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Domstadt-Lady gewinnt vor 16.000 Zuschauern

Atemberaubender Sieg der Super-Stute Nightflower

Köln 27. September 2015

16.000 Zuschauer auf der Galopprennbahn in Köln erlebten am Sonntag einen Saisonhöhepunkt, der ihnen mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird. Denn mit einer atemberaubenden Speedleistung gewann die im Besitz des Stalles Nizza (des Freiburger Bankiers Jürgen Imm) stehende dreijährige Stute Nightflower (40:10) unter Star-Jockey Andrasch Starke den 53. Preis von Europa (Gruppe I, 155.000 Euro, 2.400 m). Der Bundestags-Abgeordnete Wolfgang Bosbach übergab die Ehrenpreise an das siegreiche Team, wobei Trainer Peter Schiergen zum zweiten Mal in Folge auf dem Siegertreppchen stand.

Zwölf Monate nach dem Erfolg mit dem diesmal ohne Mölglichkeiten gebliebenen Empoli landete die Dylan Thomas-Tochter den mit 100.000 Euro honorierten Super-Treffer nach einer Fülle von Top-Ehrenplätzen auf höchstem Parkett und rundete ein sensationelles Jahr für ihre komplette Mannschaft nach dem Derbysieg mit Nutan, der seine Rennlaufbahn inzwischen beendet hat.

Dabei war Nightflower erst am Mittwoch bei der Vorstarterangabe ins Feld dieses Domstadt-Highlights gelangt – für 15.500 Euro. „Wir hatten uns wegen der Bodenverhältnisse für einen Start mit ihr entschieden“, gab Peter Schiergen zu.

Vorausgegangen war eine spektakuläre Entscheidung: Ito versuchte nach ständiger Führung auf der Zielgeraden einen Satz zu machen, dann wurde der im Besitz der Katar-Herrscherfamilie Al Thani stehende Favorit Dubday immer zwingender. Doch als Andrasch Starke Nightflower an der Außenseite auf den letzten 200 Metern in die Entscheidung warf, stand die Siegerin sofort fest. Mit riesiger Aktion ließ die Mitfavoritin, die nun 312.000 Euro auf das Konto ihres Besitzers galoppiert hat, ihre Konkurrenten stehen und verabschiedete sich auf zwei Längen Vorsprung.

"Das Tempo war sehr gut, der Rennverlauf auch. Wir haben diesmal ganz auf die Endgeschwindigkeit von Nightflower gesetzt und sie extrem auf Warten reiten lassen. Das hat Andrasch gut hinbekommen. Der Gran Premio in Mailand und der Pastorius – Großer Preis von Bayern sind mögliche Ziele, aber mit Gewalt werden wir in diesem Jahr sicher nicht mehr antreten.“
Trainer Peter Schiergen

Und Jockey Andrasch Starke erläuterte: „Nightflower hatte nach Baden-Baden einen weiteren Sprung gemacht. Dort hatte ich ihr sogar mehr als den zweiten Platz zugetraut. Aber wir waren etwas zu früh vorne, da hat sie vorne etwas herumgeguckt. Daher habe ich sie diesmal mehr aus der Reserve geritten. Heute war sie viel konzentrierter und sieht auch immer besser aus. Im Führring hatte ich einen echten Wow-Effekt. Sie wird im nächsten Jahr auch wieder den Hengsten Paroli bieten.“

Ein glänzendes Rennen lief einmal mehr Sirius als Zweiter, der regelrecht heranrauschte. „Er kam etwas zu spät auf freie Bahn, aber ich fühle mich nun wieder bestätigt, da ich immer gesagt habe, dass er in diese Klasse gehört“, so Trainer Andreas Löwe. 

Dubday schien lange noch weiter zu kommen als Rang drei. „Er braucht trockeneren Boden und musste auch fünf Kilo mehr tragen als die Siegerin“, berichtete Weltklasse-Jockey Lanfranco Dettori. Ito (Vierter) musste erst ganz spät weichen. „Es lief unterwegs alles wie geplant, aber die anderen waren diesmal besser“, meinte sein Coach Jean-Pierre Carvalho. Die anderen Kandidaten hatten keine Chance.

Es ist schon bemerkenswert, wie gezielt der französische Trainer Henri-Alex Pantall seine Gastspiele in Deutschland plant. Im Stutenpreis des Gestüts Winterhauch (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.850 m) bot er die im Besitz von Dubai-Herrscher Sheikh Mohammed stehende vierjährige Oasis Dream-Tochter Important Time (146:10) mit Stalljockey Fabrice Veron auf, die zwar zweifache Siegerin war, aber zuletzt in einer viel einfacheren Prüfung in Saint-Malo völlig chancenlos war.

