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Interview mit Kai Schirmann dem Leiter der Jockeyschule in Köln

„Eine Riesensache für uns in Chantilly!“

Chantilly 19. Juni 2015

Der Prix de Diane ist ohne Zweifel der gesellschaftliche Höhepunkt einer jeden französischen Turf-Saison. Gerade was Glamour, Mode und Chic bei der Damenwelt angeht, stößt der Stuten-Klassiker auf ein gewaltiges internationales Echo. Die Rennbahn in Chantilly mit der prächtigen Schlosskulisse im Hintergrund bietet darüber hinaus neben den modischen Aspekten auch viele sportliche Events. Eines davon war der mit 20.000 Euro dotierte „Prix Longines Future Racing Event“, das durch Theo Danon unter Tommaso Scardino nach Deutschland wanderte und damit enorme Aufwertung der Jockeyschule in Köln erfuhr. Die Sport-Welt traf sich aus diesem Grund mit Kai Schirmann dem dortigen Leiter in Weidenpesch.

Der Erfolg von Tommaso Scardino bedeute für Ihre Jockeyschule sicherlich einen großen Werbeerfolg?
Kai Schirmann: Das kann man so zu Recht behaupten. Es war das erste Mal in der Geschichte der Jockeyschule, dass ein Vertreter von uns ein internationales Nachwuchsreiten in Frankreich gewann.

Beschreiben Sie doch die Stimmung danach in Chantilly?
Das war eine Riesensache mit Tommaso, wir haben uns alle natürlich entsprechend gefreut. Die Bahn war mit 40.000 bis 50.000 Zuschauern brechend voll. Tommaso Scardino selbst war überglücklich, die ganze Gerade hinunter konnte er die Leute schreien hören, es war ein überwältigendes Gefühl für ihn. Trainer Mario Hofer war natürlich sehr zufrieden, leider konnte Theo Danons Besitzer Guido Schmitt nicht anwesend sein.

Apropos Trainer und Besitzer, das war natürlich toll, dass Tommaso Scardino den Ritt auf Theo Danon bekam.
Es wurden keineswegs die Ritte im Vorfeld vergeben. Bei einer offiziellen Veranstaltung, die sogar vom Fernsehen übertragen wurde, gab es zunächst die Auslosung der Startboxen für den Prix de Diane. Danach wurden die Reiter und die entsprechenden Pferde im Nachwuchsreiten ausgelost. Wir hatten natürlich großes Glück, dass Tommaso The Danon diesen Ritt erhielt.

Wer durfte denn überhaupt an diesem Rennen teilnehmen?
Der „Prix Longines Future Racing Event“ wurde als Einladung an Nachwuchsreiter verschickt, die nicht älter als 25 Jahre waren und drei oder mehr Rennen, aber höchstens 35 Rennen in ihrer bisherigen Laufbahn gewannen. Vierzehn Nachwuchsreiter waren gemeldet, da aber nur acht Pferde am Ablauf erschienen, konnten auch nur acht Reiter teilnehmen. Unglücklicherweise wurde Outback Racer zum Nichtstarter erklärt und damit hatte die Amerikanerin Lauralea Glaser am Ende keinen Ritt. Unsere Ersatzreiterin war übrigens Luisa Steudle.

Wer gehört denn alles zur Jockeyschule?
Präsident ist Dr. Andreas Jacobs, Peter Heugl schult die Auszubildenden am Race-Simulator und ich selber bin seit 2006 dort der Leiter, verantwortlich für die Organisation und Planung der Lehrgänge sowie Ansprechpartner der Auszubildenden und begleite sie am Vormittag beim Reiten in der Jockeyschule. Nach zwei Stürzen als aktiver Jockey 1991 in Hamburg und 1995 in Köln bin ich seit 2006 mit dabei und fühle mich dort pudelwohl.

Wie viele Auszubildende gibt es denn derzeit in Deutschland?
Neunzehn Mädchen und sechs Jungs, die kurz vor der Zwischenprüfung für fünf Tage eingeladen werden, um zu testen, ob sie für das Reiten und erst recht für die Rennen geeignet sind. Es gibt nicht viele Nachwuchsleute, aber das ist leicht erklärbar, denn die Menschen in Deutschland werden immer größer und schwerer. Das ist auch der Grund, warum es mehr Mädchen gibt. Kleine, leichte Männer haben Seltenheitswert und nicht alle Bewerber sind reitfähig. Am Ende erhalten sie eine entsprechende Urkunde sowie eine Beurteilung.

Schildern Sie uns doch einmal so einen Tagesablauf bei Ihnen?
Eine Woche lang geht es von früh morgens um 6.30 Uhr bis 17 Uhr los. Auf dem Plan steht dann das Satteln der Pferde. Danach reiten sie vier bis fünf Lots morgens bei Peter Schiergen, der uns immer sehr unterstützt und sind für die Pflege der Pferde zuständig. Später stehen Kraft- und Fitnesstraining sowie das Reiten auf dem elektrischen Pferd auf dem Programm, um die Zügel- und Körperhaltung zu üben. Das ist alles Hardcore und viele vertun sich, was das angeht. Nicht zu vergessen ist das richtige Benehmen gegenüber Besitzern und Trainern auf den Rennbahnen, dazu gehört auch die richtige Kleidung. Praxis-Kniffe gibt es obendrein noch von Peter Schiergen.

Gibt es irgendwelche Förderungen aus dem Kreis der Jockeyschule?
Die Kosten der Jockeyschule trägt der Förderverein, hinter dem die Unternehmerfamilie Jacobs steht. Die Besitzervereinigung unterstützt uns auch kräftig. Ganz besonders auch die Mehl-Mülhens-Stiftung in ganz besonderer Form durch verschiedene Wertungsläufe. Der Erste fand am 25. Mai dieses Jahres in Köln statt. Die besten Nachwuchsreiter werden zu einer Reise in die British Racing School nach Newmarket eingeladen. Dort kann in einer komprimierten Form, aber im Inhalt herausragenden Lehrgang, auf unsere Auszubildenden vieles zugeschnitten werden. Unser Dank gilt vor allem dem Vorsitzenden Dr. Günter Paul, der dies alles ermöglicht. Und auch ein Dank an Peter Schiergen für die tatkräftige Unterstützung der Jockeyschule.


Gibt es sonstige Aktivitäten in nächster Zukunft?
Auf Initiative der Besitzervereinigung wird German Racing einen Charity-Lauf veranstalten, der von Prominenten im Rennsport unterstützt wird, näheres dazu erfahren wir in baldiger Zukunft.
 

Quelle: Sport-Welt

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