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Kashmar mit einer Oster-Sensation

Wild Chief ist der „Berlin-Boss“

Berlin-Hoppegarten 16. April 2017

Was für ein toller Oster-Sonntag in Berlin-Hoppegarten. Trotz regnerischer Witterung bekamen die Besucher auf der Hauptstadt-Rennbahn Top-Sport geboten mit insgesamt sieben Gruppe-Siegern in zwei Listenrennen! Und im Preis von Dahlwitz (Listenrennen, 27.000 Euro, 2.000 m) trumpfte mit Wild Chief (im Besitz des Stalles Fürstenhof der Hotelier-Familie Häcker aus dem Kurort Bad Bertrich) ein solcher Crack auf, der sich gerade 2016 oft in ausgesprochen anspruchsvollen Prüfungen in Frankreich versucht und dabei teilweise stark aus der Affäre gezogen hatte.

Zurück auf etwas einfacherer Ebene entwickelte der von Jens Hirschberger in Mülheim trainierte Sechsjährige zur Quote von 73:10 mit Jockey Alexander Pietsch nach einem optimalen Rennverlauf aus dem Vordertreffen mächtigen Speed und stand schon kurz vor der Ziellinie als Sieger fest.
Einmal mehr hatte lange alles für sich hatte der Röttgener El Loco, auf dem Rene Piechulek anstelle von Adrie de Vries den Ritt ausgeführt hatte („Ich habe eine Grippe und hoffe, dass ich am Montag wieder fit bin“, teilte der Holländer auf Nachfrage von German Racing mit). Von der Spitze aus verkaufte er sich bravourös und ging wirklich über weite Strecken wie der Sieger.

Das Rennen seines Lebens lief als Dritter der Riesenaußenseiter Apoleon. Deutschlands bester Halbblüter rollte am Ende regelrecht heran und noch an dem polnischen Seriensieger Va Bank vorbei, der als Favorit über einen kurzen Moment noch nicht hinauskam und als Vierter nur einen Platz vor dem von weit hinten nie so richtig zwingend wirkenden Co-Favoriten Wai Key Star landete. Der Ex-Derby-Favorit Boscaccio legte aus bester Lage nicht zu und enttäuschte als Siebter.

Mit den nun verdienten 16.000 Euro steht Wild Chief nach seinem dritten Sieg beim 18. Start nun bei einer Gewinnsumme von 298.410 Euro. Jockey Alexander Pietsch in einem ersten Statement: „Man darf nicht vergessen, dass Wild Chief im letzten Jahr nur in ganz großen Nummern gelaufen ist. Nun sind wir drei Ebenen tiefer gegangen. Der Hengst hatte einige kleine gesundheitliche Wehwehchen, die nun auskuriert sind. Mit Erfolg, wie man heute gesehen hat. Er fühlt sich sehr wohl.“

Rennen auf Extremdistanzen haben manchmal ihre eigenen Gesetze, wie im neugeschaffenen Altano-Rennen (Listenrennen, 27.000 Euro, 2.800 m), einem wichtigen Vorbereitungsrennen für das Oleander-Rennen in Hoppegarten. Die im Winter zweimal auf der Sandbahn erfolgreiche Samum-Tochter Kashmar hatte zuletzt in Mannheim einen vierten Platz in einem Handicap erreicht und stand nach Ausrechnung meilenweit unter den Favoriten. Aber die von Werner Glanz aus München nach Berlin geschickte Vierjährige stellte alle Prognosen auf den Kopf und gewann mit großem Endspurt als 195:10-Außenseiterin mit dem zum dritten Mal an diesem Tag erfolgreichen Kasachen Bauyrzhan Murzabayev für Besitzer Stefan Oschmann (Darius Racing) knapp. Der Eigner des 2016er-Derby-Siegers Isfahan scheint nach Vorjahressieger Wasir damit ein weiteres Ass für Deutschlands Top-Maraton am 14. Mai hier zu haben.

