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Gröschel-Schützling Redesert gewinnt den Ausgleich II

Formstarke Langenhagener Ställe

Hannover 19. August 2015

Man könnte sagen, die hannoverschen Trainer hätten heute beim After-Work-Renntag ihren Heimvorteil zu nutzen verstanden. Jedenfalls gaben in Langenhagen trainierte Pferde gleich mehrfach nachhaltig den Ton an. Darunter auch im Hauptereignis, dem Preis der Premio Reifen + Autoservice Jörg Leskien GmbH, einem mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Ausgleich II. Der Erfolg des Höchstgewichts Redesert war dabei früh abzusehen. Als die Ausreißtaktik von Leonard endgültig gescheitert war, übernahm Stall Widukinds Wallach im Handumdrehen das Kommando und gab es bis zum Ziel nicht mehr ab. Auf den nächsten Plätzen landeten Toward Glory und Chantilly.

Während Redesert unter Wladimir Panov mit drei Längen Vorteil alles nahezu souverän unter Kontrolle bekam, lieferten sich hinter ihm Toward Glory und Chantilly ein heißes Gefecht, welches die Erstgenannte hauchdünn mit Nase für sich entschied. Wäre es andersherum gekommen, hätte Trainer Hans-Jürgen gleich ein Doppel für sich verbuchen können, wurde doch Chantilly genauso wie der siegreiche Desert-Prince-Sohn von ihm gesattelt. Der Langenhagener Erfolgstrainer hatte Redesert heute seit längerem erstmals wieder in einen Ausgleich II geschickt und damit offenbar genau den richtigen Schachzug getan.

Neun Rennen standen in Hannover bei angenehmen sommerlichen Temperaturen, aber nach vorausgegangenen Regenfällen noch weichem Geläuf auf dem Programm. Ab der dritten Prüfung waren über Equidia TV wieder einmal die französischen Zuschauer zugeschaltet. Schade eigentlich, dass sie das Geschehen nicht schon von Anfang mitverfolgten.

Die ersten beiden Punkte der Karte waren schließlich so etwas wie kleine sportliche Leckerbissen, welche somit allein den in durchaus in stattlicher Zahl erschienenen Bahnbesuchern vorbehalten blieben. Wobei beim Debüt des zweijährigen Lokalmatadors Boscaccio im Handwerker-Cup sogar einiges an Zukunftsmusik mitschwang. Der von Dennis Schiergen gerittene Mount-Nelson-Sohn brauchte zwar ein wenig Zeit, um im Finale den Kontakt zu den vorne schon etwas weggezogenen Alter Rail und Noor Al Hawa herzustellen. Doch wurde der von Christian Sprengel für Rainer Hupe und Friends betreute Hengst dann umso stärker und gewann noch mit einem Halsvorteil. Dass Boscaccio im heimischen Stall einen guten Ruf besitzt, war vor dem Start durchaus erkennbar gewesen. Denn sein Betreuer hatte schließlich für ihn schon eine Nennung für das renommierte Herzog-von-Ratibor-Rennen am 8. November in Krefeld abgegeben.

Danach entwickelte sich der Preis der mewes maler  zu einem wahren Thriller. Je nachdem, von wo man aus die Zielankunft verfolgte hatte, gab es die unterschiedlichsten Mutmaßungen, wer denn wohl das Rennen gemacht haben könnte. Letztendlich hatte der äußere Flügel das bessere Ende – und Christian Bruers Wallach Newnton Lodge dabei das allerbeste Ende. Vera Henkenjohanns Schützling war zwar zeitweise am Ende des Feldes zu sehen gewesen, dann aber mit gutem Timing von Patrick Gibson immer besser in die Partie gebracht worden, die über weite Phasen an der Spitze von Oscar bestimmt wurde, der indes nach Zielfoto  noch glatt abgefangen wurde. Und zwar nicht nur von Newnton Lodge sondern obendrein noch  mit Kopf und mit einem kurzen Kopf von Antonia Bella beziehungsweise von Highland Fighter, die in dieser Reihenfolge die Plätze zwei und drei vor ihm besetzten. Nicht einmal eine halbe Länge hinter dem Gewinner folgten allerdings genauso Shy Moon und Elkantino im Prinzip noch auf Tuchfühlung.

Dasselbe Team gewann etwas mehr als eine Stunde später obendrein noch den Preis der Hanbutt Dachdeckerei, das Rennen mit der Viererwette. Hier hatte Vera Henkenjohann mit Zephyros erneut das Höchstgewicht im Rennen, was den Areion-Sohn von Christian Bruer und Andreas Tiedtke, die ihn nebenbei auch gemeinsam gezogen haben, freilich keineswegs davon abhalten konnte, sich in der Hand von Patrick Gibson gegen die Favoritin Myrtille sowie Baba Jaga und All Percy durchzusetzen.

