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Überraschung durch Aufsteiger in Baden-Baden

Pas de deux tanzt die Gegner aus

Baden-Baden 29. August 2015

Die erste Gruppe-Prüfung der Großen Woche an einem Sommer-Samstag in Baden-Baden wurde zu einem Rennen der Aufsteiger: Vor einem Jahr hatte der Wallach Pas de deux hier ein Top-Ausgleichsrennen gewonnen, Wildpark trumpfte zwei Klassen tiefer auf. Nun machten beide vor 8.900 Zuschauern den Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.000 m) unter sich aus.

Mit dem besten Ende für den im Besitz des am Bodensee urlaubenden Mülheimers Dirk von Mitzlaff stehenden Pas de deux. Bis zur Zielgeraden galoppierte der 130:10-Außenseiter unter Jockey Ian Ferguson hinter dem Seriensieger und Piloten Wildpark an zweiter Position. Doch im Einlauf machte er sich früh und souverän von dem stark laufenden Konkurrenten frei. Der Überraschungssieg war früh unter Dach und Fach. 

Es war ein Triumph der ungewohnten Namen: Jockey Ian Ferguson hatte seit einem Jahrzehnt nicht mehr solch ein Rennen gewonnen. „Ich war Arbeitsreiter in Dubai und bin erst seit sieben, acht Monaten wieder in Deutschland“, verriet der Reiter. Trainerin Yasmin Almenräder (Mülheim) durfte sich über ichr bisheriges Karriere-Highlight freuen. „Pas de deux mag offenbar Baden-Baden. Er muss frei galoppieren. In Frankreich funktionierte das nicht immer optimal. Er war heute sehr früh vorne, hat sich aber bis zuletzt eingesetzt. Pas de deux dürfte nun die Baden-Württemberg-Trophy im Oktober auf dieser Bahn bestreiten.“

Wildpark unterlag in allen Ehren. „Wir sind hochzufrieden. Er hat sich bravourös verkauft in dieser Klasse. Beim elften Start hat er ja bereits fünf Rennen gewonnen“, berichtete Besitzer Gregor Baum (Gestüt Brümmerhof).

Der 18:10-Favorit Lucky Lion (Andrasch Starke) konnte auf der Zielgeraden aus idealer Lage nicht mehr folgen und landete nur auf dem dritten Platz, knapp vor Ever Strong (Dr. Andreas Bolte: „Das war ganz stark mit dem hohen Gewicht. Wir haben einen interessanten Herbst vor uns“) , Nicolosio, der weicheren Boden gebraucht hätte, dem nie anpackenden Simba und dem Lokalmatador Dartagnan D‘ Azur. Lucky Lions Trainer Andreas Löwe: „Ihm fehlte heute die Frische und Spritzigkeit. Auch das Tempo hätte höher sein können.“

Die Entdeckung des Jahres ist, was die Anzahl der Siege anbetrifft, sicherlich der von Mario Hofer für den Düsseldorfer Guido Schmitt trainierte Gamgoom (26:10, F. Minarik), der im 1.200 Meter-Ausgleich II seinen neunten Saisontreffer markierte. Sensationell, wie der Wallach auch mit dem extrem hohen Gewicht Seal Rock und Leoderprofi jederzeit im Griff hatte und wieder sicher zum Zuge kam. Die Erklärung seines Betreuers: „Unser Tierarzt, Herr Dr. Merkt, hat mehrere Pferde, auch ihn, im Vorjahr mit einer neuartigen Stammzellen-Therapie behandelt, da Gamgoom seine Probleme hatte. Die hat bei ihm bestens angeschlagen. Seither fühlt er sich tiptop und wird immer besser. Als er sieben Rennen gewonnen hatte, da habe ich vom zehnten Erfolg geträumt. Ich hoffe, dass wir das schaffen. Er könnte in Listenrennen in Italien oder Frankreich antreten. Ins Finale der Hoppegartener Sprint-Serie passt er vom Gewicht nicht mehr hinein.“ gerade einmal 5.000 Euro hatte der Wallach vor zwei Jahren hier bei der Frühjahrs-Auktion gekostet.

