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Salzburg-Galopper jetzt Derby-Mitfavorit

Wai Key ist der Star in Baden-Baden

Baden-Baden 28. Mai 2016

Sechs Wochen vor dem Deutschen Galopper-Derby steht einer der Favoriten für das Rennen des Jahres fest: Denn vor 7.800 Zuschauern brachte sich der von Andreas Wöhler in Spexard bei Gütersloh trainierte Wai Key Star (78:10) unter Jockey Eduardo Pedroza mit einer Glanzleistung am Samstag in Baden-Baden ins Gespräch. Im Ittlingen Derby Trial (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.000 m) triumphierte der im Besitz des Freilassinger Schlafmöbel-Unternehmers Hans-Gerd Wernicke (Stall Salzburg) stehende Sohn des Top-Vererbers Soldier Hollow in toller Manier.

Lange stand diese aus Frankfurt übernommene Prüfung ganz im Zeichen des heißen Favoriten El Loco. Der Röttgener führte mit Adrie de Vries unterwegs mit mehreren Längen die Konkurrenz an und versuchte sich auf der Zielgeraden von seinen sieben Konkurrenten abzusetzen, was zunächst auch gelang. Aber dann wurde man plötzlich auf Wai Key Star, den sich sein Eigner als Jährling auf der Weide im Gestüt Park Wiedingen ausgesucht hatte, aufmerksam. Mit gewaltigen Schritten näherte sich der zuletzt in der Sieglosen-Klasse in Hannover erfolgreiche Dreijährige dem Piloten El Loco und löste sich schließlich mit zweidreiviertel Längen von ihm. Ein echtes Derby-Pferd, das auch mit der 400 Meter weiteren Strecke in Hamburg zurechtkommen sollte.

„Ich war mir früh sicher, dass wir Erster oder Zweiter werden würden. Als ich Wai Key Star angetippt habe, zog er richtig an. In jedem Fall sollte er im Derby eine gute Rolle spielen“, versicherte sein Reiter Eduardo Pedroza.

Trainer Andreas Wöhler in einem ersten Kommentar: „Wir wussten vorher noch nicht, wo er steht. Denn er kam aus einer nur kurzen Pause und aus der Maidenklasse. Es ist Herrn Wernicke zu verdanken, dass wir hier angetreten sind, denn ich wollte ihn schon streichen. Wai Key Star hatte sein letztes Rennen sehr gut weggesteckt und hinterließ zu Hause einen Klasse-Eindruck. Wir hatten uns ein Platzgeld ausgerechnet Er ging immer in sehr guter Haltung, auch wenn er noch etwas unreif war. Nun hat er sich eine Auszeit bis zum Derby verdient.“

Besitzer Hans-Gerd Wernicke erläuterte: „Wir wollten unter den ersten Drei sein. Aber diese Vorstellung war toll. Er hatte sich schon mächtig verbessert.“

El Loco unterlag in allen Ehren. „Der andere war klar besser. Er muss von vorne gehen, denn er verfügt über eine große Aktion. Ich weiß noch nicht, ob er vor dem Derby noch einmal startet“, meinte Trainer Markus Klug.

Sehr gut steigern konnte sich noch Noble House als Dritter. „Fester Boden war gut, aber 2.400 Meter würden ihm noch mehr entgegenkommen“, sagte Mario Hofer, dessen anderer Teilnehmer Nacar als Sechster „weicheres Geläuf benötigt hätte.“ Der stark gewettete San Salvador kam nach einem Schwächemoment noch einmal wieder, hatte aber nie mehr Chancen als auf Rang vier. „Wir sind nicht enttäuscht, aber etwas mehr Tempo und weitere Wege braucht er“, versicherte Andreas Löwe.

Vor zwei Jahren hatte das Gestüt Görlsdorf gemeinsam mit Trainer Markus Klug mit der Stute Wunder hier gewonnen, nun eiferte ihr im Kronimus Diana-Trial (Listenrennen, 25.000 Euro, 1.800 m) die Iffraaj-Tochter Tickle Me Blue nach, die nach ihrem vierten Rang auf Gruppe-Ebene in Köln nun unter Adrie de Vries als 23:10-Favoritin allen Erwartungen vollauf gerecht wurde.

Doch bis es so weit war, musste ihr großer Anhang schon ein wenig schwitzen, denn von einem der letzten Plätze musste sie sehr viel aufholen und erst Platz finden. Doch dank gewaltiger Reserven schnappte Tickle Me Blue noch sicher zu. „Ihre Mutter heißt ja Tickle Me Pink, und ihr Vater gehörte der blauen Flotte von Godolphin, daher der Name. Tickle Me ist schon ein Running Gag bei uns“, ließ Niko Lafrentz vom Gestüt Görlsdorf durchblicken. Und Trainer Markus Klug ergänzte: „Heute ließ sie erstmals über 1.800 Meter, aber nach ihrer Leistung in Köln war ich mir ziemlich sicher, dass sie das kann. Auf der Geraden hat sie einen Schlenker gemacht, aber es hat alles geklappt. Wie Wunder vor zwei Jahren steuert sie nun den Prix Chloe in Chantilly an. Die 2.200 Meter im Preis der Diana sind zu weit, daher hat sie keine Nennung. Auch aus den 1.000 Guineas in einer Woche wird sie nun gestrichen.“

Ein erstaunliches Rennen lief die Lokalmatadorin Whole Lotta Rosie als Zweite, sie sah kurz wie die Siegerin aus. Besitzer Hans-Helmut Rodenburg: „Wir haben sie nun auf Warten reiten lassen. Dass sie ein 90-Kilo-Pferd ist, haben wir immer gewusst. Sie ist Kandidatin für das Diana-Trial in Hoppegarten und den Almased-Cup in Hamburg.“

Ganz stark setzte sich auch noch Fosun als Dritte ins Bild. „Ihr war die Strecke noch zu kurz. 2.000 Meter und weiter sind ideal“, versicherte Markus Klug. Auch die Schweizerin Ma Petite Folie war lange gefährlich und wurde Vierte, während sich Lysanda nicht zu steigern vermochte. Das gilt auch für die Pilotin Miss England, die laut Michael Figge Scheuklappen benötigt.

