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Außenseitersieg im Großen Preis der Wirtschaft

Dicke Überraschung durch Nordico

Dortmund 21. Juni 2015

Mit einer Überraschung endete heute der 28. Große Preis der Wirtschaft, eines der wichtigsten Rennen der Dortmunder Galopp-Saison. Es gewann der 150:10-Außenseiter Nordico im Besitz von Eckhard Sauren vor Guiliani und El Tren. Der Grand Prix in Wambel war zugleich die erste wichtige diesjährige Altersvergleichsprüfung im bundesdeutschen Turf-Kalender, doch spielten die Dreijährigen in dem mit insgesamt 55.000 Euro dotierten Gruppe-III-Test über 1.750 Meter am Ende keine Rolle mehr.

Der überraschende Gewinner gehört zum großen Stall von Trainer Mario Hofer in Krefeld. Die Resultate seiner zwei diesjährigen Starts ließen bei Nordico kaum größere Erwartungen für die heutige Aufgabe zu, zumal der vom niedersächsischen Gestüt Brümmerhof gezogene Sohn des englischen Hengstes Medicen noch unter Höchstgewicht antreten musste.

Doch nach einer längeren Formflaute sind in letzter Zeit auch zahlreiche seiner Trainingsgefährten immer besser in Schwung gekommen, und die ansteigende Stallform hat letzten Endes wohl ebenso Nordico entscheidend beflügeln können. 

Lange schien jedoch alles auf einen Erfolg des heißen Favoriten Guiliani hinauszulaufen, der mit den bis weit in die Gerade gut mitmischenden Dreijährigen eigentlich schon fertig geworden war, dann aber keinerlei Reserven mehr besaß, als Nordico außen heranflog und ihn am Ende noch fast leicht mit einer Länge schlug.

Den unerwarteten Sieger hatte der zurzeit in glänzender Form reitende Alex Pietsch außen nahezu wie auf leisen Sohlen immer näher an das zentrale Geschehen ganz vorne herangebracht und dann auch vor einem Zugriff auf den 17:10-Favoriten keine Scheu mehr gezeigt.


Beachtlich schlug sich hinter dem vorderen Duo als Dritter der Wallach El Tren aus dem Rennstall der Fußballprofis Thomas Müller und Claudio Pizzaro sowie des Ex-Bundesliga-Stars Tim Borwowski. Der vorjährige Seriensieger hatte sich bislang in solch einer Klasse noch nie versucht, sodass das Kicker-Trio mit seinem Auftritt durchaus zufrieden sein kann.

Von den Dreijährigen hielt sich die Stute Weichsel auf Rang vier noch am besten. Doch selbst wenn sich der Jahrgang 2012 heute keineswegs riesig aus der Affäre zog, so blieben die Dreijährigen allesamt immerhin noch einigermaßen am Feld dran. 

Für Nordico, dessen Eigner Eckhard Sauren auch Präsident des Kölner Renn-Vereins ist, war es nebenbei der dritte Erfolg in einem Rennen dieser Güteklasse. Gruppe-III-Tests hatte er zuvor bereits in Krefeld und München-Riem erfolgreich bestanden.

Als nächste Aufgabe könnte der Vierjährige jetzt den Großen Preis des Audi Zentrums Hannover in Angriff nehmen, eine mit insgesamt 70.000 Euro dotierte und am 12. Juli anstehende Gruppe-II-Prüfung über 1.600 Meter auf der Rennbahn Neue Bult.

Leider wurde es in Dortmund diesmal kein sehr sommerlicher Renntag. In der zweiten Hälfte des 10-Rennen-Programms gab es häufiger Regen, besonders heftigen sogar vor dem Hauptereignis. Beim Sieg der dreijährigen Debütantin Meloria gleich zu Beginn des ersten diesjährigen Gruppe-Renntags in Wambel waren es im Vergleich dazu noch noch sehr angenehme äußere Bedingen gewesen. Wer zuvor nur einen kurzen Blick auf die künftigen Nennungen dieser Stute geworfen hatte, den wunderte es am Ende wenig, dass sich Litex Commerce Starspangledbanner-Tochter unter Martin Seidl im Preis der Freunde und Förderer der Galopprennbahn am Ende leicht mit zweieinhalb Längen gegen Copy Cat durchsetzen konnte. Trainer Miltcho Mintchev hat mit der Dreijährigen nämlich noch größere Ziele im Auge, wie unter anderem den Henkel Preis der Diana am ersten Sonntag im August in Düsseldorf. Man wird sehen, was daraus wird. Einen guten Anfang in die richtige Richtung hat Meloria jedenfalls schon einmal gemacht.

