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Wöhler-Hengst triumphiert im Top-Zweijährigenrennen

Isfahan ist der überraschende Winterfavorit

Köln 11. Oktober 2015

Was für ein Wechselbad der Gefühle für Erfolgstrainer Andreas Wöhler rund um das bedeutendste deutsche Rennen für zweijährige Pferde am Sonntag 12.000 Zuschauern beim Saisonfinale auf der Galopprennbahn in Köln: Den klaren Vorausfavoriten Noor Al Hawa musste der Coach aus Spexard bei Gütersloh im Preis des Winterfavoriten (Gruppe III, 155.000 Euro, 1.600 m) wegen Hustens und einer Verschleimung abmelden. Doch wie Phönix aus der Asche sprang der bislang nur den Insidern bekannte Trainingsgefährte Isfahan (85:10) unter dem italienischen Jockey Umberto Rispoli nicht nur in die Bresche, sondern gewann dieses Top-Event in beeindruckender Manier.

Dabei galt der Lord of England-Sohn im Besitz von Darius Racing (von Dr. Stefan Oschmann) nach einem vierten Rang beim Debüt und damit noch siegloses Pferd nur als drittgrößter Außenseiter im siebenköpfigen Feld. Doch mit starkem Speedwirbel lief Isfahan noch an der gesamten Konkurrenz vorbei.

Trainer Andreas Wöhler, der ein sensationelles Jahr hinlegt, ist gleichzeitig auch der Züchter von Isfahan. Sein erster Kommentar: „Dass er sehr gut laufen würde, hatten wir erwartet. Denn nach seinem Einstand hatte er sich gewaltig verbessert, und der damalige Sieger Sound Check galt ja als Favorit. Isfahan musste damals zwei Störungen hinnehmen und hatte nun einen Riesensatz gemacht. Daher haben wir es gewagt, mit ihm hier anzutreten.“

Manager Holger Faust ergänzte: „Schon zuletzt hatte ich gesehen, dass er ein Champion ist. Ich würde gerne noch im Criterium de Saint-Cloud auf Gruppe I-Ebene starten.“ Sicherlich gilt Isfahan, der als Jährling bei der BBAG-Auktion 35.000 Euro gekostet hatte, nun als aktueller Favorit für das Derby 2016. 

Der Röttgener Degas sah kurz wie der Sieger aus, lief als Zweiter bestens. „Das war sehr gut, aber als Zweijähriger ist die Meile die Obergrenze für ihn“, so sein Betreuer Markus Klug. Auch der Dritte Guizot hatte lange alle Chancen vor Braveheart Bear und dem Favoriten Sound Check, der sich wie Pagino nie entscheidend bemerkbar machen konnte, während der Pilot Mungus seinem eigenen Tempo zum Opfer fiel.

Als Zweite im Langen Hamburger hatte Alwilda schon im Sommer ihr Format bei uns demonstriert. Und im Silbernen Band, Deutschlands längstem Flachrennen (Listenrennen, 25.000 Euro, 3.850 m) landete die im Besitz von Tetra Pak-Erbin Kirsten Rausing stehende und in England von Sir Mark Prescott trainierte Hernando-Tochter auch den wohlverdienten Treffer.

Lange stand die Prüfung im Zeichen des vorne bestens standhaltenden Wasir, doch in der entscheidenden Phase musste der Dreijährige Alwilda klar ziehen lassen. „Mir war klar, dass sie hier kaum verlieren konnte, wenn sie die Form aus Hamburg einstellen würde“, gab Jockey Adrie de Vries zu Protokoll, der nach dem kommenden Wochenende in Baden-Baden mehrere Monate in Katar reiten wird.

Wasir verkaufte sich als Zweiter glänzend. „Das war sehr gut. Wir machen nun Saisonschluss“, so Trainer Andreas Wöhler. Bebe Cherie war als Dritte die beste im Trio von Markus Klug vor Angreifer, dessen Reiter Andrasch Starke den Bügel verlor, woraufhin der Sattel rutschte, und Betty Lou.