Nach dem imponierenden Erfolg von Milo (12:10, L. Bekaert) im 500 Meter-Ponyreiten gab es in einer 1.500 Meter-Prüfung für Dreijährige eine große Überraschung. Die bei ihrem Debüt noch nicht weiter aufgefallene Night Flair (208:10) kam unter dem 18-jährigen Franzosen Pierre Bazire sehr sicher gegen Belangelus, die nach schlechtem Start groß anpackende Lady Emarald und den extrem unglücklich agierenden Alter Rail zum Zuge. „Ich hatte den Reiter, der im letzten Jahr 35 Rennen in Frankreich gewonnen hat, für Nic Mountain in einem anderen Rennen gebucht und dann auch auf die Stute gesetzt. Er hat einen feinen Ritt hingelegt, perfekt nach Order. Night Flair hat sich stark verbessert“, kommentierte Trainer Michael Figge.

Und nur eine halbe Stunde später markierte das Team Bazire/Figge gleich den nächsten Treffer – im 2. Wertungslauf zum Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung (Ausgleich IV, 2.200 m), als der bereits angesprochene Nic Mountain (42:10) für die Besitzergemeinschaft um Yea! Yeah! Yeah! Stables auftrumpfte. Lange schien der Favorit Ismay Start-Ziel nach Hause kommen zu können, doch Nic Mountain entwickelte die deutlich größeren Reserven. Rang drei ging an den Außenseiter Foreign Tiger. „Er hatte sich in München angeboten. Und das Pferd hatte sich auch gesteigert“, erklärte Michael Figge.

Der Coach gewann später mit Shutterbug den Grand Prix de Bordeaux (Listenrennen, 60.000 Euro, 1.900 m) mit Shutterbug (A. Hamelin), was für ein Tag für den Münchener Trainer!

Beim sechsten Karrierestart war es endlich soweit mit dem ersten Erfolg der Stute Rose of Eden (54:10, A. de Vries), die in einem 1.600 Meter-Handicap stark gewettet war und von dritter Position aus sehr sicher gegen Hurricane Harry, die lange führende Kimara und Lucy Bee erfolgreich war. „Zuletzt in Düsseldorf war sie am Boden gescheitert. Heute passte der normale Untergrund“, sagte ihr Betreuer Toni Potters nach dem zweiten Meetingssieg. Die Viererwette bezahlte mit 146.585:10 Euro sehr viel.

Und auch in der nächsten Prüfung, einem 1.600 Meter-Ausgleich II landete der Großenknetener Trainer Toni Potters einen Volltreffer – eindreiviertel Jahre nach seinem letzten Erfolg glänzte Foolproof (95:10) im 1.600 Meter-Ausgleich II. Start-Ziel ließ Francisco Da Silva den Siebenjährigen so richtig treten. Nur Rock Shandy (Dr. Andreas Bolte: „Ich freue mich sehr über den zweiten Platz“) konnte einigermaßen folgen, während Near Excellent Rang drei jederzeit sicher hatte. „Foolproof war als Jahresdebütant schon in Köln gut gelaufen. Heute hat alles gestimmt, das Wetter und der Boden. Wir peilen nun das Derby-Meeting in Hamburg an“, so Potters.

Für eine große Überraschung sorgte der von Conny Brandstätter in Iffezheim trainierte Bearheart (216:10) in einem 1.800 Meter-Ausgleich III. Seinem Speed war keiner der Gegner, angeführt von Arando und Pythagoras gewachsen.

Über seinen ersten Erfolg als Besitzer durfte sich Thiago Dos Santos Pinto in einem Lauf zur Sport-Welt Amateur-Trophy (Ausgleich IV, 2.000 m) freuen, denn der 47:10-Favorit Clubber Lang sourtete unter Kevin Braye auf der Zielgeraden der Konkurrenz locker davon. Er lief hier im vergangenen Jahr in einem besseren Ausgleich IV stark und hatte einen der besten Amateure im Sattel. Nur in Köln hatte er enttäuscht, aber die Vorformen waren gut“, berichtete Trainer Sascha Smrczek. Faytosa, Iniesta und Amondo schafften es in die Viererwette, die 25.000:10 Euro zahlte.

Kaffeekönig Albert Darboven landete im abschließenden 1.800 Meter-Rennen noch einen knappen Erfolg mit dem von Hans-Jürgen Gröschel trainierten Power Euro (49:10, I. Ferguson), der gegen All for Fun und Fifth Avenue die größeren Reserven entwickelte.

Bereits am Sonntag steht das große Finale des Frühjahrs-Meeting in Baden-Baden an – mit dem Großen Preis der Badischen Wirtschaft. In diesem zweiten Wertungslauf der German Racing Champions League treffen die deutschen Galopp-Stars Ito und Nightflower aufeinander.


 

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