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Knapper Heimerfolg und Titelverteidigung in Krefeld

Parthenius auf der Spur seines Bruders Pastorius

Krefeld 8. November 2015

Begeisterung pur herrschte am Sonntag auf der bestens besuchten Galopprennbahn in Krefeld. Denn im großen Highlight für die zweijährigen Galopper – dem Großen Preis von Link in Krefeld der Tölke + Fischer Gruppe – Herzog von Ratibor-Rennen Krefeld (Gruppe III, 55.000 Euro, 1.700 m) – sorgte der 38:10-Favorit Parthenius vor 8.500 Zuschauern für einen Heimerfolg. In den Farben des in München weilenden Besitzers Franz Prinz von Auersperg triumphierte der Soldier Hollow-Sohn wie sein Bruder Pastorius im Jahr 2011, der im darauffolgenden Jahr sogar zum Derby-Sieger avancierte. Gut möglich, dass Parthenius, der 32.000 Euro auf das Konto seines Eigners galoppierte und beim dritten Start den zweiten Erfolg feierte, eine ähnliche Karriere einschlägt.

Mit großem Kampfgeist schob sich der von Mario Hofer in Krefeld vorbereitete Hengst unter dem Brasilianer Rafael Schistl noch mit einer Nase an dem fast schon in Sicherheit geglaubten Röttgener El Loco vorbei. „Die Entwicklung von Parthenius ist schon sensationell“, berichtete der Coach. 

„Er ist ein spätreifer Typ. Man konnte zunächst nicht damit rechnen, dass er schon so früh ein Grupperennen gewinnt. Aber er hatte sich in den letzten paar Wochen stark verbessert. Ich freue mich auf 2016. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Das Derby ist natürlich sein Ziel. Parthenius sollte auch längere Distanzen bewältigen. Er ist sehr beweglich und auch bodenunabhängig.“
Trainer Mario Hofer

El Loco ging als Zweiter nicht schlechter als der Sieger und unterlag denkbar knapp. „Er ist ein gutes Pferd, und wir sind davon überzeugt, dass er seinen Weg machen wird“, versicherte Dr. Günter Paul von der Mehl-Mülhens-Stiftung. Nach schlechtem Start schob sich die unterwegs stets bemühte Parvaneh noch auf den dritten Rang. „Sie wurde zu Beginn behindert und hätte bei einem glatten Rennverlauf nie verloren“, glaubte Manager Holger Faust. Quiliano lief als Vierter achtbar vor Zanini und Deukalion, der innen nicht durchdrang. Die anderen Pferde waren bald kein Faktor mehr.

Im letzten Gruppe-Rennen der deutschen Galopper-Saison wiederholte sich wieder einmal Geschichte: Denn im Großen Preis von Rondo Food – Niederrhein-Pokal (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.050 m) verteidigte Vif Monsieur (82:10) unter dem Belgier Koen Clijmans seinen Titel und spazierte mit ungewohnter Taktik in einem extrem schnellen Rennen aus dem Mittelfeld mit sagenhaften neun Längen davon. Auf der Zielgeraden gab es kein Halten mehr für den Doyen-Sohn, der nach einem Intermezzo bei Besitzer Frank Van Gorp wieder zu dem Düsseldorfer Trainer Sascha Smrczek zurückgekehrt war.

„Er ist ein absolutes Frühjahrs- und Herbstpferd. Im Sommer hatte ich Vif Monsieur für zwei Monate zu mir zurückgeholt, damit er den Kopf frei bekommt“, gab van Gorp zu. Und Sascha Smrczek meinte: „Jeder dachte, er würde das Tempo machen, aber am Anfang tat er sich schwer. Da hat der Jockey das einzig Richtige getan und ihn in Ruhe gelassen, aber in Reichweite zu den vorderen Kandidaten. Und dann konnte er nach eigenem Gusto aufschließen und nach vorne gehen. Ich denke, er wird in diesem Jahr nicht mehr antreten.“

Der Mitfavorit Nordico, der im Schlussbogen immer mehr Boden gutgemacht hatte, rettete den Ehrenplatz knapp. „Den Sieger konnten wir heute nicht schlagen, er war weit weg“, so sein Jockey Rafael Schistl. Beinahe wäre noch die Außenseiterin Bravo Girl mit großem Endspurt an Nordico vorbeigekommen. „Sie ist eine richtig gute Stute. Im nächsten Jahr machen wir mit ihr weiter“, versicherte Besitzer Klaus Hofmann. Der Favorit Lucky Lion kam aus guter Position nicht weiter und musste sich mit dem vierten Rang begnügen. „Ihm fehlte der Zug nach vorne“, brachte es sein Betreuer Andreas Löwe auf den Punkt. Der von Amazona angeführte Rest konnte sich nicht mehr steigern. 

