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It’s Me ein Ass im Vielseitigkeitssport

Ein Vollblüter sorgt für Aufsehen

Köln 29. Juli 2016

Für eine direkte Nominierung zu den Olympischen Spiele hat es nicht ganz gereicht, dennoch sorgt ein Vollblüter aktuell für mächtiges Aufsehen auf „branchenfremden Terrain“: Der zwölfjährige It’s Me hat kürzlich in Luhmühlen mit Andreas Dibowski das CC14*, eine der schwersten Vielseitigkeitsprüfungen weltweit, gewonnen. Für Olympia sind die beiden nun als fünfte Reserve nominiert, ein Einsatz am 8. August auf dem Gelände des Olympic Equestrian Centre in Deodoro erscheint deshalb recht unwahrscheinlich.

Dennoch hat It’s Me wieder eine Lanze für seine Rasse geschlagen, deren Einfluss im Reitsport sehr groß ist. Eines von vielen Beispielen: Das Dressurpferd Rembrandt, mit dem Nicole Uphoff-Selke Einzel- und Mannschaftsgold errang, bringt von der Mutterseite Adone (Angelo xx) Vollblut ins Pedigree. „Ein guter Vollblüter kann alles, und wenn er es kann, dann kann er es besser als die anderen“, zitiert sein Züchter Walter Sybrecht einen alten Zuchtspruch. Der emeritierte Professor der Inneren Medizin kümmert sich auf dem Gestüt Hof Iserneichen in Isernhagen „als Hobby“ um rund 20 Pferde. Darunter sind aktuell sechs Vollblutstuten für die Zucht. „Wir haben zudem zwei Zweijährige - von Archipengo und Samum - im Training bei William Mongil“, so Sybrecht. 

Der Professor züchtet schon seit den 60er-Jahren, seit 1996 ist das Iserneichen offiziell als Vollblutzuchtgestüt anerkannt. Zuvor stand die Vielseitigkeit im Vordergrund. „Wir haben aber eigentlich schon immer beides gemacht“, sagt Sybrecht. „Wir züchten hier nicht für die Auktion, sondern versuchen es individuell zu machen. Wir haben einen Zuchtansatz, der pferdegerecht ist.“ Große Erfolge feierte das Gestüt mit Si Luna (Kallisto), die ein Gr.3-Rennen in Frankreich und drei Listenrennen gewann. Und mit Scaligero (Lagunas), der sogar Gr.1 Sieger in Meran über die Sprünge wurde.

Viel Wert legt Sybrecht auf die reiterliche Ausbildung seiner Pferde. „Ich will eine Zusammenarbeit beider Welten, denn ich komme ja auch aus beiden Welten.“ Doch wann ist ein Vollblüter auch für Dressur, Springreiten oder die Vielseitigkeit, die alles zusammenführt und noch einen anstrengenden Geländeritt über viele Hindernisse dazu packt, geeignet? „Je korrekter ein Pferd im Körperbau ist, desto besser“, betont Sybrecht. „Es braucht einen guten Galopp, muss beim Springen und in allen Gangarten locker bleiben.“ 

Eigenschaften, die offenbar auf It’s Me zutreffen. Sein Vater ist der Englische und Irische Derbysieger Kahyasi, der das Blut des großen amerikanischen Vererbers Northern Dancer in sich trägt. Die Mutter Itza (von Local Suitor) hat vor ihm mit Ibisco (Royal Solo) und vor allem Itzmo (Mark Of Esteem) gute Nachkommen hervorgebracht. Itzmo gewann drei Ausgleich I-Rennen und versuchte sich sogar auf Gruppe-Ebene, den sportlich wertvollsten Galopprennen.

Die Rennkarriere von It’s Me selbst war nicht so erfolgreich: Er lief als Dreijähriger in Frankreich, kam dann zurück nach Deutschland und schaffte als beste Platzierung einen zweiten Rang im Bremer Jagdrennen hinter Miss Flora, aber vor dem heute noch über die Sprünge aktiven Supervisor. „Ich habe It’s Me dann als Reitpferd umgestellt und er hat sofort Geländereitprüfungen gewonnen“, berichtet Sybrecht. 2008 traf der Professor dann im englischen Badminton den Vielseitigkeitsreiter Andreas Dibowski, der im gleichen Jahr mit der Mannschaft Gold bei seinen dritten Olympischen Spielen gewann. 

„Wir kamen beide zu der Erkenntnis, dass trotz erhöhter Ansprüche in Dressur und Springen der Vollblutanteil eines Pferdes kaum hoch genug sein kann, will man auf klassischen Kursen nachhaltig bestehen“, beschreibt Dibowski das Treffen auf seiner Website. „Nach einer kurzen Probephase bei mir im Stall, wohin er direkt aus dem Renntraining kam, war ich vollends von dem Talent überzeugt.“ 

Uneins war man sich aber über den Preis und so kam Holger Heigel, der Vorsitzende des Ausschusses Vielseitigkeit des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei, ins Spiel. Er schenkte It’s Me seiner Frau Susanne. „Ich glaube, es hat keine zwei Minuten gedauert, bis die Augen von Frau Heigel glänzten“, erinnert sich Dibowski. Nach anfänglichen Erfolgen kamen jedoch die Probleme. It’s Me, der jetzt das xx als Vollblüter im Namen trägt, hatte Rücken und später auch Hufe. Zwei Jahre lang wurde er sorgfältig aufgebaut und intensiv behandelt. 

Die Zeiten sind vorbei, mittlerweile ist der nur 1,60m große Braune im Vier-Sterne-Himmel der Vielseitigkeit angekommen. Für den 50-jährigen Dibowski war es nach 2011 der zweite Erfolg in Luhmühlen. „Wir hätten nie gedacht, dass dieses kleine Pferd hier an der Spitze stehen kann“, freute sich der Reiter. "Ich bin normalerweise sehr nervös, wenn ich in den Spring-Parcours einreite", bekannte er hinterher. "Aber It's Me war so gelassen und selbstbewusst, dass er auch mir jede Nervosität genommen hat.“ Und die Besitzerin Susanne Heigel sagte stolz: "Der Kleine ist eine so coole Socke. Der genießt die vielen Zuschauer, das ganze Tamtam. Dann macht er sich groß und wird zum Kämpfer."
 

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