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Renngericht bestätigt die Entscheidung der Hamburger Rennleitung vom 10. Juli 2016

Berufung im IDEE 147. Deutschen Derby zurückgewiesen

Köln 13. Oktober 2016

In einer wahren Marathon-Verhandlung am heutigen Donnerstag vor der Sportsgerichtsbarkeit fiel die Entscheidung zum IDEE 147. Deutschen Derby zu Gunsten der Hamburger Rennleitung aus.

Was war bisher geschehen? Die Hamburger Rennleitung in der Besetzung Frank Becker, Dietmar Plautz und Arnold Aufderheide, belegte im IDEE Deutschen Derby Dario Vargiu, den Reiter des erstplatzierten Pferdes Isfahan, wegen Verstoß gegen Nr. 594/10 der Rennordnung mit einer Geldbuße von 2.000 Euro und dem Verfall von 75 Prozent seiner Gewinnprozente (14.625 Euro). Ebenfalls wurde der Jockey Frederik Tylicki, der mit Savoir Vivre als zweites im Rennen um das Blaue Band einkam, wegen gleichen Rennordnungsverstoß mit einem viertägigen Reitverbot und dem Verfall von ebenfalls 75 Prozent der Gewinnprozente (4.875 Euro) geahndet. Konkret hatten beide Reiter die Peitsche häufiger als die erlaubten fünf Mal im Rennen eingesetzt.

Unmittelbar nach dem Derby trat zudem eine Expertenrunde zusammen und erwirkte eine strengere Regelung des Peitschengebrauches mit deutlich drastischeren Bestrafungen, die bereits ab dem 7. August 2016 in Kraft trat.

Horst Pudwill, der Besitzer des drittplatzierten Pferdes Dschingis Secret, legte gegen die Entscheidung der Rennleitung des Hamburger Renn-Clubs Protest ein. Ihm geht es in der Sache aber gar nicht um den nach Paragraph 594/10 der Rennordnung bereits geahndeten Peitschenmissbrauch an sich, sondern vielmehr um die vorsätzliche Missachtung dieser Regel, um sich einen Vorteil zu verschaffen. So äußert Pudwill über seinen Rechtbeistand Bernhard Matusche den Vorwurf unerlaubter Absprachen, bei denen Zusagen des Teams von Isfahan, konkret des Racing Managers Holger Faust, vor dem Derby an den italienischen Jockey, eventuelle Strafen übernehmen zu wollen, geäußert wurden. Der Derbysieg war mit 390.000 Euro dotiert, wovon der Jockey einen Gewinnanteil von fünf Prozent erhält.

Pudwill beantragte die Disqualifikation des Derbysiegers Isfahan und fechtet somit den Rennausgang im bedeutendsen, deutschen Zuchtrennen des Jahres an. Nachdem sein Antrag zunächst von der Rennleitung abgewiesen wurde, legte der in Hongkong lebende Pudwill Berufung beim Renngericht ein.

Im Zuge dessen erfolgte heute vor dem Renngericht in den Räumen des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. in Köln eine fünfeinhalb stündige Anhörung, bei der alle infrage kommenden Zeugen zur Beweisaufnahme befragt wurden. Zunächst zog man Herrn Dr. Heinz H. Faßbender zur Klärung der Auslegung der Rennordnung zu Rate, um für Kläger, Verteidigung und Renngericht die notwendige Basis der Gesprächs- und Verhandlunggrundlage zu schaffen. 

Im Folgenden wurden angehört: Holger Faust, aus dem Team des Erstplatzierten Isfahans, der dem Jockey Dario Vargiu die Order gegeben haben soll, die Peitsche unabhängig von den Regelungen in der Rennordnung so einzusetzen, dass das beste Ergebnis erzielt wird. Der Jockey Dario Vargiu selbst sowie die Zeugen Frank Becker als Sprecher der Hamburger Rennleitung, Trainer des Drittplatzierten Dschingis Secret Markus Klug, Besitzer Thomas Jordan (wurde telefonisch zugeschaltet) sowie Jockey und Trainer des Derbystarters Berghain Alexander Pietsch und Jens Hirschberger.

