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Early Morning gewinnt hochdramatisches Finale

Überraschungssieg durch die älteste Stute

Hannover 25. Oktober 2015

Alter schützt vor Siegen nicht: Beim Saisonfinale auf der Galopprennbahn Hannover sahen rund 8.000 Zuschauer am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein im Großen Preis des Gestüt Fährhof (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.200 m) einen Erfolg der mit sechs Jahren ältesten Stute und zweitgrößten Außenseiterin: Zur Quote von 135:10 triumphierte die von Dr. Andreas Bolte in Lengerich vorbereitete Early Morning unter Jockey Filip Minarik – sie gewann zum ersten Mal überhaupt in einem Gruppe-Rennen, es war beim 29. Start der siebte Erfolg. 32.000 Euro Siegbörse teilen sich Dr. Andreas Bolte und sein Schulfreund Ralf Nicolay aus Wuppertal, die Besitzer der Mamool-Tochter.

Vorausgegangen war ein absolut spannendes Finale zwischen drei Kandidatinnen: Lange schien die stets führende North Mum gemeinsam mit der Favoritin Virginia Sun das Ende unter sich auszumachen, doch Early Morning packte aus dem Vordertreffen nach einem Schwächemoment auf den letzten Metern noch einmal mächtig an und streckte nach einer wahren Energieleistung genau im Ziel den Kopf nach vorne, dahinter notierte man denselben Abstand zur Drittplatzierten North Mum.

„Ich bin erst zum dritten Mal auf der Rennbahn. Early Morning ist eines von zwei Pferden, die mir gehören. Dr. Andreas Bolte kenne ich seit unserer Jugend“, berichtete Miteigner Ralf Nicolay.

Und der Trainer fügte an: „Nach ihren zweiten Platz in Hamburg musste Early Morning wegen einer leichten Sehnen-Verletzung pausieren. Wir haben sie in Ruhe gelassen und vorsichtig wieder aufgebaut. Zuletzt in Dortmund absolvierte sie einen Aufgalopp. Gearbeitet hatte sie vor dem heutigen Rennen super. Im Rennen war ihre Lage perfekt. Der Sieg ist schon eine Sensation. Wir haben die Stute vom früheren Jockeydiener Jan Nienstädt gepachtet, der leider vor einigen Jahren verstorben ist.“ Jockey Filip Minarik krönte eine Triplette mit diesem Sieg.

Die Favoritin Virginia Sun unterlag in allen Ehren. „Schade, dass ihr genau auf der Ziellinie der Erfolg weggeschnappt wurde, aber sie hat nichts falsch gemacht und hatte einen tollen Rennverlauf. Es war ihr letzter Start. Sie wechselt nun in die Zucht.“

Dorthin geht auch die Dritte North Mum, wie Gestüt Wittekindshofs Gestütsleiter Karl Jörg sagte: „Wir haben unser Ziel, eine Gruppe-Platzierung erreicht.“ Auch Shivajia hielt sich als Viertplatzierte gut, sie kam von hinten noch besser auf. „Das war eine grundsolide Form. Das Rennen hätte aber noch schneller für sie sein können. Im nächsten Jahr wird sie in den Rennstall zurückkehren.“ Die übrigen Kandidatinnen hatten keine bessere Chance. Die Mitfavoritin Techno Queen wurde in einer frühen Phase des Rennens angehalten. „Sie ist am Start gestiegen und hat sich eine Zerrung zugezogen“, so Trainer Toni Potters.

„Ich hatte schon etwas Bammel vor dem Start, da ich eigentlich mit ihr in die Winterpause gehen wollte, aber ihre Arbeitsleistungen waren so gut, dass ich es hier noch einmal versucht habe“, gab Trainer Hans-Jürgen Gröschel zu, nachdem die von ihm für Karin Schwerdfeger vorbereitete Shy Witch (33:10, I. Ferguson) erwartungsgemäß den Großen Preis der Mehl-Mülhens-Stiftung Gestüt Röttgen (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.400 m) gewonnen hatte.

Bis weit in den Einlauf sprach vieles für einen Erfolg von Blumenfee, die sich schon einen deutlichen Vorteil verschafft hatte. Doch Ian Ferguson blieb ihr mit Shy Witch, die zuletzt im Badener Zukunftsrennen schon vor dem späteren Auktionsrennen-Sieger Millowitsch und seinem Runner-up Fanfaron gewesen war, auf den Fersen, schob sich Mitte der Geraden vorbei und hielt den sicheren Vorteil fest.

„Sie war fast noch ein wenig zu früh in Front, aber ich bin sehr zufrieden. Nun geht es in die Pause“, erklärte Gröschel. Blumenfee konnte als einzige folgen, hielt sich sehr stark vor der Trainingsgefährtin Donna Doria und Nossa. Jens Hirschberger: „Blumenfee und Donna Doria sind beide noch Babies. Sie haben ihre Sache sehr gut gemacht. Sie werden Zeit zur Entwicklung bekommen. Im nächsten Jahr verspreche ich mir einiges von ihnen.“

Vor anderthalb Jahren avancierte die im Besitz von Klaus Hofmann (Stall Lucky Owner) stehende Ajaxana zur klassischen Siegerin. Da vertrat die von Waldemar Hickst in Köln vorbereitete Rock of Gibraltar-Tochter im Großen Preis der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V. (Listenrennen,25.000 Euro, 1.600 m) die allerbeste Klasse. Und standesgemä0 bestimmte Jockey Stephen Hellyn mit der 31:10-Favoritin Start-Ziel den Richterspruch. Sechs Längen Vorsprung hatte die Lady zuletzt auf die Konkurrenz. 

