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Park Wiedingerin ist die Winterkönigin

Dhaba gewinnt im Stuten-Thriller

Baden-Baden 18. Oktober 2015

4.300 Zuschauer erlebten am Sonntag auf der Galopprennbahn in Baden-Baden-Iffezheim einen absoluten Thriller: Im bedeutendsten Rennen für zweijährige Stuten, dem Preis der Winterkönigin (Gruppe III, 105.000 Euro, 1.600 m), triumphierte nach einem packenden Finish die von Markus Klug in Köln-Heumar trainierte Stute Dhaba (50:10) unter Adrie de Vries. Doch bevor der Triumph der im Besitz des Gestüts Park Wiedingen von Helmut von Finck stehenden Areion-Tochter für das Team der amtierenden Champions feststand, vergingen zahlreiche Minuten.

Mit einem großen Finish überspurtete Dhaba, die zuvor schon im Dortmunder Auktionsrennen ihre Klasse demonstriert hatte, ihre Konkurrentinnen noch mit einer dreiviertel Länge. Doch im Eifer des Gefechts war die Stute deutlich in die Spur der bis dahin führenden Serienholde geraten. Nach längerer Beratung entschied die Rennleitung, dass keine rennentscheidende Behinderung vorlag – der mit 60.000 Euro honorierte Top-Erfolg für Dhaba war perfekt. Schon 2001 stand Besitzer Helmut von Finck an gleicher Stelle nach dem Erfolg mit Narooma auf dem Siegertreppchen.

Ein Stein fiel Trainer Markus Klug vom Herzen, der vier Kandidatinnen aufgeboten hatte und sein erstes Grupperennen in Iffezheim gewann – hier, wo er lange Jahre beheimatet war. „Es wurde im Finish etwas eng, aber es ging noch einmal alles gut. Unsere Erwartungen waren sehr hoch. Im nächsten Jahr ist Dhaba natürlich ein Pferd für die klassischen Rennen. Ich glaube auch, dass sie die Distanz im Preis der Diana (2.200 Meter) bewältigen kann.“

Jockey Adrie de Vries, der in wenigen Wochen zu seinem Winter-Engagement nach Katar aufbrechen wird, ehe er ab 1. April Stalljockey bei Markus Klug wird, sagte: „Meine Stute hing etwas nach außen, aber auf dem Video habe ich gesehen, dass die anderen Jungs weiterreiten konnten. Dhaba hat unheimlichen Speed. Ich hatte nur Angst, dass das Tempo zu langsam sein würde, aber sie hat riesig angezogen, als wir die Lücke gefunden hatten.“

Serienholde hatte im Finale etwas Pech, lief aber stark. „Die Siegerin kam schon etwas in ihre Spur, aber unsere Stute ist toll gelaufen“, versicherte Trainergattin Susanne Wöhler. Auch Pagella war als Dritte dichtauf, hatte lange alle Möglichkeiten. „Sie braucht viel weitere Wege, es war heute zu kurz für sie“, sagte Trainer Jens Hirschberger. Double Dream hatte als Vierte starke Momente vor der etwas zu spät auf Touren kommenden Miss England. Die Favoritin Kosmische baute aus guter Position stark ab und wurde nur Siebte. Auch Dalmatian Sea war bald aus der Partie.

Video: Preis der Winterkönigin (Gruppe 3) - Siegerin: Dhaba

„Ich hatte eigentlich immer eine gute Meinung von ihm“, gab der Kölner Trainer Waldemar Hickst nach dem 2.200 Meter-Rennen zu, das der von ihm für das Gestüt Höny-Hof vorbereitete Mister Universum (37:10) unter Rafael Schistl mit viel Speed souverän gegen Margie’s Rock und Khalet sowie den nicht weiterkommenden Favoriten Brotherly Company gewann. „Seine letzte Arbeit war sehr gut, daher habe ich ihn nachgenannt. Dieses Jahr werden wir nicht mehr starten“, fügte Hickst noch an.

Incantator folgt seinem Bruder

„Das ist eine sagenhafte Mutterstute“, jubelte Trainergattin Susanne Wöhler nach dem Preis der BBAG Hengstparade (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.000 m), dem zweiten Gruppe-Rennen am Finaltag der Baden-Badener Rennsaison 2015. Denn nur eine Woche nach dem Erfolg von Isfahan im Preis des Winterfavoriten in Köln hatte mit Incantator nun dessen Bruder und damit wieder ein Nachkomme der im Besitz der Familie Wöhler stehenden Independent Miss ein Top-Ereignis gewonnen. Rennvideo ansehen

Aus dem Vordertreffen entwickelte der dreijährige Areion-Sohn, der auch im Besitz des Rennstalles Wöhler steht, so starke Reserven, dass er hier zu einem sicheren Sieg kam, dem ersten auf dieser Ebene.