Ein solcher war auch dem dreijährigen Alfred-Nobel-Sohn Nobel’s Blues Mitte Mai mit einem dritten Platz in Hannover bereits gelungen. Nun legte er im Renault Eisenstrasse-Rennen zu und gewann beim zweiten Start nicht unerwartet. Jozef Bojko musste auf Dr. Hans-Georg Stihls Hengst zuletzt jedoch sehr auf der Hut sein vor dem zügig endenden Arando, der fraglos auch nicht mehr allzu lange sieglos bleiben dürfte. Dritter wurde Attitude, die damit von den zahlreichen Stuten im Feld am weitesten kam.

Mit Long Cross holte sich das Team Wöhler-Bojko gleich anschließend zudem das Hugo und Johanna Körver-Gedächtnisrennen, das nebenbei beste Handicap des Tages. Erst schien aber der wieder stark laufende Shady in diesem Ausgleich II über 2.000 Meter seinem vierten Treffer in Folge sehr, sehr nahe zu sein. Dann aber drehte Long Cross, ein erstmals hierzulande aufgebotener Cape-Cross-Sohn aus dem in letzter Zeit enorm verstärkten Lot des diesmal sogar anwesenden Jaber Abdullah bei Andreas Wöhler, erst richtig auf und fasste den auch in der Niederlage sehr gefallenden Tertullian-Sohn noch sicher ab. Für Key to fun gab es dahinter keine wirkliche Chance auf mehr als Platz drei.

Einen Hattrick konnte das Team aber nicht vollenden, obgleich ein dritter Erfolg sowohl von Jozef Bojko als auch Andreas Wöhler im Preis vom Gestüt Wittekindshof bereits in der Luft lag. Nichtsdestotrotz konnte ihre ebenfalls zur Favoritin erkorene Galileo-Tochter Bailley dem Preis vom Gestüt Wittekindshof lange ihren Stempel aufdrücken. Jedoch nur so lange, wie es ihre Gegnerin Kigali zuließ. Wer an die Schlenderhanerin geglaubt hatte, wurde reichlich belohnt. 118:10 gab es auf ihren Sieg. Fraglos eine Quote mit Seltenheitswert für eine Pflegebefohlene von Trainer Jean-Pierre Carvalho und zudem noch einen Ritt von Filip Minarik.

Der Schlenderhaner Stalljockey nahm diesen Schwung gleich mit in den folgenden AS Antriebs-und Systemtechnik-Preis, den er sich mit Susanne und Jürgen Kleibömers Stute Pretty Highness danach auch noch einverleibte, wobei Karl Demme als Trainer für die Tertullian-Tochter zeichnet, die sich knapp gegen den Favoriten Nightdance Dream behauptete.

Einen Riesenvorteil im Rennen mit der Viererwette brachte dagegen der Wallach Newnton Lodge, im Besitz von Christian Bruer und in Training bei Vera Henkenjohann, über die Linie. Den Safety-Preis der Famas Engineering beherrschte er unter Tabea Rödel am Ende mit nicht weniger als sieben Längen Vorteil vor Floralys, Kepheus und Walkabout.

Unmittelbar vor dem Hauptrennen genügte dem von Sarah Weis für Rainer Eul trainierten Fladin im Watermann-Preis nur eine Länge, um seinem großen Anhang viel Freude zu bereiten. Mit Alexander Weis im Sattel wurde er als 28:10-Chance allem Vertrauen gerecht. Das Nachsehen hatten der Haudegen Twin Star und die Halbblüterin Gelona, die in dieser Reihenfolge die nächsten Plätze besetzten.

Jede Menge Freude und viele glückliche sah man nach dem Top-Rennen dann mal wieder einmal bei der großen Besitzerschar von Erato, der bekanntlich für den Galopp Deutschland im Einsatz ist. Von Trainer Markus Klug gesattelt und von Andreas Helfenbein geritten, gewann er in Dortmund nun bereits zum dritten Mal in Folge gegen den ebenfalls mit frischer Siegform angetretenen Earl of Heinz und Cassilero das letzte Handicap der Karte mit dem Titel: Danke den Sponsoren des Großen Preis der Wirtschaft-Rennen.

Und zum guten Schluss stieg dann auch noch Andreas Helfenbein zum Doppelsieger auf, als er den bereits auf der Siegerstraße geglaubten Baojun mit Heike Hobitz‘ Borneo am Ende doch noch stellte und ihn mit einem Hals bezwang. Auf Wiedersehen zum Deutschen St. Leger am 20. September 2015-Rennen stand über der finalen Prüfung, womit es vor allem Borneos Trainer Bruce Hellier auf keinen Falls vergessen wird, nach der üblichen Sommerpause seine Nennungen für den zweiten Dortmunder Großkampftag abzugeben.





 

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