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Deutscher Erfolg durch Si Luna zum Finale

Das Beste kommt zum Schluss

Paris 4. Oktober 2015

Es lohnte sich, bis zum Schluss zu warten. Denn bei allerletzter Gelegenheit gab es am Arc-Wochenende doch noch einen Erfolg für ein deutsches Pferd in Paris-Longchamp. Denn im abschließenden Grand Handicap des Juments (70.000 Euro-Handicap, 2.000 m) setzte sich die im Besitz des Gestüts Hof Iserneichen stehende Stute Si Luna (52:10, C. Soumillon) sehr überlegen durch.

Nach einem Bilderbuch-Rennen von dritter Position machte sich die von William Mongil in Mülheim trainierte Kallisto-Tochter deutlich von Game Theory und Fifty Gold frei und erfüllte alle in sie gesetzten Erwartungen. „Eigentlich wollte ich über eine deutlich kürzere Distanz laufen, aber Christophe Soumillon hat mir zu dieser Prüfung über 2.000 Meter geraten. Er und die Stute sind ein tolles Team“, sagte Mongil.

Als 290:10-Riesenaußenseiterin ging die von Andreas Löwe für den Stall Lenau in Köln trainierte Bourree (E. Hardouin) in den Prix de l‘ Opera (Gruppe I, 400.000 Euro, 2.000 m). Und von einem der letzten Plätze konnte die Stute nur noch unwesentlich Boden gutmachen und landete schließlich auf Rang elf.

„Sie war zu Beginn zu fleißig, aber das Rennen war auch zu langsam. Eingangs der Geraden war ihr der Weg versperrt. Als sie freikam, musste sie zuviel aufholen. Heute war Bourree unter Wert geschlagen“, schilderte Andreas Löwe.

Enorm dramatisch entwickelte sich der Endkampf an der Spitze, denn die stets führende Engländerin Covert Love (P. Smullen) aus dem Quartier von Hugo Palmer legte immer neue Energie frei, um die schon vorbeigezogene Landsfrau Jazzi Top mit einem Kopf und die vom letzten Platz zu spät heranrauschende Titelverteidigerin We Are knapp hinter sich zu lassen.

Covert Love war in dieser Saison stark verbessert, gewann u.a. die Irish Oaks im Juni und war in den Yorkshire Oaks als Zweite ebenfalls bestens unterwegs gewesen. „Da sie jetzt über 2.000 Meter gewonnen hat, steht ihr die ganze Welt offen. Sie kann überall laufen. Zum Breeders‘ Cup gehen wir aber wohl erst im nächsten Jahr“, so ihr Coach Hugo Palmer.

Cladocera, im Besitz des Baden-Badener Jürgen Winter, hielt aus dem Vordertreffen Rang fünf, während die aus der Zucht des Gestüts Etzean stammende letztjährige Diana-Gewinnerin Feodora (Zehnte) ebenso wie die im Hamburger Stutenpreis siegreiche Odeliz (wurde mit Adrie de Vries Letzte) nie eine Rolle spielten.

Im Marathon des Meetings, dem Prix du Cadran (Gruppe I, 300.000 Euro) über weite 4.000 Meter, setzte sich der Wallach Mille Et Mille nach einem Husarenritt von Thierry Thulliez durch. Start-Ziel ließ der Jockey sein Pferd an der Spitze in diesem Marathon richtig treten, hatte teilweise zehn Längen Vorsprung. Nie kam ein Konkurrent in die Nähe des Außenseiters, dessen Mutter Quezon Sun aus dem Gestüt Park Wiedingen stammt.
„Das war außergewöhnlich. Beim letzten Mal war Mille Et Mille krank. Jeder kennt ihn von seinen Rennen aus den großen Handicaps. Thierry hat ihn mit viel Vertrauen gesteuert“, berichtete Trainer Carlos Lerner. Kicky Blue und Fun Mac belegten die Plätze zwei und drei vor dem Tschechen Trip To Rhodos, der zuletzt den Badener Steher Cup gewonnen hatte. Der vom Ehepaar Meinke gezogene Bathyron wurde Fünfter und war ebenso ohne bessere Möglichkeit. Der stark gewettete Walzertakt (C. Soumillon) aus dem Quartier von Jean-Pierre Carvalho konnte sich früh nicht mehr steigern und musste sich mit Rang sechs begnügen.