Jockey Jozef Bojko hatte dem 59:10-Mitfavoriten ein ideales Rennen serviert. „Incantator hatte sich deutlich verbessert. Ein Pferd mit einem Riesen-Charakter“, berichtete er. Und Susanne Wöhler, die ihren in Mailand weilenden Ehemann vertrat, fügte hinzu: „Mit viel Liebe züchtet man solche Pferde. Der Trainer sucht immer die richtigen Pferde für die Stute aus. Da Incantator sein Lieblingspferd ist, haben wir ihn nicht verkauft, sondern selbst behalten. Er geht nun in die Winterpause.“

Der Außenseiter Nordico kam noch prächtig auf Touren und sicherte sich den Ehrenplatz. „Auf weicherem Boden wäre er noch besser gewesen. Aber das war mit Höchstgewicht wirklich gut. Er hat noch eine Nennung im Premio Roma Anfang November“, verriet sein Betreuer Mario Hofer. Maningrey schob sich außen auf den dritten Platz, nachdem er lange hinter Devastar keinen Platz gefunden hatte. „Eine sehr ansprechende Leistung“, so Trainer Waldemar Hickst. Der Favorit Pas de deux schien von der Spitze lange hinkommen zu können, war am Ende Vierter. „Er ist uns nichts mehr schuldig nach so einem tollen Jahr“, kommentierte seine Trainerin Yasmin Almenräder.

Was für ein treuer Kandidat ist der Achtjährige Leoderprofi (59:10)! In einem 1.200 Meter-Ausgleich III markierte der von Gerald Geisler in Iffezheim vorbereitete Wallach nicht nur den ersten Erfolg der heimischen Trainingszentrale beim Sales & Racing-Festival, er verbuchte auch bereits den neunten Karrieretreffer beim 72. Start. Unter Eva-Maria Zwingelstein wurde Leoderprofi nach einem Spurwechsel zum Schluss immer stärker und bekam Icing is her name und Madrugada noch knapp in den Griff.

„Ich wollte in diesem Jahr mit ihm einen Ausgleich I gewinnen. Das war unser Ziel. Er läuft immer nach vorne“, durfte sich der Hannoveraner Trainer Hans-Jürgen Gröschel nach dem mit 22.500 Euro ausgestatteten Top-Handicap über 2.200 Meter bestätigt fühlen, denn mit Peter Gollmanns extrem zuverlässigen Fair Trade (51:10) gelang dieses Vorhaben. Jockey Adrie de Vries wagte Mitte der Gegenseite einen letztlich entscheidenden Schachzug - er beorderte Fair Trade plötzlich in Front und kontrollierte dann das Geschehen bis zum Ziel. Zwar wich dieser immer weiter nach außen, doch die permanent attackierende Nelke wurde dabei nicht behindert. „Fair Trade geht nun in die Winterpause“, deutete Gröschel noch an. Nelke zog sich sich sehr stark aus der Affäre. „Sie kämpft und kämpft. Leider bleibt sie nicht bei mir, sondern wechselt nach Kroatien“, signalisierte Markus Klug, nachdem die Lady bei der BBAG-Auktion verkauft wurde. Auch Leonce packte deutlicher zurück noch fein an.

Das Highlight für die Wetter war ein 2.000 Meter-Ausgleich IV, denn hier wurden 50.000 Euro in der Viererwette ausgeschüttet (inklusive eines Jackpots von 27.628,72 Euro). Und der Sieger war durchaus ein fälliges Pferd, denn Sam (88:10) hatte sich bei allen vier Saisonstarts platziert. Nun reichte es nach einer perfekten Einteilung von Steffi Hofer zu einem souveränen Start-Ziel-Sieg. „Er hat den Treffer wirklich verdient, war oft knapp geschlagen. Steffi hat das super gemacht. Es ist mein erster Sieg in Baden-Baden, als Besitzerin habe ich vor zwei Jahren ein Rennen gewonnen, doch als Trainerin war mir das das seit den Zeiten von Schützenmarie nicht mehr gelungen“, berichtete Besitzertrainerin Sabine Gossens. Pleasantpathfinder und Clubber Lang wurden noch sehr schnell und teilten sich in totem Rennen den Ehrenplatz vor Run On Fire. Die beiden Viererwetten brachte stolze 134.735:10 bzw. 188.629:10 Euro.

Um einen Kopf hatte der Schimmel Kalahari Soldier (73:10, R. Schistl) bei der Großen Woche den Volltreffer verpasst, nun klappte es in einem 2.000 Meter-Ausgleich III. Der von Mario Hofer für den österreichischen Stall Ad Episas aufgebotene Wallach kam innen mächtig auf Touren und war rechtzeitig ausgerissen, um Elkantino und Arlett auf die Plätze zu verweisen.

Und auch in einem 1.800 Meter-Ausgleich II war Österreich Trumpf – denn Tamara Richters Urgestein (148:10, E. Frank) sicherte sich wenige Wochen nach seinem ersten Sieg auf dieser Bahn auch dieses Handicap mit mächtigem Schlussakkord vor dem Favoriten Waky Sol und Seewolf. Diese beiden Pferde tauschten nach Entscheidung der Rennleitung allerdings die Plätze, da Waky Sol den Konkurrenten zur Seite gedrückt hatte.

Im abschließenden Ausgleich III über 2.400 Meter landete der von Neutrainer Lennart Hammer-Hansen aufgebotene Karlshofer Stay Strong (57:10, M. Lerner) noch einen leichten Heimsieg vor Venezianus, Mood Indigo und Chancy. 19.356:10 Euro war die Quote der Viererwette.


 

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