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Nächster Starke-Coup in Iffezheim

Nordics „Flug“ zum Derby

Baden-Baden 6. Juni 2015

„Gott sei Dank“, waren die ersten Worte von Trainer Peter Schiergen nach dem Iffezheimer Derby-Trial (Listenrennen, 35.000 Euro, 2.200 m) bei sommerlicher Hitze vor 6.407 Zuschauern am Samstag in Baden-Baden.

Denn zwei Tage nach dem schweren Unfall seines Sohnes Vinzenz in Frankfurt hatte der Kölner Coach im Highlight des zweiten Meetingstages ein tolles Erfolgserlebnis: Der in den Farben des Kölner Renn-Vereins-Präsidenten Eckhard Sauren aufgebotene Dreijährige Nordic Flight (41:10) sicherte sich das Ticket für das Blaue Band am 5. Juli in Hamburg-Horn.

Ein in sagenhafter Form agierender Jockey Andrasch Starke war auch bei seinem sechsten Treffer während der Rennwoche der Garant für den Erfolg. Denn aus idealer dritter Position hinter dem schnell geschlagenen Piloten Fair Mountain und der Röttgener Stute Anna Katharina attackierte er rund 200 Meter vor dem Ziel und hielt einen Hals-Vorteil gegen die immer wieder anziehende Konkurrentin Anna Katharina fest.

„So hatten wir uns das erhofft. Nordic Flight war unsere heimliche Hoffnung hier. Scheuklappen sind sehr wichtig für ihn“, berichtete Peter Schiergen. Und Besitzer Eckhard Sauren sagte über den Sohn des Derby-Helden Adlerflug: „Seine letzte Siegform war deutlich aufgewertet worden. Er darf nicht zu früh vorne sein, kam sehr stark auf, und Andrasch agiert wirklich in Top-Form. Alles lief nach Plan. Natürlich steuern wir nun das Derby an.“

Anna Katharina hielt immer dagegen, hielt sich gegen die Hengste bravourös: „Das war eine sehr starke Leistung. Sie könnte nun den Hamburger Stutenpreis anpeilen“, erklärte Trainer Markus Klug, dessen anderer Starter Devastar nur noch auf Rang vier vorstieß. „Es war ja erst sein zweiter Start“, so Klug. Zwischen beide schon sich vom letzten Platz der spät heranstürmende Franzose Khareef, der zuviel Boden gutmachen musste. „Er ist sehr gut gelaufen nach dem schlechten Start. Besser wäre weicher Boden gewesen“, argumentierte Jockey Fabrice Veron. Fair Mountain ließ nach längerer Führung nach, auch Invictus und Eastside One hatten bald keine Chance mehr.

Fest in der Hand der ausländischen Gäste war das Kronimus Diana-Trial (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.800 m). Denn die ersten beiden Plätze gingen an dreijährige Stuten, die jenseits der Grenzen vorbereitet werden. Die dominierende Lady war zeitig die von dem hier stets in großer Form agierenden Frankreich-Trainer Henri-Alex Pantall aufgebotene Val d‘ hiver (49:10, F. Veron), die von zweiter Position aus schon Mitte der Geraden ganz überlegen davonlief, auch wenn sie ganz nach außen driftete.

„Sie war heute sehr relaxed, was beim letzten Mal nicht der Fall gewesen war. Wir hatten ein gutes Rennen. Sie ging nach außen, aber das war kein Problem. Ich denke, dass sie in Deutschland auch Gruppe-Rennen gewinnen kann. Auf der Meile ist sie noch besser“, kommentierte Jockey Fabrice Veron. Eine Nennung für den Preis der Diana hat Val d‘ hiver nicht.

Waldnah (Eduardo Pedroza hatte den Ritt übernommen, da Auctorita wegen des trockenen Bodens abgemeldet worden war) „galoppierte immer weiter“, wie ihr Jockey versicherte. Sie hielt an der Spitze bestens stand, verlor den Ehrenplatz als beste Deutsche aber noch an die immer weiter kämpfende Engländerin Ceaseless („Unser Ziel war Black Type. Das haben wir geschafft. Wir sind sehr zufrieden“, so Mary Burn als Vetreterin des Stalles von James Tate). Chantilly kam als Vierte aus bester Lage nicht voran.

