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Englischer Triumph im Klassiker - Protectionist stark

Hawksmoor ist eine Nummer zu groß

Düsseldorf 5. Juni 2016

Eine Gala der englischen Favoritin Hawksmoor sahen die 8.520 Zuschauer an einem sonnenüberfluteten Sonntag auf der Galopprennbahn in Düsseldorf im ersten Stuten-Klassiker der Rennsaison 2016: In den WEMPE 96. German 1000 Guineas (Gruppe II, 125.000 Euro, 1.600 m) wurde die von Hugo Palmer trainierte 22:10-Favoritin den hohen Vorschusslorbeeren unter Jockey James Doyle vollauf gerecht.

In den Farben der Amerikaner Roy und Gretchen Jackson, die bereits am Freitag mit Architecture einen zweiten Platz in den Englischen Oaks in Epsom bejubeln durften, siegte die Azamour-Tochter nach zwei Platzierungen in der Elite-Klasse des Turfs nun in dieser Prestige-Prüfung.

Aus Startbox eins etablierte James Doyle Hawksmoor sofort im Vordertreffen und hatte früh eine optimale Ausgangsposition hinter der führenden Double Dream. Und schon Mitte auf der Zielgeraden hatte die Favoritin die Spitze übernommen. Doch dann kam mit Shy Witch eine große Gefahr von weit hinten. Die Stute aus dem Quartier von Hans-Jürgen Gröschel, der noch am Sonntag in Baden-Baden den Großen Preis der Wirtschaft (Gruppe II), den zweiten Lauf der German Racing Champions League gewonnen hatte, packte gewaltig an, erreichte die bestens durchziehende Hawksmoor aber nicht mehr.

Ein weiterer Gäste-Erfolg im Klassiker war perfekt. Trainer Hugo Palmer: „Unser Ziel war, ein Gruppe II-Rennen zu gewinnen. Zuletzt kam sie auf allerhöchster Ebene nicht ganz hin. Ihr damaliger Jockey Frankie Dettori meinte, wir sollten in der Distanz zurückfahren, was sich ausgezahlt hat. James Doyle hat einen sehr guten Job gemacht. Unser Stall legt einen tollen Start in dieses Jahr hin. Ich habe gute Pferde zur Verfügung. Die Falmouth Stakes in Newmarket könnten ihre nächste Prüfung sein. Der elastische Boden war heute ideal. Vielleicht steuern wir später die Sun Chariot Stakes an. Es war mein erster Erfolg in Deutschland.“

Shy Witch bewies mächtige Endgeschwindigkeit und unterlag nur einer Klassestute mit einer halben Länge. „Es lief alles wie geplant. Der Jockey hat alles richtig gemacht. Wenn alles gut geht, dann steht ein Gruppe III-Rennen in Hamburg über die Meile nun auf ihrem Programm“, erklärte ihr Betreuer Hans-Jürgen Gröschel.

Erstaunlich stark verkaufte sich Dynamic Lips als Dritte. „Wir sind sehr zufrieden“, signalisierte ihr Besitzer Hans-Dieter Lindemeyer. Von weiter hinten machte auch Monaco Show noch viel Boden gut vor Milenia und der lange tonangebenden Double Dream. Die hochgehandelte Dhaba (Achte), die aus äußerer Startbox ein sehr unglückliches Rennen hatte, und Parvaneh (Zwölfte) spielten hier keine Rolle. Die Viererwette bezahlte 91.966:10 Euro.

Protectionist mit erstklassigem Comeback

Hochspannung herrschte schon vor dem Klassiker – denn in einer mit 4.000 Euro dotierten Prüfung über 2.200 Meter, dem Commerzbank Cup gab kein Geringerer als der Melbourne Cup-Sieger Protectionist sein Comeback. Der Triumphator des bedeutendsten Rennens in Australien 2014 hatte anschließend Down Under nicht mehr zu seiner Form zurückgefunden und war im November zu seinem früheren Trainer Andreas Wöhler zurückgekehrt. Und für den Coach aus Spexard bei Gütersloh landete der zuvor bei einer Gewinnsumme von über 2,5 Millionen Euro stehende Super-Galopper gleich wieder einen mehr als beeindruckenden Erfolg. Viel wichtiger als die 2.000 Euro Prämie, die es dafür gab, war die Tatsache, dass der im Besitz von Australian Bloodstock stehende und von Dr. Christoph Berglar gezogene sechsjährige Sohn der Deckhengst-Legende Monsun gleich wieder auf die Siegerstraße zurückfand. Und wie!

Mitte der Zielgeraden machte sich der 20:10-Favorit überlegen mit dreieinviertel Längen von den Gegnern von iraklion und Empoli frei, ohne von seinem Jockey Eduardo Pedroza, der wie Trainer Andreas Wöhler seinen dritten Tagessieg feierte, einmal ernsthaft bemüht worden zu sein.
„Für mich war das Rennen schon aufregend, denn Protectionist wieder zurück zu haben und vorsichtig aufzubauen, war schon eine Aufgabe. Ich hatte einen guten Eindruck von ihm im Training. Er sollte Vertrauen bekommen, daher sind wir hier gelaufen. Wir werden Schritt für Schritt weitermachen und steuern wahrscheinlich den Großen Hansa-Preis in Hamburg an. Wir wollen dann auch versuchen, wieder Gruppe I-Formen zu bekommen. Später ist er ja für eine Karriere als Deckhengst sehr interessant“, berichtete Andreas Wöhler. Das Rennen wurde sogar nach Australien und Dubai übertragen.