Ihr Halbbruder Wake Forest (im Mitbesitz von VFL Wolfsburg-Manager Klaus Allofs) zählte zur Spitzenklasse in Deutschland. Aber auch die erstmals aufgebotene Halbschwester Wacaria (20:10, E. Pedroza), im Besitz der Stiftung Gestüt Fährhof, scheint einige Klasse zu besitzen, denn im einleitenden 1.600 Meter-Rennen für Zweijährige triumphierte die Makfi-Tochter nach frühem Vorstoß sicher. „Ihr Bruder war als Zweijähriger noch pfiffiger. Wacaria ist ein feines Pferd fürs nächste Jahr“, berichtete Trainer Andreas Wöhler.

Sehr stark packte noch der Röttgener Deukalion an, der bei einem besseren Start vielleicht noch mehr als den Ehrenplatz vor Zanini erreicht hätte. „Er kam schlecht ab, da die Pferde so lange in der Startmaschine standen“, bedauerte Trainer Markus Klug. „Er war das beste Pferd im Rennen“, sagte Dr. Günter Paul von der Mehl-Mülhens-Stiftung.

Die irische Nationalhymne wurde nach dem Wertungslauf der Fegentri-Weltmeisterschaft der Damen gespielt denn Sheila Ahern führte den Handicap-Debütanten Vabinsaru (43:10) zu einem souveränen Erfolg über Dome Rocket und Avantica Directa. „Die Scheuklappen waren wichtig für ihn. Er kann viel laufen, sein früherer Trainer Jonjo O‘ Neill hat ihn mir empfohlen, daher habe ich Vabinsaru gekauft. Er läuft am Dienstag wieder. Ich muss auch jeden Tag arbeiten“, scherzte Trainer und Besitzer Christian von der Recke.

Zum ersten Treffer beim erst sechsten Start seiner Laufbahn kam Dieu Merci (90:10, 25. Saisonsieg von Jockey Michael Cadeddu) aus dem Dortmunder Stall von Ralph Schaaf im ersten Viererwett-Rennen (Ausgleich IV, 1.600 m). „Er hat viel Zeit gebraucht und sollte noch einiges nachholen“, signalisierte Coach, nachdem sein Schützling Mitte der Geraden bequem vor Kepheus, Walkabout und Narborough zum Zuge gekommen war. Die Viererwette brachte 35.470:10 Euro.

In der Wettchance des Tages (Ausgleich III, 1.850 m) wurde die von Peter Schiergen aufgebotene Pamina (45:10, A. Starke) allem Vertrauen gerecht, als sie locker und leicht an der Konkurrenz vorbeilief. Dutch Master, Loulou’s Jackpot und Pleasant Princess komplettierten die Viererwette, die 9.442:10 brachte.

Im Ausgleich II über 1.600 Meter gab es den gleichen Einlauf wie vor wenigen Wochen auf dieser Bahn. Erneut war Lucian van der Meulens Severus (35:10, A. Starke) gegen Antalya leicht voraus. Toward Glory komplettierte die Dreierwette der Favoriten. „Severus sollte auch im Ausgleich I zurechtkommen“, sagte Jockey Andrasch Starke über den vierfachen Saisonsieger.

Nach 17 Jahren im Amt hatte Benedikt Faßbender-Fiegl seinen letzten Renntag beim großen Saisonfinale als Geschäftsführer des Kölner Renn-Vereins. Sein Nachfolger Philipp Hein (28) wurde dem Publikum vorgestellt. „Bitte kommen Sie wieder und halten dem Kölner Renn-Verein die Treue, damit die Rennbahn in Weidenpesch, ein absolutes Kleinod, weiter gedeiht und wächst“, erklärte Faßbender-Fiegl. Und der neue Geschäftsführer ergänzte: „Ich freue mich auf das nächste Jahr, das wir am FC Köln-Renntag beginnen.“

 

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