Showrennen

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Doch dank eiserner Nerven seines Reiters landete die Lady hier ihren ersten Listen-Treffer. Denn lange hatte die große Außenseiterin im vorderen Drittel keinerlei Platz zur Entfaltung und musste erst auf freie Bahn bugsiert werden, während die am Toto kaum wahrgenommene Maha Kumari vorne tapfer weitermarschierte. Doch mit mächtigem Schwung flog Important Time auf freier Bahn noch locker an der Konkurrenz vorbei.

„Ihre letzte Form war zu streichen, heute hatten wir einen idealen Rennverlauf. Für mich war der Sieg aber auch überraschend“, kommentierte Fabrice Veron. Lili Moon bestätigte als Zweite ihren Badener Erfolg vollauf, mischte stets groß mit. „Das war ein tadelloser Rennverlauf. Sie ist so gut in Schuss, dass ich mit ihr in zwei Wochen in ein Gruppe-Rennen nach Mailand gehen möchte“, signalisierte ihr Betreuer Werner Glanz.

Vom letzten Platz stürmte noch die Französin Gabella heran und kam auf den allerletzten Drücker an der lange standhaltenden Maha Kumari vorbei. Die Viererwette brachte stattliche 294.743:10 Euro. Die stärker gewetteten Full of Beauty, Zindziswa und Molly Dolly spielten bald keine Rolle mehr.
Tief in die Tasche griff der Schweizer Michael Peter Reichstein bei einer Auktion in Newmarket, als er den Wallach Mr Gallivanter erwarb. Doch er tat genau den richtigen Griff. Denn in einem 22.500 Euro-Ausgleich I über 2.200 Meter landete der Vierjährige unter Filip Minarik einen Volltreffer, nachdem er in Baden schon gut für den neuen Eigner debütiert hatte. „Was für ein Kämpfer“, jubelte Reichstein, nachdem sich Mr Gallivanter außen mit starken Schlussakkord noch zum Erfolg vorgekämpft hatte. „Der Einstand in Iffezheim war schon gut. Und heute hatte er ein perfektes Rennen. Wir peilen nun einen Ausgleich I in Baden-Baden an“, so Trainer Dr. Andreas Bolte.

Zufrieden war man auch im Lager von Interior Minister, der seine Siegesserie als Zweiter mit mächtigem Endspurt voll bestätigte und hauchdünn vor dem an der Spitze lange wie der Gewinner aussehenden Moscatello. Notre Same fand nie Platz und wurde empfindlich gestört, war unter Wert geschlagen.

Nach Dubai wurde die Erfolgsnachricht vom Sieg der Zweijährigen Signora Queen (54:10, J. Bojko) in einer Meilenprüfung übermittelt, denn aus dem Wüsten-Emirat kommt Besitzer Jaber Abdullah. Mit immer neuen Reserven zwang die Exceed and Excel-Tochter den vorne nie aufgebenden Favoriten Nimrod und Gauguin in die Knie.

„Das war super. Ich hätte nicht gedacht, dass die Stute auf Anhieb gegen solche starken Hengste gewinnt“, bilanzierte Trainer Andreas Wöhler.
Massenbesuch herrschte bei bestem Rennwetter beim Saison-Highlight in Köln. „Es ist ein ganz besonderer Tag. Für alle Teile der Bevölkerung ist es eine Freude, hier dabei zu sein. Die Rennen und der Kölner Renn-Verein gehören zu Köln“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters.

So richtig aufgeblüht ist die von Frank Maurer vorbereitete Pleasant Princess (87:10, M. Lopez), die nach ihrem Düsseldorfer Sieg auch im 1.600 Meter-Ausgleich III Start-Ziel vor Tjerk und Erlian nie in Gefahr geriet. „Schon Düsseldorf war hervorragend, aber heute hat sie sich selbst übertroffen. Sie konnte vorne ungestört gehen. Miguel Lopez und sie sind eine richtige Einheit“, hieß es aus ihrem Umfeld.

In der Wettchance des Tages (Ausgleich IV, 1.850 m) nahm der kaum schon erfasste Spirit Danon (32:10, F. Minarik) aus dem Quartier von Mario Hofer den Erfolgsfaden wieder auf, als er von zweiter Position souverän den Piloten Antonow, Dagostino und Dutch Master hinter sich ließ.

Andrasch Starke war auch nach dem Preis von Europa direkt in Sieglaune, als er die Ittlingerin Laya (21:10) aus dem in sagenhafter Form agierenden Quartier von Waldemar Hickst gegen Borneo und Zantaro zu einem leichten Treffer führte.

Und auch der dritte Starke-Sieg hintereinander im 1.400 Meter-Ausgleich II war eine klare Angelegenheit – auf dem 33:10-Favoriten Severus (Trainer Anthonius Franzen). Der im Besitz des holländischen Autohändlers Lucien van der Meulen stehende schnappte sich beim fünften Start sein drittes Rennen in dieser Saison gegen Antalya und Historic Occasion.

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