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Shining Emerald hält die Goldene Peitsche im Lande

Erster deutscher Triumph seit acht Jahren

Baden-Baden 30. August 2015

Eine lange Durststrecke ging am Sonntag auf der Galopprennbahn in Baden-Baden-Iffezheim zu Ende. Vor 8.900 Zuschauern gewann zum ersten Mal seit dem Jahr 2007 (Electric Beat) wieder ein deutsches Pferd die zum 145. Mal ausgetragene Goldene Peitsche (Gruppe II, 70.000 Euro, 1.200 m), das bedeutendste hiesige Sprintrennen.

Verantwortlich dafür zeichnete der von Andreas Wöhler in Spexard bei Gütersloh trainierte Wallach Shining Emerald, der zur Quote von 65:10 den heißen Favoriten Son Cesio aus Frankreich nach einer dramatischen Kampfpartie mit einem Kopf Vorsprung bezwang. Der begehrteste Ehrenpreis im hiesigen Rennsport – eine Peitsche in Gold – und 40.000 Euro Prämie gehen damit an den aus Dubai stammenden Großbesitzer Jaber Abdullah, der rund 30 Pferde hierzulande trainieren lässt.

Es war bei hochsommerlichen Temperaturen ein Endkampf, der das Publikum regelrecht von den Sitzen riss. Lange wehrte sich der Vorjahres-Vierte Daring Match an der Außenseite gegen Son Cesio, der rund 150 Meter vor dem Ziel schon den Sieg vor Augen hatte. Doch dann machte Jockey Eduardo Pedroza Shining Emerald so richtig flott. Der im Frühjahr in der Silbernen Peitsche in München erfolgreiche Vierjährige sicherte sich mit einer bravourösen Speedleistung von fünfter Position aus auch „Gold“ und kämpfte sich tatsächlich nach einem Super-Ritt seines Steuermannes noch hauchdünn vorbei.

Dabei war ein Auftritt des beim 14. Start nun zum fünften Mal erfolgreichen Shining Emerald lange nicht sicher, da er eigentlich weichen Untergrund bevorzugt. Andreas Wöhler: „Heute morgen um neun Uhr war ich auf dem Geläuf. Der Boden war noch elastisch, da es am Freitag geregnet hatte. Ich habe mit Racing Manager Bruce Raymond telefoniert, und wir haben entschieden, ihn laufen zu lassen. Es war mein dritter Erfolg in der Goldenen Peitsche. Eddie Pedroza hatte ich keine Order mitgegeben, da er ihn bestens kennt. Vor ein paar Tagen hatte ich nicht den Mumm, das Pferd für den Prix de la Foret am Arc-Wochenende in Paris zu nennen, aber vielleicht gehen wir nun dennoch nach Frankreich mit ihm.“

Jockey Eduardo Pedroza meinte: „Ich bin heute morgen über die Bahn gejoggt. Der Boden war nicht so abgetrocknet. Ich konnte mich mit Shining Emerald schön hinter Son Cesio legen, er hat großartig gekämpft.“

Damit musste Son Cesio wie schon 2014 mit dem Ehrenplatz vorlieb nehmen. „Er lief dennoch sehr gut. Der Sieger war am Ende noch einen Tick stärker“, signalisierte Jockey Fabrice Veron. Auch Daring Match hielt sich als lange sehr gefährlich wirkender Dritter prächtig. „Er gab sich nie geschlagen und wird immer besser“, sagte sein Betreuer Jens Hirschberger. Fly First kam als Vierter noch gut ins Bild. „Er hat in der Kurve einen Nicker gemacht und rund zwei Längen verloren. Hundert Meter weiter hätten wir noch mehr erreicht“, argumentierte Trainer Ferdinand Leve. Die anderen Pferde hatten am Ende keine Chance mehr.

Wenn man einen Lauf hat, dann klappt nahezu alles. Wie im Falle von Jockey Andrasch Starke. Trotz der ungünstigen Startbox 12 auf der Geraden Bahn schaffte er im Preis des Casino Baden-Baden (BBAG Auktionsrennen Iffezheim, 102.500 Euro, 1.200 m) das Kunststück die zweijährige Stute Kambria (126:10-Außenseiterin bald schon nach außen zu beordern. Und dort zog die Areion-Tochter des Gestüts Ittlingen, die als Jährling bei der Iffezheimer Herbstauktion für 14.000 Euro zurückgekauft worden war, bestens durch und bekam die nie lockerlassende Französin Blue Martini sehr sicher in den Griff. 50.000 Euro wandern auf das Konto von Möbel-Multi Manfred Ostermann.

Starke in einem ersten Kommentar: „Sie ist super gestartet und immer gut galoppiert. Ich konnte mir dann die schnellste Spur aussuchen.“ Dabei war das Debüt in Frankfurt noch mittelprächtig gewesen, aber Trainer Peter Schiergen, der seine Pferde bestens in Schwung hat, versicherte: „Der Einstand war nicht schlecht. Sie hatte sich seither gesteigert. Und Andrasch hat mit ihr die richtige Spur gefunden. Es ging alles ohne Probleme.“ Diverse Auktionsrennen oder der Preis der Winterkönigin könnten nun auf ihrem Plan stehen.

Blue Martini war der erwartet harte Prüfstein. „Sie ist noch ein Baby. Es war ja erst ihr zweiter Start. Ich bin sehr zufrieden“, gab ihr Jockey Fabrice Veron zu. Ausgezeichnet hielt sich auch die Lokalmatadorin Wynn Encore, die früh als Dritte feststand. Trainer Lennart Hammer-Hansen: „Es hätten für sie auch 1.400 Meter sein können auf diesem Boden. Sie wurde super geritten.“ Die Favoritin Blues of England blieb als Vierte dabei, aber ohne bessere Chance, der Rest hatte keine bessere Möglichkeit.