Seinen ersten Sieg als Profi feierte Robin Weber im Ausgleich II über 2.050 Meter – auf dem absoluten Formpferd Red Pepper (52:10), der sich an der Außenseite souverän von Doinyo, Ardeola und dem sehr spät auf Touren kommenden Favoriten Lindblad löste. „Es war Robins erster Treffer für mich. Er hat alles gut gemacht. Mit der Gewichterlaubnis stand Red Pepper sehr günstig in der Partie“, ließ Trainer Henk Grewe durchblicken. Die Viererwette bezahlte 52.848:10 Euro.

Mit einer Überraschung begann der Nachmittag, denn den Sommerberger Paolini-Sohn Capitano (105:10, A. Pietsch) hatte man in der einleitenden Zweijährigen-Prüfung nicht unbedingt auf der Rechnung. Doch in sehr guter Manier stiefelte der Außenseiter gegen den permanent angreifenden Nacar und Danlia immer weiter. „Er hatte sich schön angeboten. Mit einem Sieg hatte ich aber nicht gerechnet. Da der Bruder Captain Dino unsere Erwartungen nicht erfüllt hat, habe ich Capitano nichts fürs Derby genannt, aber es gibt nächstes Jahr ja auch andere schöne Rennen“, erklärte Trainer Jens Hirschberger. Der Favorit Weltmeister kam nicht gut auf die Beine und arbeitete sich noch auf Platz vier vor.

Ihren zweiten Treffer im Rennsattel feierte die junge Jennifer Mölls in einem 1.700 Meter-Handicap auf dem Favoriten Spirit Danon (35:10), der beim dritten Saisonsieg mit starkem Speed problemlos an Polonaise und Touch of Pri vorbeikam. „Jenny hat jetzt Vertrauen bekommen. Sie hat schon ausgelernt, ist aber weiterhin bei mir beschäftigt. Spirit Danon ist in Iffezheim an einem schlechten Rennverlauf gescheitert. Er hat noch eine Nennung in einer Woche in Frankfurt“, kommentierte Trainer Mario Hofer.

Beim 21. Start gelang der Stute World’s Dream in einem 1.400 Meter-Ausgleich III endlich der heißersehnte erste Triumph, und das passenderweise am 36. Geburtstag ihres Trainers Marco Klein aus Mannheim. Genau im Ziel nagelte die Mitfavoritin die zunächst locker in Front gezogene Baba Jaga fest, hinter der Serena den dritten Rang eroberte. „Die Stute hat den Erfolg nach so vielen Ehrenplätzen mehr als verdient. Sie musste erst Selbstvertrauen finden. Eigentlich wollten wir nun in eine Pause gehen, mal sehen, was wir machen“, erklärte Klein.

Die Bahnspezialistin Anarchie (179:10, K. Clijmans) hatte man in einem 2.050 Meter-Ausgleich III am Toto stark vernachlässigt, doch mit enorm viel Schwung bekam die von Ralf Rohne in Düsseldorf trainierte Schimmelstute noch Viscount Vert und Dutch Gal in den Griff.

Im abschließenden Herbert Cohn Gedächtnis-Jagdrennen (8.000 Euro, 3.900 m), dem Schlusspunkt der Krefelder Galopp-Saison 2015 und Lauf zur Registano-Trophy, bezog der 14:10-Favorit Falconettei eine überraschende Niederlage gegen die aus Iffezheim angereiste Stute Audientia (40:10, V. Korytar), die bisher stets hinter ihm gewesen war. In scheinbar bester Haltung war Falconettei auf der Geraden an die stets führende Konkurrentin herangerückt, doch nach dem Finalsprung kam er einfach nicht mehr weiter, während Audientia immer weiter zog. „Es wurde wieder einmal Zeit, dass wir so ein Rennen gewinnen. Jetzt steuern wir noch das Listenrennen am 6. Dezember in Bremen an“, sagte Trainergatte Hans-Georg Rotering. Falconetteis Jockey Cevin Chan zur Niederlage: „Falconettei ging eigentlich wie der Sieger, machte aber am letzten Sprung einen Fehler. Die Gegnerin kam auch etwas in unsere Spur. Er hat etwas Schwung verloren.“ Rockinger rettete weit zurück Platz drei gegen Larsen Bay.



 

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