Zuletzt im Mehl-Mülhens-Rennen war Jaber Abdullahs Royal Shaheen (15:10, E. Pedroza) deutlich unter Wert geschlagen gewesen. Da traf es der dreijährige Hengst in einer Maidenprüfung über 1.500 Meter natürlich wesentlich leichter an, und war von zweiter Position aus auch früh auf der Siegerstraße. „Wir wollten ihm heute eine leichtere Aufgabe geben. Das war für den Kopf wichtig. Mal sehen, wo wir nun weitermachen. Noch weitere Wege, um die 1.800 Meter, wären sicher besser für ihn“, berichtete Trainer Andreas Wöhler. Die Co-Favoritin Adelaide Rose konnte ihm als Einzige folgen, während Gittan sich noch auf Rang drei schob.

Und auch eine halbe Stunde später standen Eduardo Pedroza und Andreas Wöhler auf dem Siegertreppchen - in einer 2.200 Meter-Prüfung für dreijährige Ladies verabschiedete sich Dr. Christoph Berglars Nightlight Angel (18:10) erwartungsgemäß aus der Maidenklasse. Die Schwester des Ausnahmepferdes Novellist hatte von zweiter Position aus gegen die stark debütierende New Look sowie die in totem Rennen auf Platz drei einkommenden Good Girl und Nordwienerin locker alles im Griff. „Es ging alles gut, das Tempo hat gepasst, und sie hat sich für ihr kürzliches Pech entschädigt“, signalisierte Jockey Eduardo Pedroza.

In absoluter Glanzform agiert nach wie vor die Stute Jule (58:10, A. Pietsch), die im 2.200 Meter-Ausgleich II überaus bequem gegen Venezianus und die lange führende Summershine zum Zuge kam. Damit landete der nicht vor Ort weilende Trainer Dr. Andreas Bolte einen Doppeltreffer. „Sie hat alles spielerisch gemacht“, kommentierte Siegjockey Alexander Pietsch. Der vor einer Woche noch imponierend in Baden-Baden siegreiche Northern Rock fiel als klarer Favorit früh aus der Partie. „Die siebeneinhalb Kilo Aufgewicht haben sich ausgewirkt, und ich glaube, dass er in Düsseldorf nicht so gut aufgehoben ist“, signalisierte sein Betreuer Sascha Smrczek.

Nach drei Ehrenplätzen in Folge war der Erftländer Christoph Columbus (43:10, J. Bojko) wahrlich reif für einen Erfolg, den der Schützling von Michael Blau nach perfekter Einteilung seines Jockeys in einem 2.200 Meter-Ausgleich III auch Start-Ziel sehr sicher vor Rosendach und Snowhite schaffte.

In die Niederlande ging der Ausgleich I über 1.500 Meter, denn der von Christian Wolters trainierte Divisional (82:10, F. Minarik) überspurtete auch die Seriensiegerin und schon als Gewinnerin gewähnte Antalya vor dem gut endenden Favoriten Artreju. „Ein schnelles Rennen und lange Warten, das sind die Garanten für den Erfolg bei Divisional, der sich auch verbessert hat“, ließ Jockey Filip Minarik durchblicken.

In einem 1.600 Meter-Ausgleich III beendete die von Bernhard Friesdorf aufgebotene Tweet Lady (65:10, J. Bojko) eine längere Durststrecke, als sie sicher gegen den Piloten Bombelli und Tjerk siegte.

Das abschließende 1.400 Meter-Handicap wanderte nach Holland – denn Alexander Pietsch entlockte dem von John Smith vorbereiteten Yeah Cool (78:10) gegen Novice of Budysin und Crystal Doll tolle Reserven.

Parthenius Nichtstarter im Frankreich-Derby

An den Stall von Jean-Claude Rouget ging der Triumph im Prix du Jockey-Club (Gruppe I, 1,5 Mio. Euro, 2.100 m) durch den früh souverän weiterziehenden Almanzor (J.-B. Eyquem) vor dem Aga Khan-Ass Zarak und Dicton.

Der Deutsche Parthenius wurde zum Nichtstarter erklärt – wegen nicht übereinstimmender Daten im Pferdepass. „Nur die Chip-Nummer stimmte überein, hieß es aus Frankreich“, erklärte Rüdiger Schmanns vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V.

Einen achtbaren vierten Rang erreichte der von Jean-Pierre Carvalho trainierte Guignol (P.-Ch. Boudot) im Grand Prix de Chantilly (Gruppe II, 130.000 Euro, 2.400 m). Hier siegte der Favorit One Foot In Heaven (20:10, C. Soumillon) für Trainer Alain de Royer-Dupre vor Garlingari und Harlem.



 

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