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Vif Monsieur imponiert Start-Ziel

Krefeld-Sensation durch Los Cerritos

Krefeld 9. November 2014

Ein siegloses Pferd gewann am Sonntag vor 7.500 Zuschauern das Herzog von Ratibor-Rennen (Gruppe III, 55.000 Euro, 1.700 m) in Krefeld, eines der bedeutendsten Events für zweijährige Pferde. Bei voller Kulisse und strahlendem Sonnenschein hatten die Wetter den Dr Fong-Sohn Los Cerritos (273:10) aus dem Kölner Stall von Karl Demme dennoch völlig unterschätzt. Denn sein dritter Platz zuletzt war am Samstag durch den Ehrenplatz des damaligen Siegers Palang im Criterium de Saint-Cloud (Gruppe I) und den Listensieg der viertplatzierten Fuscetta mächtig aufgewertet worden.

Und der junge Martin Seidl führte den Youngster des Stalles Leon (dahinter verbirgt sich Artin Heboyan, der schon einmal vor Jahren mit Manchester Dritter im Preis des Winterfavoriten war) zu einem sicheren Triumph.

„Der Hengst hat sich von einem Rennen zum anderen gesteigert, und er mag weichen Boden. Er hatte sehr gut gearbeitet“, gab Los Cerritos‘ Trainer Karl Demme (der vierte Coach des Youngsters) später zu. Fast Start-Ziel wehrte der Riesenaußenseiter den Favoriten Liberry Gold, der an der Startstelle einige Probleme bereitet hatte, mit immer neuen Reserven ab. Dieser schien von vierter Position aus alles für sich zu haben, doch stieß er bei dem Konkurrenten auf Granit. „Er ist immer noch ein Baby und hat am Ende nur geguckt“, schilderte sein Betreuer Paul Harley.

Noch viel Boden machte auch Ebeltoft gut. „Das war sehr gut, aber das Rennen hätte schneller sein können“, versicherte Jockey Daniele Porcu. Molly le Clou kam aus bester Haltung nicht weiter. „Er musste wegen seiner Startnummer hinten gehen, auch wäre anderer Boden besser gewesen“, meinte Jens Hirschberger. Nabhan konnte sich ebenfalls nicht mehr steigern, ebensowenig Lovato. Ajalo hatte ein denkbar ungünstiges Rennen. „Er sollte vorne mitgehen, das war kein guter Ritt“, so Waldemar Hickst. Rock Academy und Le Tiger Still fielen völlig aus der Partie.

Aber das war längst noch nicht alles, denn der Preis der deutschen Besitzer – Niederrhein-Pokal (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.050 m) beschloss später die hiesige Gruppe-Saison. Und mit dem 46:10-Mitfavoriten Vif Monsieur (K. Clijmans) setzte sich ein vierjähriger Doyen-Sohn des Belgiers Frank Van Gorp durch, der in seiner Karriere schon viele große Schlachten geschlagen hat. Beim 15. Start schaffte er seinen fünften Erfolg und katapultierte seine Gewinnsumme auf 217.600 Euro.

Start-Ziel beschleunigte Vif Monsieur immer weiter und stand zeitig als 2,5 Längen-Gewinner fest. „Er ist ein gestandenes Gruppe-Pferd. Sein Laufen zuletzt in Köln konnte man streichen, da war er von der Rolle. Er ist ein absolutes Frühjahrs- und Herbstpferd. Heute konnte er vorne schalten und walten aus dem Super-Startplatz und marschierte seinen Strich. Geplant ist noch nichts, im nächsten Jahr werden wir ihn in jedem Falle in Deutschland und Frankreich wiedersehen“, kommentierte Trainer Sascha Smrczek. Die Züchterin des Pferdes, Ursula Herberts, war vor zwei Tagen gestorben.

Enorm zügig kam noch der Dreijährige Kerosin ins Bild und eroberte ganz zuletzt den Ehrenplatz. Er war erst vor kurzem in den Besitz des Stalles Australia gewechselt. „Das war ein toller Einstand für den neuen Besitzer. Kerosin ist ein frisches Pferd, das 2015 sicherlich noch einiges vor sich hat, aber auch in diesem Jahr in Frankreich starten könnte“, erklärte Trainer Jean-Pierre Carvalho.

Der Franzose Vanishing Cupid mischte stets kräftig mit, verlor den Ehrenrang erst zum Schluss. „Der weiche Boden kam ihm entgegen. Wir hatten ein perfektes Rennen hinter Vif Monsieur. Ich bin sehr zufrieden“, versicherte Jockey Fabrice Veron. Die Favoritin Diamond Dove schien kurz weiterzukommen, wurde Vierte. „Ihr ist gegen die Hengste kein Zacken aus der Krone gefallen. Sie geht nun in die Zucht“, sagte Trainer Andreas Löwe. Sie führte den schon deutlich geschlagenen Rest des Feldes an, der bald nicht mehr zwingend wirkte.