Trainer Andreas Wöhler weilte am Samstag beim Epsom Derby, doch in Iffezheim durfte er einen ganz besonderen Sieg feiern: Im einleitenden 2.000 Meter-Rennen gelang dem in Spexard bei Gütersloh ansässigen Coach mit dem weit über der Konkurrenz stehenden Singing (11:10-Favorit, E. Pedroza) der 2.000. Karrieretreffer. Völlig mühelos setzte sich der noch für den Melbourne Cup gehandelte Hengst mit sieben Längen von Aladin und Cazador ab. 

„Auch so ein Rennen muss erst einmal gewonnen werden. Das war ein Aufgalopp für bessere Aufgaben“, sagte Eduardo Pedroza. Trainergattin Susanne Wöhler nannte den Großen Hansa-Preis in Hamburg als nächstes Ziel.

„Er hatte nach seinem Debüt einen Ballentritt und eine Hufentzündung. Das ist jetzt alles auskuriert“, berichtete Trainer Dr. Andreas Bolte nach dem leichten Erfolg seines Schützlinges Venezianus (67:10), der unter Berit Weber aus dem Vordertreffen den 2. Wertungslauf um den Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung (Ausgleich III, 2.400 m) gegen den lange führenden Liro und den Mitfavoriten Patanos nach Hause brachte.

Eine alles andere als alltägliche Quote gab es für den fünften Meetingstreffer von Andrasch Starke: 166:10 bezahlte der von Peter Lanslots in Belgien trainierte Shillito, der von den erstmals angelegten Scheuklappen profitierte und die Holländerin Millies Quest sicher abhielt. „Im letzten Jahr war er in England schon auf guter Bahn erfolgreich. Und wir hatten einen anständigen Reiter. Andrasch hat mir schon im Führring gesagt, dass wir gewinnen würden“, berichtete der Coach. Powerplay und Hurricane Harry komplettierten die Viererwette, die nicht getroffen wurde. Bei der Großen Woche wird nun ein Jackpot ausgespielt.

Mit einem Traumergebnis für das Gestüt Röttgen endete eine 2.400 Meter-Prüfung für den Derby-Jahrgang, denn Well Kept (73:10, E. Frank) in den Farben der Köln-Heumarer Zuchtstätte wehrte an der Spitze mit starken Reserven den in Röttgen gezogenen Novalis und den bald nicht mehr weiterkommenden Favoriten Sweet Thomas ab. „Er hat jetzt kapiert, worum es geht. Well Kept ist ein gutes Pferd. Er hat Nennungen für Auktionsrennen“, berichtete Trainer Markus Klug.

„Gestern habe ich extra noch eine Kerze im Kölner Dom aufgestellt“, gab Assistenztrainer Dirk Baltromei nach dem 1.200 Meter-Ausgleich II zu, nachdem der von Helga Dewald aufgebotene Takeda Shingen (143:10, D. Porcu) Start-Ziel nach bester Einteilung vor dem Holländer Thorpe Bay und der Favoritin Donna Sophia sicher voraus war. „Aus Box drei konnte Takeda Shingen gleich nach vorne gehen, sonst waren fast nur Speedpferde im Rennen. Eigentlich wollten wir erst am 9. Juni laufen, aber das Rennen hier hat sich angeboten. Da haben wir es zum ersten Mal über 1.200 Meter versucht. Und es hat geklappt“, erklärte Baltromei.

Durch sechs Nichtstarter war das zweite Viererwett-Rennen zum Abschluss (Ausgleich III, 1.800 m) leider erheblich dezimiert. Und direkt nach dem Start geriet Ian Ferguson aus dem Sattel des Favoriten Pistolero, der im Schlussbogen kurz dem Feld entgegen galoppierte, doch ging alles glimpflich aus. Da war der Weg frei für den in den Niederlanden von Christian Wolters trainierten Divisional (32:10, A. de Vries). Schon als Zweiter erreichte der England-Import die Zielgerade und machte sich dann rasch von den Gegnern frei. Bearheart, Molly Macho und Dutch Gal vervollständigten die Viererwette, die 3.528:10 Euro bezahlte.

Wöhler-Starter im Derby chancenlos

Der von Andreas Wöhler für Qatar Racing ins Englische Derby (Gruppe I, 1.434.000 Pfund, 2.400 m) geschickte Riesenaußenseiter Rogue Runner (Oisin Murphy) kam am Samstag in Epsom über einen der letzten Plätze nie hinaus. Der Sieg ging an den von Trainer John Gosden für 75.000 Pfund nachgenannten Golden Horn (26:10-Favorit) unter Lanfranco Dettori. Locker verabschiedete er sich zuletzt von Godolphins Jack Hobbs und Storm The Stars.



 

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