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Viele Favoritensiege beim Finale der Derby-Woche

Weltmacht ist eine Klasse für sich

Hamburg 10. Juli 2016

Natürlich war auch das Rahmenprogramm am Abschluss-Sonntag der Derby-Woche stark mit insgesamt zwölf Rennen. Einsame Klasse bewies im Preis vom Gestüt Röttgen (Listenrennen, 25.000 Euro, 2.200 m) die in den Farben der Zuchtstätte aus Köln-Heumar angetretene Weltmacht (23:10), die unter Adrie de Vries Start-Ziel der Prüfung ihren Stempel aufdrückte. Schon früh setzte sich die Fünfjährige aus dem Stall von Markus Klug von der Konkurrenz ab. „Es lief alles bestens. Der Jockey hat sie wunderbar angefasst und auf diesem Boden gleich den Platz an der Spitze gewählt, was auf diesem Boden offenbar genau die richtige Taktik war. Und dann gewann Weltmacht unangefochten“, erklärte Dr. Günter Paul von der Mehl-Mülhens-Stiftung, der den Ehrenplatz an Dr. Andreas Jacobs weiterreichte.

Dieser ist mit seinem Newsells Park Stud Eigner der Zweitplatzierten Strawberry Martini, die noch sicher an der tapferen Meliora vorbeikam, aber keine Siegchance besaß. „Wir sind sehr happy, vor allem, da zwei Nachkommen von Mount Nelson vorne waren“, sagte Jacobs, denn der Deckhengst ist in seinem Gestüt beheimatet. Kashya folgte als Vierte vor Lutania schon deutlicher zurück, während Nessaya nie gefährlich wirkte. Die Siegerin Weltmacht könnte später im Jahr eine Kandidatin für das St. Leger sein.

Das Vertrauen war gewaltig und völlig berechtigt: Auf 26:10 heruntergewettet wurde im Hapag-Lloyd-Rennen (52.000 Euro, 2.200 m) der von Michael Figge in München für den Stall Priamos trainierte Dreijährige Leomar. Und mit Robert Havlin im Sattel schaffte der Adlerflug-Sohn einen sehr überzeugenden Start-Ziel-Erfolg. Kurz schien ihm Laurette Mitte der Geraden gefährlich zu werden, aber Leomar bekam den zweiten Wind und löste sich am Ende wieder sehr sicher. „Er ist ein Pferd, das sich von Start zu Start gesteigert hat. Wir wussten schon im vergangenen Jahr, in dem er nur einen Lernstart bekommen hat, dass er viel Talent besitzt. Leomar hat von der Spitze einen riesigen Kampf geliefert“, freute sich Michael Figge nach dem zweiten Sieg beim fünften Start des Hoffnungsträgers.

Lange schien der Ehrenplatz für Laurette reserviert zu sein (Besitzer Franz Prinz von Auersperg: „Ich hatte gedacht, sie geht weiter, bin aber sehr zufrieden“), doch wurde Draconis immer stärker und flog regelrecht vorbei. „Schade, dass er unterwegs seinen Platz verloren hatte, aber das war für ein siegloses Pferd eine starke Leistung“, kommentierte Trainer Roland Dzubasz. Erica vervollständigte die Viererwette, die 6.602:10 Euro bezahlte. Gerade einmal 12.000 Euro hatte Leomar bei der BBAG-Auktion den Stall Primos gekostet.

„Andere wären vielleicht schon in Grupperennen mit solch einem Pferd gelaufen, aber dafür haben wir noch Zeit und gehen lieber Schritt für Schritt vor“, erklärte Trainer Axel Kleinkorres nach seinem zweiten Tagestreffer, dem allseits erwarteten Erfolg des in den Farben von Traber-Ass Jens Schwarma angetretenen Matchwinner (33:10) im Ausgleich I über 2.200 Meter. Unter Stephen Hellyn entwickelte der immer weiter gesteigerte Sternkönig-Sohn beim sechsten Karriere-Erfolg enorme Reserven und machte sich souverän von Agosteo und Jungleboogie frei. „Im Herbst könnte er in einem Krefelder Grupperennen laufen, zumal er auch den schweren Boden kann“, fügte Matchwinners Trainer Axel Kleinkorres noch an.

Vor drei Jahren war der Hoppegartener Trainer Uwe Stech hier mit Tahira erfolgreich, und nun trumpfte er im Rudolf-August Oetker-Gedächtnisrennen (52.000 Euro, 1.600 m) erneut auf – mit der ebenfalls im Besitz des Stalles Memory stehenden Areion-Tochter Halli Galli (M. Seidl), die von zweiter Stelle aus früh allein auf weiter Flur war und als 35:10-Mitfavoritin alle Erwartungen erfüllte. „Sie war länger nicht gelaufen, da wir nicht viele Möglichkeiten mit ihr hatte und bewusst Auktionsrennen ansteuern wollen. Bevor wir es dort in Hoppegarten versuchen, könnte es noch in eine Listen-Prüfung über 1.400 Meter gehen“, erläuterte Stech. 30.000 Euro hatte Halli Galli als Jährling in Baden-Baden auf der Auktion gekostet, die beim dritten Start ihr zweites Rennen gewann. Noch sehr viel Boden machte Saxone als Zweiter gut, vor der gut dabeibleibenden Bastille und der nach langer Führung erst spät abbauenden Riesenaußenseiterin und Pilotin Voodoo.