„Von der Spitze gewinnt sie ihre Rennen. Sie war sehr gut auf dem Posten und hat alles schön umgesetzt“, kommentierte Hellyn den lockeren Erfolg. Gereon erkämpfte sich noch den Ehrenrang. „Leider wurde er am Start von Ajaxana behindert. Das Rennen war zu ruhig für ihn. Vielleicht starten wir in zwei Wochen noch einmal in Krefeld“, so sein Betreuer Christian Zschache. Rosebay endete als Dritte dichtauf. „Sie hat heute eine Listen-Platzierung geschafft und bleibt auch 2016 im Rennstall“, ließ Trainer Markus Klug verlauten. Der von Ebeltoft angeführte Rest hatte keine bessere Möglichkeit.

Dritter Sieg beim ebensovielten Start – die im Besitz des Amerikaners John O‘ Connor stehende Quenby hat in ihrer bisherigen Karriere wahrlich alles richtig gemacht. Im einleitenden 2.000 Meter-Rennen kam die von Andreas Wöhler trainierte Dreijährige als 11:10-Chance unter Eduardo Pedroza nie in Gefahr. Sie musste nur den Widerstand der Pilotin Fidelberta brechen, was früh und souverän gelang. „Sie konnte in diesem Jahr wegen einer Verletzung erst spät herauskommen. Das Listenrennen in Dresden könnte im November das nächste Ziel sein“, berichtete Daniel Krüger in Vertretung des Besitzers.

Was für ein schönes Bild nach der über 1.600 Meter führenden Zweijährigen-Prüfung: Interims-Coach Dominik Moser (ein Starter, ein Sieger) hatte die ab dem 1. November als offizielle Trainerin am Galopp-Trainingszentrum Hannover firmierende Melanie Sauer beim Siegerfoto umarmt. Vorausgegangen war ein Kampferfolg der 20:10-Favoritin Wild Approach, die sich mit gewaltigem Speed noch an der schon in Sicherheit geglaubten Riesenaußenseiterin Zawadi und Lopera vorbeiraufte. „Sie sollte heute Routine bekommen. Aber ich freue mich sehr, dass sie gewonnen hat. Dass sie ein sehr gutes Pferd wussten wir“, berichtete Brümmerhof-Besitzer und Rennvereins-Präsident Gregor Baum über die Halbschwester des Gruppesiegers Wildpark.

Erstaunlich viel Geld gab es in der nächsten Youngster-Prüfung über 1.750 Meter, als der Wittekindshofer Duke Of Marmalade-Sohn Swinging Duke zur Sensations-Quote von 149:10 unter Martin Seidl den stets führenden Favoriten Nimrod und Prince Apache mit riesigem Speed noch abfing. Damit landete Champion Markus Klug einen weiteren Treffer in einem Zweijährigen-Rennen.

So richtig die Erwartungen erfüllt hatte die dreijährige Stute Nura (67:10, F. Minarik) bisher noch nicht. Doch in einem 2.400 Meter-Ausgleich III landete die von Waldemar Hickst trainierte Stute ihren ersten Treffer in sehr sicherem Stil vor Shy Moon und Zaphiras Addenture. „Sie stand sich bisher selbst im Weg, ist ein kompliziertes Pferd. Aber laufen kann sie“, erklärte Mitbesitzer Wilhelm Giedt.

In der Wettchance des Tages (Ausgleich II, 1.600 m) entwickelte die von Peter Schiergen aufgebotene Ammerländerin Royal Solitaire (70:10, A. Starke) an der Außenseite so großen Schwung, dass sie den Halbblüter Apoleon, Victorious und Cassilero noch sicher in Schach hielt. Die Viererwette bezahlte 19.210:10 Euro.

Nach dem Ehrenplatz beim Debüt klappte es für Jens Hirschbergers Memel (22:10, A. Helfenbein) in einer 1.750 Meter-Prüfung auf den allerletzten Drücker noch mit dem ersten Treffer gegen Glad Libero und Polarstern.

Im abschließenden 1.750 Meter-Ausgleich III machte Trainer Waldemar Hickst mit Zitat (23:10) eine Triplette perfekt. Jockey Stephen Hellyn wartete bei seinem zweiten Tagessieg bis zuletzt, ehe er Highland Fighter und Holy Rose noch abfing.

Bei glänzendem Besuch und optimalem Rennwetter wurde die Saison auf der Neuen Bult beendet. Der Renntag der Gestüte – unterstützt von der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V. sowie namhaften Zuchtstätten und Züchtern – war wieder ein voller Erfolg.

Super-Sieg für De Vries in Rom

In Rom landete Jockey-Champion Adrie de Vries vor seinem Abflug zum Winter-Gastspiel in Dubai noch einen bemerkenswerten Treffer – im Premio Lydia Tesio (Gruppe I, 264.000 Euro, 2.000 m) führte er die Engländerin Odeliz nach frühem Vorstoß zu einem hauchdünnen Erfolg vor Sound Of Freedom und der im Besitz des Deutschen Andreas Putsch stehenden Via Pisa. Die deutschen Ladies Daytona Bay (A. Crastus/F. Leve) und Nymeria (A. Pietsch/W. Hickst) belegten die Plätze fünf und sechs.



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