Dreimal in den vergangenen zehn Jahren hatte Trainer Aidan O‘ Brien den Prix Marcel Boussac (Gruppe I, 300.000 Euro, 1.600 m) gewonnen. Und nun nahm der Star-Coach den Erfolgsfaden wieder auf – mit Ballydoyle (R. Moore), die aus dem Vordertreffen früh einen deutlichen Vorsprung herausgeholt hatte. Die Zweite aus den Moyglare Stud Stakes (Gr. I) verwies mit Turret Rocks eine weiteren Irin auf den zweiten Rang vor der in Al Thani-Besitz stehenden Quemah. Der Favorit Antonie baute aus bester Lage stark ab und wurde nur enttäuschender Vorletzter.

Ganz im Zeichen von „Godolphin-Blau“ stand der Prix Jean-Luc Lagardere (Gruppe I, 350.000 Euro, 1.600 m), denn mit starkem Einsatz ließ Ultra (M. Barzalona) aus dem Stall von Abo-Champion Andre Fabre knapp Cymric hinter sich, womit zwei Pferde aus dem Besitz von Dubai-Herrscher Sheikh Mohammed die Top-Prüfung vor Galileo Gold und dem Favoriten Johannes Vermeer beherrschten. Ultra stammt von dem früher im Besitz von Georg Baron von Ullmann stehenden Welt-Champion Manduro, womit auch Deutschland einen kleinen Anteil an diesem Coup hat. Beim dritten Start war es der ebensovielte Erfolg für Ultra. „Das einzige Fragezeichen, war ob ihre Erfahrung ausreichen würde. Qualität besitzt sie genug“, kommentierte Lisa-Jane Graffard, die Frankreich-Vertreterin von Godolphin.

Im kürzesten Gruppe I-Rennen des Arc-Wochenendes, dem Prix de l‘ Abbaye de Longchamp (350.000 Euro, 1.000 m der Geraden Bahn) ging der Sieg zum wiederholten Male nach England – der von Robert Cowell aufgebotene Goldream (100:10, M. Harley) mit starkem Endspurt knapp vor Rangali und Muthmir.

Im mit einer Million Euro dotierten Qatar Arabian World Cup über 2.000 Meter für Arabische Vollblüter gaben erwartungsgemäß die Katar-Pferde den Ton an, wobei der von Thomas Fourcy trainierte Al Mourtajez (J. Auge) vorne früh völlig souverän war und Gazwan sowie Sir Bani Yas regelrecht distanzierte. Der deutsche Champion Adrie de Vries hatte mit Prada T (10.) keine Möglichkeiten.

Ein Comeback der Extraklasse gab der von Andre Fabre im Prix de la Foret (Gruppe I, 300.000 Euro, 1.400 m) aufgebotene Make Believe (Jockey Olivier Peslier markierte den 301. Gruppesieg seiner Laufbahn). Der Poule-Sieger hatte in den St. James’s Palace Stakes in Royal Ascot sehr enttäuscht und seither pausiert. Doch nach einem Rennen aus dem erweiterten Vordertreffen hatte sich der Mitfavorit rechtzeitig freigemacht, um auch die immens starke Schlussattacke des mächtig gewetteten Engländers Limato, der einige Chancen bei einem schlechten Start ließ, sicher abzuwehren. Godolphins Toormore hielt den dritten Rang vor Amy Eria, die im Mai Zweite in der Silbernen Peitsche in München war.
 

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