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Der große Tag des Piet van Kempen

Fährhof-Youngster imponiert im Jugendpreis

Baden-Baden 25. Mai 2016

Mit besonderer Aufmerksamkeit warteten 5.500 Galopper-Fans beim PMU-Auftaktrenntag des Frühjahrs-Meetings am Mittwoch in Baden-Baden auf den ersten Auftritt der zweijährigen Pferde im traditionsreichen Badener Jugendpreis (10.000 Euro, 1.000 m). Und sie wurden Zeuge einer beeindruckenden Vorstellung der im Besitz der Stiftung Gestüt Fährhof stehenden „Amerikanerin“ Hargeisa (21:10, A. Suborics).

Die Speightstown-Tochter stürmte von dritter Position auf der Zielgeraden souverän vor ihre vier Konkurrenten und verabschiedete sich auf imponierende viereinhalb Längen Vorsprung. Da scheint Trainer Mario Hofer ein Ass in seinen Reihen zu haben, wie er auch zugab: „Sie ist ein gutes Pferd, ansonsten hätte ich keinen Zweijährigen von Herrn Jacobs hierher geschickt. Die Stute hatte uns im Training voll überzeugt. Nun steuern wir vermutlich Rennen in Frankreich an.“

Auch der gut gewettete Farhad hielt sich als Zweiter vorzüglich, wobei „ein Schlenker im Bogen etwas Schwung gekostet hat“, wie sein Betreuer Henk Grewe erklärte. Deutlicher zurück schob sich Aliance mit guter Endgeschwindigkeit noch Rang drei vor Global Girl und dem bestens gestarteten, aber stark abbauenden San Diego.

Das beste Handicap des Abends, der German Tote Cup (Ausgleich II, 1.200 m) ging in die Niederlande an den gerade hier stets gefährlichen Stall von Trainer Piet van Kempen – durch den schon siebenjährigen Wallach Thorpe Bay (92:10, M. Seidl), der schon im Winter auf Sand zweimal erfolgreich war. Hier profitierte er von einer guten Einteilung seines Jockeys, der an der Innenseite vor einem kämpfenden Rudel stets neu beschleunigen konnte. „Er hatte zuletzt in Bremen ein sehr unglückliches Rennen, fand nie eine Passage, daher habe ich an meinem Plan festgehalten, in Baden-Baden anzutreten“, erklärte der Coach. Nandolo, der zu Beginn der Geraden keine freie Passage hatte, wurde wie der Lokalmatador Leoderprofi noch sehr stark, während Finch Hatton seine Attacke an der Außenseite nicht durchzog.

Und nur eine halbe Stunde später trumpfte erneut ein Pferd von Piet van Kempen auf, der ganze drei Vollblüter in der Nähe von Boxmeer vorbereitet – der Bahnspezialist Viscount Vert (63:10, E. Frank), der nach frühem Angriff in einem 1.800 Meter-Ausgleich III sicher nach Hause zog. „Er läuft hier immer gut. Es ist das erste Mal, dass ich zwei Rennen an einem Tag in Iffezheim gewonnen habe“, strahlte der Trainer mit der Sonne um die Wette. Immer stärker wurde der Favorit Lagoas, der jedoch sehr unglücklich agierte. „Er war der moralische Sieger. Der Reiter hätte den guten Platz unterwegs nicht aufgeben dürfen“, ließ Fährhofs Racing Manager Simon Stokes verlauten. Der lange führende Bombelli und der kurz sehr chancenreich wirkende Ungar Boetie’s Dream machten die Viererwette komplett, die 16.495:10 Euro bezahlte.

Zwar hatte der von Jean-Pierre Carvalho trainierte Vero (113:10, F. Da Silva) schon einige Platzierungen vorzuweisen, doch mit einem Erfolg in der einleitenden 2.200 Meter-Prüfung war doch nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Aber Francisco Da Silva teilte dem Außenseiter Start-Ziel alles bestens ein, der gegen Lipari und Vision In Grey nie in Gefahr geriet. „Ich habe das Tempo so gemacht, wie es meinem Pferd recht war“, erklärte der Brasilianer.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal mit einem Pferd fünf Rennen hintereinander gewinnen würde. Aber Emirati Spirit ist ein absolutes Kampfpferd. Wenn ein Gegner neben ihm auftaucht, dann fightet er bis zum Ende“, jubelte die Iffezheimerin Eva-Maria Zwingelstein – die Amazone, die weiter von einem Erfolg zum anderen eilt, setzte mit dem von Mario Hofer (zweiter Tagessieg) vorbereiteten 22:10-Favoriten ihre große Serie fort. Früh war dieses Team an der Spitze auszumachen und hatte den Bahnspezialisten Shillito sehr sicher im Griff. Der von weit hinten heranstürmende Tansfeeq und Salinas Road komplettierten die Viererwette, die 12.152:10 Euro brachte.

Und eine weitere Serie wurde fortgesetzt – auch Stall Sesekes Freedom Time (40:10, F. Minarik) sicherte sich den fünften Sieg in Folge – in einem 2.800 Meter-Ausgleich III triumphierte der Wallach zum dritten Mal beim ebensovielten Start auf diesem Kurs. Dabei schien der vom Start weg führende Mitfavorit im Einlauf schon von Polski Poseidon passiert zu sein, aber mit erstaunlicher Energie zog der Rail Link-Sohn immer wieder an und kam sicher hin. „Er hatte im September hier in Baden-Baden gewonnen und ist ein absoluter Steher. Wir haben ihn anschließend auf die Koppel gestellt und ihn bewusst auf dieses Rennen vorbereitet. Da er ein schlechtes Reisepferd ist, gehen wir mit ihm auch nicht nach Frankreich“, ließ Trainer Dr. Andreas Bolte durchblicken.

Alle Mühe, die sich Trainer Christof Schleppi mit dem siebenjährigen Wallach Wilson (115:10) gegeben hatte, sollte sich auszahlen: „Er hatte einen Sehnenschaden. Wir haben ihn ganz vorsichtig wieder aufgebaut. Zuletzt in Dresden war er schon gut gelaufen, hatte damals aber nach dem Rennen Kreislaufprobleme“, hieß es aus dem Team des Bexheimer Besitzertrainer Dr. Stefan Schleppi (32), der hier in der Tierklinik beschäftigt ist, nachdem der frühere Ausgleich II-Sieger mit geschliffener Marke locker gegen den Favoriten Jolly Boy und das Höchstgewicht Peseta einen 2.200 Meter-Ausgleich IV gewonnen hatte. Da sollte für die Zukunft noch einiges möglich sein.

Im abschließenden 1.400 Meter-Rennen landete Erika Mäders One Way Ticket (29:10, D. Schiergen) den ersten Karrieretreffer. Bis in die Gerade ließ sich der Hengst von Aramis führen und machte sich dann bald schon bequem von Warm Reception und She’s A Rebel frei.



 

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