Das Team Andrasch Starke/Peter Schiergen gab auch im Preis der BBAG-Jährlingsauktion (Ausgleich I, 22.500 Euro, 1.600 m) den Ton an, denn der im Besitz des Stalles Nizza (des Freiburger Bankiers Jürgen Imm) stehenden Dreijährigen Drummer (19:10-Favorit) ließ sich nach seinem Erfolg in einem Auktionsrennen in Hoppegarten dieses Top-Handicap nicht nehmen. Dass Andrasch Starke das für ihn sehr niedrige Gewicht von 53,5 Kilo in den Sattel brachte, sollte sich lohnen. Denn in der Außenspur zog der Hengst bestens an und wehrte mit Royal Fox einen groß auf Touren kommenden Trainingsgefährten ab. Der lange führende High Duty machte die Schiergen-Dreierwette komplett. „Wir hatten gute Erwartungen in Drummer, alle drei Pferde haben sich toll verkauft. Vielleicht versuchen wir es nun mit dem Sieger wieder in einem Auktionsrennen in Berlin“, verriet der Erfolgscoach. 

Der vierte Saisontreffer des im Gestüt Görlsdorf gezogenen Matchwinner für den Trabertrainer Jens-Holger Schwarma als Besitzer war im einleitenden 2.400 Meter-Ausgleich II allgemein erwartet worden. Der heiße 16:10-Favorit wurde von Ian Ferguson streng auf Warten geritten. Er klappte am Start einige Längen nach und folgte stets mit etwas Abstand zum Feld. Ganz nach außen dirigiert, packte Matchwinner Mitte der Geraden mächtig an, wurde nur mit den Händen unterstützt. Zum Schluss musste er sich gegen den ebenfalls heranfliegenden Mondello noch ein wenig strecken. „Auf diesem Boden musste er nach diesem Verlauf sicherlich 15 Längen mehr gehen als die Konkurrenz, aber er wurde auch nicht hart angefasst. ich schaue mal, was es in Italien für Listenrennen gibt“, berichtete Trainer Axel Kleinkorres. Kashya kam als Dritte ebenfalls noch fein auf.

Nachdem er mehrere Male durch Wegbrechen seine Chancen gelassen hatte, ging diesmal alles glatt mit dem von Markus Klug trainierten Röttgener Elias (21:10, A. Helfenbein) in der 2.400 Meter-Dreijährigen-Prüfung. Andreas Helfenbein wartete lange, bis er den Favoriten an der Außenseite einsetzte, dann war er gegen Stay Strong und Birkenstein sofort souverän voraus. Gut möglich, dass er nun das BBAG-Auktionsrennen in Hannover ansteuert.

50.000 Euro wurden in der Viererwette des 1.200 Meter-Ausgleiches IV als Auszahlung garantiert, und diesmal waren fast durchweg stark gewettete Pferde vorne, mit dem besten Ende für den seit zwei Jahren sieglosen Cratos (39:10, A. de Vries). Mit großem Speed schob sich Wallach noch an Danon Perth, Miss Amber und Tindorette vorbei – die Quote betrug 18.190:10 Euro. „Adrie kennt das Pferd gut. Er hat Cratos super geritten. Es muss für ihn alles passen, dann kann er genug“, so Trainer Philip Jonkhart aus den Niederlanden, der gerade zwei Kandidaten betreut, der andere (Tjerk) hatte vor einer Woche in Düsseldorf gewonnen.

Mit weiterer Steigerung nach dem Ehrenplatz in Bad Doberan wartete die von Pavel Vovcenko aufgebotene Arlett (52:10, F. Minarik) in einer 1.800 Meter-Prüfung für Dreijährige auf. Denn die Tochter des einstigen Großen Preis von Baden-Helden Prince Flori stemmte sich vorne verbissen gegen die nach schwachem Start bald aufgerückte Akua‘ rill und Margie’s Rock.

Die Form des Münchener Trainers Werner Glanz bei der Großen Woche ist sensationell. Denn mit der vierjährigen Stute Panatella (76:10, M. Lerner) in den Farben von Darius Racing markierte der Coach in einem 2.400 Meter-Ausgleich III schon seinen dritten Erfolg. Mit starken Reserven kam die Lady sicher gegen Andromeda, Pearl de Deauville und den Favoriten Aconito, der nicht immer freie Bahn hatte, hin.



Vor fast exakt einem Jahr hatte Uwe Stechs Flying Dreams ihr letztes Rennen gewonnen. In einem 2.200 Meter-Ausgleich III präsentierte sich die 147:10-Außenseiterin nun deutlich verbessert und ließ die groß kämpfenden Sign und Parigino knapp hinter sich. Jozef Bojko war für den verletzten Dennis Schiergen eingesprungen. Der im Mitbesitz von Klaus Allofs (Manager des VFL Wolfsburg) stehende Sottovento hatte nie einen besseren Moment.

Zu seinem ersten Erfolg bei der Großen Woche kam der im Frühjahr zum Meetingschampion gekrönte Lengericher Trainer Dr. Andreas Bolte im abschließenden 1.600 Meter-Ausgleich III, als die immens gesteigerte Elmarani (102:10, F. Da Silva) vor dem Favoriten Waky Sol, See Dex und Hungry Heidi den vierten Saisonsieg feierte.




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