann schaue ich, welcher Hengst passt zu einer Stute.“ Detailversessenheit sei ein wesentlicher Faktor. Und sein Schlusswort konnte man nur unterstreichen: „Mit einer kleinen Population haben wir mit unserer deutschen Zucht eine immense Reputation in der Welt erreicht. Dieses Fundament müssen wir pflegen.“

Gegen 19:45 Uhr endete nach gut sieben Stunden der offizielle Teil, es wurden Freisprünge zu elf Hengsten verlost. Manfred Ostermann hatte als Präsident der Besitzervereinigung vorher bereits allen Sponsoren gedankt. „Wir haben ein neues Format geschaffen und sind begeistert von der Resonanz zu unserem Expertentag.“ Bei einem Barbecue klang der Tag aus.

Fazit: Der Vollblut Expertentag war nicht nur die perfekte Ouvertüre zum großen Renntag der Gestüte am Sonntag in Hannover, sondern sollte zu einem regelmäßigen Dauer-Event im deutschen Turf werden.

MH

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