Im einleitenden Rennen für Arabische Vollblüter landete die von Gerard Zoetelief in den Niederlanden vorbereitete Prada T (25:10) einen Favoritentreffer. Obwohl die Stute Mitte der geraden kurz aus dem Takt kam und über den eigenen Schatten sprang, entwickelte sie die mit Abstand größten Reserven und stand bald als klare Gewinnerin vor Farredha und Nabukko fest.

In dem erwarteten Zweikampf zwischen den beiden Favoriten klang das 1.400 Meter-Rennen für Zweijährige aus, nach langer Führung wurde der schon wie der Sieger aussehende Event Mozart noch von Neve (22:10, St. Hofer) gestellt, die mit Riesenspeed noch mit einem Kopf vorbeirauschte. „Event Mozart war der erwartet starke Gegner. Ich hatte Steffi gesagt, sie soll Neve erst ganz zuletzt vorbeibringen. Wahrscheinlich geht die Stute nun in die Winterpause“, berichtete Trainer Mario Hofer. Evario stand bald als Dritter fest.

Anfang Oktober hatte All Summer Long (41:10, A. Starke) gegen Gabrial The Prince noch den Kürzeren gezogen, doch in einem 2.200 Meter-Ausgleich III revanchierte sich die fünfjährige Shirocco-Tochter, die dem Galopp-Trainingszentrum Hannover und damit Gregor Baum gehört eindrucksvoll. Mit gewaltigem Speed kam All Summer Long noch sicher an dem ständig führenden Gabrial The Prince vorbei. Key folgte als dritter schon deutlicher zurück, gab aber ein gutes Handicap-Debüt. „Sie war zuletzt immer im Pech, der Erfolg war verdient. Nun geht sie auf die Auktion nach Deauville“, kommentierte Siegtrainer Paul Harley.

Und gleich eine halbe Stunde später gab es den nächsten Harley-Coup – durch die ebenfalls von Shirocco stammende Kiss me Kate (57:10, F. Da Silva) in einem 2.050 Meter-Ausgleich II. Vorneweg stiefelte die Dreijährige immer weiter und verwies Global Wand und Kazzira auf die nächsten Plätze. „Ich sollte eigentlich an fünfter, sechster Stelle gehen, aber die Stute kam so gut ab, dass ich selbst das Tempo bestimmt habe“, berichtete Jockey Francisco Da Silva.

Viel Geld war im 1.700 Meter-Ausgleich III auf Izidor (52:10) unterwegs, und der in Dresden von Claudia Barsig vorbereitete Wallach wurde diesem Vertrauen vollauf gerecht, als er beim ersten Versuch mit Scheuklappen Mitte der Zielgeraden locker vor das Feld stieß. „Ich war vielleicht etwas früh da, aber er zog immer weiter“, signalisierte Jockey Andre Best. Außen drehte Dutch Master noch mächtig auf, wie auch Red Trump sich deutlich steigern konnte. Dagegen ließ der Schecke Silvery Moon bald nach.

172:10 – diese nicht alltägliche Quote auf einen Sieger aus dem Stall von Peter Schiergen gab es in einem 1.400 Meter-Ausgleich IV (Wettchance des Tages) auf Stall Shreks More Than Honey (V. Schiergen), die sich beim Handicap-Debüt stark verbessert zeigte und den Riesenaußenseiter Belus sowie Variety Show und Keyana sicher hinter sich ließ. Die Dreierwette bezahlte stattliche 86.436:10, die Viererwette wurde nicht getroffen.

Im abschließenden Herbert Cohn Gedächtnis-Jagdrennen gab es einen großen Schreck, als die Klassestute Indian Sun in der Diagonalen Cevin Chan abwarf. Gottlob ging für Pferd und Reiter alles glimpflich ab. Schon im Schlussbogen stand der Sieger Ichor (30:10, mit dem in Frankreich reitenden Iren Chris Timmons) fest, der sich von Good Prince immer weiter absetzte. Coyaique erkämpfte sich Rang drei. „Ichor war beim vorletzten Start in Compiegne schon stark gelaufen, das Fragezeichen war nur, wie er beim ersten Start auf der Jagdbahn klarkommen würde. Vielleicht kommen wir in zwei Wochen wieder nach Krefeld“, ließ Trainer Manfred Weber durchblicken.

Ebenfalls am Sonntag zeigte die von Andreas Wöhler für Darius Racing trainierte Guinnevre (M. Cadeddu) als Zweite im Premio Carlo Francesco Aloisi (Gruppe III, 61.600 Euro, 1.200 m) in Rom hinter der Favoritin Farmah (F.-X. Bertras/F. Rohaut) eine Top-Vorstellung. Namera (A. Crastus/P. Harley) konnte sich am Ende nicht mehr steigern.

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