Auch in einem 2.200 Meter-Ausgleich II setzte sich mit Silicon Valley (39:10) ein von den Wettern stark unterstütztes Pferd durch – die von Hans-Jürgen Gröschel in Hannover trainierte Stute des Stalles Bergholz verdrängte mit fulminantem Endspurt Angreifer, Dao Vasco und Sworn Terz (die Viererwette brachte 38.891:10 Euro). „Silicon Valley war wirklich an der Reihe. Am Dienstag hatte sie lange keinen Platz. Ihr Jockey Ian Ferguson hat heute einen brillianten Ritt hingelegt“, bilanzierte Gröschel.

Fünfte, Zweite, Siegerin – die von Christian Sprengel für den Stall Petit Philippe trainierte Dreijährige Lacrimosa (31:10) wartete im einleitenden 2.000 Meter-Rennen (Prix German Tote) mit weiterer Steigerung auf und ließ Start-Ziel nach optimaler Einteilung von Filip Minarik nie auch nur eine Konkurrentin an sich herankommen. „Sie lief ja bisher immer gut und auch am ersten Wochenende stark. Man sieht es ihr gar nicht an, aber sie ist ein ganz schön hartes Pferd. Wir steuern nun die Superhandicaps in Bad Harzburg und dann vielleicht eine bessere Aufgabe in Meran an“, versicherte Sprengel. Wiesenlerche konnte nach der Pause kaum besser laufen und hatte Rang zwei vor Larox früh sicher.

Die Derby-Woche war eine Top-Woche für die Kölner Trainerin Sarah Weis, denn nach dem Samstagstreffer mit Cindaralla landete sie auch mit dem gerade in Krefeld auf schwerer Bahn erfolgreichen Fladin (64:10, D. Porcu) einen Erfolg – in einem Ausgleich III über 2.400 Meter. Mit viel Speed bekam der Toylsome-Sohn noch den schon in Sicherheit geglaubten Nic Mountain sowie Shabraque in den Griff. „Nachdem man Mann gestern schon zwei Rennen gewonnen hatte, musste ich ja noch einen Sieg nachlegen. Ich hätte nicht gedacht, dass Fladin mit Aufgewicht gleich noch einmal gewinnen würde“, sagte Sarah Weis.

So richtig an der Reihe war nach den jüngsten Platzierungen die von Mario Hofer für den Kölner Renn-Vereins-Präsidenten in einem 1.600 Meter-Rennen (mit der Box gestartet) aufgebotene Noble Agrippina (23:10-Favoritin), die unter Martin Harley (feierte am Vortag seinen 27. Geburtstag) von zweiter Stelle überlegen gegen Philippa und Koenigin Hollow zum Zuge kam. „Ihre Dresdener Form war sehr gut, und zwei Gegner waren herausgegangen, da stand die Stute zum Sieg“, berichtete Mario Hofer.

Eine grandiose Saison legt Erika Ulbrichts American Day hin – der Wallach feierte im ersten von drei Viererwett-Rennen (Ausgleich III, 1.800 m)bereits seinen vierten Saisonsieg – nach einem maßgerechten Timing von Jockey Ian Ferguson schnappte der 33:10-Favorit mit einer Nase noch gegen See Dex zu. „Das ist ein ausgesprochen treues Pferd. Das Rennen war über die Maßen schnell, es hat alles gepasst“, erklärte Trainer Axel Kleinkorres. Mastoso und Mandelsamen komplettierten die Viererwette, die 6.169:10 Euro bezahlte.

Auf schwerer Bahn ist der Erlenhofer Cassilero (35:10, St. Hellyns zweiter Tagessieg) aus dem Kölner Stall von Karl Demme so richtig in seinem Element. Im 1.600 Meter-Ausgleich II gewann er trotz Höchstgewichts sein viertes Rennen in dieser Saison, wobei er sich vorne zeitig von Donna Doria und Universal Star absonderte.

Zum Abschluss der Derby-Woche präsentierten sich in einem 1.200 Meter-Ausgleich II leider nur vier Pferde am Start. Hier sorgte der von Sascha Smrczek aufgebotene Bellcanto als 18:10-Favorit unter Francesco Ladu für den einzigen Doppelsieg des Meetings. Die Schlussattacke von Leoderprofi brachte ihn nicht mehr in Verlegenheit. Dragoslav folgte als Dritter schon deutlich distanziert. 996.284,29 Euro betrug der Wettumsatz am Derby-Tag.

 

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