Vor vier Jahren sorgte Danedream als Deutschlands Superstute für Schlagzeilen. In denselben Farben (vom Gestüt Burg Eberstein der Familie Volz) gewann nach vielen Platzierungen nun die ebenfalls von Peter Schiergen trainierte Dreijährige Morera (30:10, A. Starke) das über 1.600 Meter führende Auftaktrennen. Mit der Favoritin Ovambo Lady besaß die Echo of Light-Tochter am Ende keine Schwierigkeiten, während Sorella als Dritte schon deutlicher zurück folgte.

Zwei Zweijährige hatte Trainer Andreas Wöhler für den Dubai-Großeigner Jaber Abdullah in eine 1.500 Meter-Prüfung geschickt. Und mit Light of Air (83:10, J. Bojko) gewann überraschend die zweite Farbe. „Wir haben vorher noch geflachst. Ich hatte Eddie Pedroza gefragt, ob er nicht ihn reiten wollte, aber er ist bei Royal Shaheen geblieben, der sich einfach noch zu doof angestellt hat. Light of Air wirkt schon wie ein Dreijähriger. Wir werden in Ruhe schauen, was wir nun machen.“ In einem knappen Entscheidung hatte Light of Air starke Reserven gegen den noch sehr gut anziehenden Nightflower-Bruder Nimrod und Guizot, der sich rettungslos festfuhr und der moralische Sieger war. „Heute hatte er viel Pech. Aber solch ein Rennen läuft uns ja nicht weg“, kommentierte Jean-Pierre Carvalho.

Lange hat es gedauert bis zum ersten Grasbahn-Treffer für Marlene Hallers Earl of Heaven (63:10), doch nach einem maßgerechten Ritt des Franzosen Guilain Bertrand (25. Karrieretreffer, der aktuell der zweitbeste Amateur des Nachbarlandes ist) schaffte die 63:10-Chance in einem Wertungslauf zur Longines World Fegentri Championship (Ausgleich IV, 2.000 m) dieses Kunststück. Früh setzte sich der Hengst auf der Geraden von den Außenseitern Ale Ale und Hansom ab. „Daniel Delius hat dem Reiter die Order gegeben, ihn ruhig auf die Beine kommen zu lassen und innen zu bleiben, das war der Schlüssel zum Erfolg. Earl of Heaven kann eigentlich mehr, zeigt das aber nicht immer. Offenbar ist Baden-Baden seine Lieblingsbahn“, versicherte Trainer Christian von der Recke.

Ein optimales Handicap-Debüt gab die von Ferdinand Leve aufgebotene Injoy (55:10, A. Starke) in der Wettchance des Tages (Ausgleich IV, 2.200 m), die sich nach spannender Auseinandersetzung mit dem ebenfalls erstmals im Ausgleich angetretenen Kolonel Kirkup sicher behauptete. Petit Filou rettete Rang drei vor Banzai nach Hause. Die Viererwette bezahlte 200.000:10 Euro, zwei Wetter (einmal mit dem Quick Pick) kassierten jeweils 10.000 Euro.

Seinem kürzlichen Münchener Treffer ließ Montino (203:10, R. Schistl) gleich einen weiteren folgen, wobei der Gast aus Riem innen bequem gegen Gabrial The Prince und Kenia hinkam. „Boden und Wetter, alles hat gepasst. Wenn er Lust hat, kann er so etwas“, versicherte Trainer Werner Glanz.

Der Coach legte mit der schon im Frühjahr hier erfolgreichen Nasijah (56:10, D. Porcu) in Memorial für den viel zu früh verstorbenen Iffezheimer Trainer Werner Hefter (Ausgleich III, 1.400 m) einen leichten Treffer nach, es war der vierte Meetingscoup für Jockey Daniele Porcu. Sha Gino hielt nach langer Führung den Ehrenplazu vor Dark Forrest.

Im abschließenden Ausgleich IV über 1.600 Meter feierte die künftige „Wahl-Iffezheimerin“ Carmen Bocskai schon ihren zweiten Erfolg bei der Großen Woche – durch die knapp durchstehende Ilomita (122:10, Cl. l‘ Heureux) vor Neuenburger, Tableforten und Rait. Die Viererwette kletterte auf 35.272:10 Euro.
 

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