Unmittelbar vor dem Erfolg von Zephyros hatte es durch Gestüt Brümmerhofs Anna Mia im OAT-Cup abermals einen Heimsieg gegeben. Die Monsun-Tochter aus Paul Harleys Stall gewann mit dreieinhalb Längen gegen die erstmals mit Scheuklappen ausgestattete Eudokia sowie gegen Funky Groove und verabschiedete sich damit zugleich aus der Maidenklasse. Für den erst seit kurzem in Hannover ansässigen brasilianischen Jockey Raphael Schistl, der in Europa zuvor insbesondere in Skandinavien schon ein bekannter Name war, wurde es auf Anna Mia zugleich der erste Ritt und Erfolg auf seiner neuen Heimatbahn. Da Anna Mia zwischenzeitlich eine Nennung für das DSW21 – 131. Deutsche St. Leger am 20. September in Dortmund bekam, scheint in der Brümmerhoferin offensichtlich ein durchaus größeres Potenzial an Stehvermögen zu schlummern, welches sie bis dato aber vor Publikum noch nicht demonstriert hat.

Nach sage und schreibe fünf zweiten Plätzen schaffte wenig später außerdem Rashit Shaykhutdinovs Bailley in der Tessmer & Sohn Trophy endlich den Sprung aus der Maidenklasse. Von Jozef Boyko geritten, schlug die erstmals Scheuklappen tragende Galileo-Tochter die zuletzt immer besser anfassende Global Love und die sich dahinter unübersehbar ankündigende Arkia. Trainer Andreas Wöhler scheint ungeachtet der langen Zeit, die Bailley bis zu ihrem ersten Erfolg benötigte, dennoch etwas von der Dreijährigen zu halten. Jedenfalls lässt eine noch vorhandene Startberechtigung von Bailley im Baden-Baden Cup am 6. September während der Großen Woche diese Vermutung zu.

Im letzten Drittel des Programmablaufs wanderte der Preis der Firma Günter Mischke GmbH durch Gestüts Erlenhofs Salimera dann an den Kölner Stall von Karl Demme, der allerdings auch einmal über Jahre hinweg zum Trainerkollegium auf der Neuen Bult gehört hatte. Für die Dylan-Thomas-Tochter des alten Bad Homburger Traditionsgestüts summierte sich dabei unter Fabiano Marcialis bereits der dritte diesjährige Erfolg, obgleich die erstmals Blinkers tragende Mitfavoritin Song of Gold wie auch die Außenseiterin Iraja unablässig alles versuchten, jedoch nie in der Lage waren, entscheidend zu ihr aufzuschließen.

Gleich danach setzte sich der bereits zum Auftakt mit dem zweijährigen Boscaccio erfolgreiche Dennis Schiergen noch ein weiteres Mal groß in Szene, und zwar auf Stall Shreks vierjähriger Stute More Than Honey, die sein Vater Peter Schiergen betreut. Womit es unmittelbar auf Salimeras Treffer noch ein weitere Kölner Erfolg gab. Die Art und Weise, wie die Kheleyf-Tochter in der Endphase des Preis` der Firma Elektromeister Dieter Gräf allerdings zulegte, hatte tatsächlich etwas Verblüffendes, da More Than Honey auf dem allerletzten Stück doppelt so schnell wirkte wie Northern Sun oder auch Sol Y Vida. Diese beiden schienen die ganze Angelegenheit eigentlich schon unter sich auszumachen, standen dann aber gegen More Than Honey fast auf der Stelle. Vierter wurde dahinter Goldbraid vor der nie sonderlich in Erscheinung tretenden Favoritin Fiorella.

Ein zweiter Erfolg für Peter Schiergens Stall Asterblüte lag zum Finale zu vorgerückter Stunde dann lange Zeit in der Luft, doch wurde letztendlich nichts daraus, obwohl Gestüt Ammerlands dreijähriger Wallach Heart Storm im Premio Reifen + Autoservice Jörg Leskien GmbH-Cup tatsächlich einen ersten handfesten Ansatz lieferte. Aber es fehlte wirklich nur ein winziges Quäntchen, um die Sache unter Dach und Fach zubekommen. Der lange vor ihm führende Van Victory ließ sich jedoch in keiner Weise erweichen; er hielt nicht nur ständig mit viel Einsatz dagegen, sondern kam unter sehenswerter und nie harter Unterstützung von Maxime Pecheur sogar noch einmal zurück, als Heart Storm bereits knapp in Front gezogen war. Damit war der Sack dann endgültig zugemacht und für Pavel Bradik, der sowohl Besitzer als auch Trainer des Hamond-Sohnes ist, ein Halsvorteil über die Linie gerettet. Beide waren letztendlich den gesamten Rennverlauf über die alleinigen Protagonisten. Auf den weiteren  Plätzen folgten Ramona Beat, Well‘s Wonder und La Carolina. Allerdings ohne jemals das vordere Duo im Einlauf ernsthaft in Bedrängnis gebracht zu haben.



 

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