Während Holger Faust beteuerte niemals eine solche Aussage getroffen zu haben und auch gar nicht die Position habe, dem Jockey eine Order zu geben, versuchte die Anklage gegenteiliges zu beweisen. Gleich vier Zeugen waren geladen, um Herrn Faust gegensätzliches zu beweisen. So gab Markus Klug an, er habe erst zwei Tage später in Hannover mit Herrn Faust gesprochen. Dieser habe aber im Gespräch tatsächlich berichtet, dass es Absprachen vor dem IDEE Deutschen Derby gegeben habe. Die Zeugen Pietsch und Hirschberger konnten dies vor Gericht nicht bestätigen. Beide sei die dem Herrn Faust vorgeworfene Äußerung nur durch Hörensagen zu Ohren gekommen. Da das Gericht keinen Klatsch und Geschichten zum Bestand der Verhandlung machte, war die Beweisaufnahme dieser Zeugen schnell abgeschlossen. Ebenso zügig verlief die telefonische Verhörung des Zeugen Jordan. Er gab an ein Telefonat von Holger Faust mitgehört zu haben, in dem er ebenfalls von seinem Sieg und der vorher durch ihn getroffenen Absprache prahlte.

Die Rolle des Dreh- und Angelpunktes kam Herrn Vargiu zu. Herr Vargiu gab zum einen an, dass er nie eine solche Order von Herrn Faust bekommen habe, sie lediglich vor dem Rennen über vergangene Rennen von Isfahan sprachen und die Order alleine von Trainer Andreas Wöhler kam, zum anderen aber – und das sollte der schlussendliche Kernpunkt werden – dass er von der Hamburger Rennleitung explizit auf die in Deutschland geltenden Regel zum Peitschengebracuh in Form von wie oft und wie diese eingesetzt werden darf hingewiesen wurde, ihm aber die Reputation als Sieger aus dem Rennen hervor zu gehen so wichtig gewesen ist, dass er im Eifer des Gefechtes nicht auf das Zählen des Stockeinsatzes geachtet habe und somit zum erhöhten Peitschengebrauch griff. Entschuldigend brachte er an, dass in Mailand von vorneherein mehr Schläge erlaubt seien, er also an ein anderes Reiten gewöhnt sei. Außerdem akzeptiere er die für das Fehlverhalten verhängte Ahndung, die eine finanzielle Einbuße um die 20.000 Euro zu Folge hat. Als Motivation gab Vargiu zu Protokoll, er habe schon viel gewonnen, aber das war ein sehr wichtiges Rennen für ihn. Um in Japan reiten zu dürfen bedarf es eines gewissen Rankings für das auch internationale Gruppe I-Erfolge eine tragende Rolle spielen. Er hatte nur die Qualifikation für Japan vor Augen. Und „hätte ein Zauberer ihm in einer Glaskugel vorhergesagt, er würde das Rennen gewinnen, aber Geld verlieren“, hätte er wieder das Rennen gewonnen.

Diese Aussage spielte schlussendlich für die Begründung des Renngerichtes, die Anklage einer unzulässigen Abmachung abzuweisen, eine zentrale Rolle. Nachdem nämlich nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, ob Herr Holger Faust tatsächlich eine Äußerung getroffen habe, die besagt, dass die Peitsche so oft wie nötig eingesetzt werden solle und man sich über eine Strafe keine Gedanken machen müsse, ging aus keiner der Zeugenaussagen hervor, dass Herr Vargiu ein solches Angebot angenommen hat. Zu einer Absprache gehören aber zwei Parteien.

Dadurch, dass Herr Vargiu glaubhaft darstellte, dass er aus eigenem Interesse und mit eigener Zielsetzung gehandelt habe, wie er gehandelt hat und nicht hinreichend bewiesen werden kann, dass es zu einer unzulässigen Vereinbarung zwischen Herrn Vargiu und Herrn Faust gekommen ist, entschied das Renngericht einstimmig die Berufung abzuweisen.

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