Kurz schien alles auf einen Erfolg des polnischen Favoriten Caccini hinauszulaufen, hinter dem der gesteigerte Seismos Dritter wurde und damit vor dem noch schnell werdenden Iraklion blieb. Seismos stammt wie die Siegerin Kashmar aus der Zucht des Gestüts Karlshof. Die anderen Pferde hatten bald ausgespielt.

Pferde haben auch einen Biorhythmus, das bewies sich wieder einmal im einleitenden 1.600 Meilen-Ausgleich III. Denn vor einem Jahr hatte Stall Dagoberts Miss England in Hoppegarten gleich beim ersten Saisonstart als Zweite in einer Dreijährigen-Prüfung einen starken Eindruck hinterlassen. Und nun präsentierte sich die eigens aus München angereiste Stute aus dem Stall von Michael Figge, der vor Ort weilte, gleich in Sieglaune gegen die Favoritin Franamanagh und Connected. Jockey Maxim Pecheur war erfolgreich eingesprungen für seinen Kollegen Adrie de Vries.

Was in Frankreich gängige Praxis ist, wurde nun auch in Hoppegarten praktiziert: Es gab eine Prüfung ausschließlich für dreijährige Pferde, die noch nicht gelaufen waren. Auf der 1.800 Meter-Strecke ging der Sieg an einen Lokalmatadoren, denn die vom Gestüt Fährhof gezogene Campanologist-Tochter Molly Moon wird von Roland Dzubasz in Hoppegarten für den Stall Ratisbona betreut. Unter Bauyrzhan Murzabayev hielt die 69:10-Chance Start-Ziel einen sicheren Vorsprung auf den Münchener Gast Dawn Ruler und The Unforgettable fest. Ihren Kaufpreis von 15.000 Euro bei der BBAG-Auktion scheint die Stute mehr als wert zu sein. Und in verschiedenen Auktionsrennen könnte sie noch so manchen Zahltag machen.

Das Team Murzabayez/Dzubasz trumpfte auch in der anderen Konkurrenz für die Dreijährigen auf: Gondora (37:10), eine Tochter des Top-Deckhengstes Soldier Hollow und aus einer sehr prominenten Familie des ostwestfälischen Gestüt Auenquelle, stand ihr hohes Tempo bestens durch und empfahl sich für das Diana-Trial im Juni auf dieser Bahn, vor Navaro Girl, einer Halbschwester von Derbysieger Nutan und der im Großen Preis von Berlin erfolgreichen Nymphea, und vor Nacida. Siegtrainer Roland Dzubasz meinte: „Gondora ist die Nummer eins bei den dreijährigen Stuten. Ich hoffe, dass wir mit ihr das Diana-Trial gewinnen können.“

Wie schon bei dem Gruppesieger Wonnemond in der Vorwoche in Düsseldorf, so war die Kastration auch bei Villardo der Schlüssel zum Erfolg. Der von Andreas Wöhler in Spexard trainierte Dreijährige verabschiedete sich in einem Ausgleich III über 2.000 Meter mit Eduardo Pedroza souverän von der Konkurrenz. Damit machte sich das Wöhler-Team selbst das schönste Ostergeschenk, läuft Villardo doch in den Farben des eigenen Rennstalles. Hinter dem 32:10-Favoriten machten Marcello, La Isla Bonita und Divantia die Viererwette perfekt, die 25.001:10 Euro bezahlte.

Andreas Wöhler und sein Stalljockey Eduardo Pedroza ließen sich auch den mit 12.000 Euro dotierten Ausgleich II nicht entgehen, denn Stall Turffighters Cashman geriet als 29:10-Favorit nach frühem Vorstoß bald nicht mehr in Gefahr. Loulou’s Jackpot kam als Zweiter allein noch in seine Nähe, während Interior Minister und der Pole Newerly die Viererwette komplettierten – Quote: 28.572:10 Euro.

Randvoll besetzt war mit 18 Kandidaten das abschließende 1.800 Meter-Handicap, in dem Frank Fuhrmann Danse Rouge (72:10, E. Yavuz) gegen Royal Rubin und Gregorious sicher die Oberhand behielt. Auch für Familien hatte die Rennbahn ein großes Rahmenprogramm, u.a. mit einer tollen Ostereier-Suche auf Berlins größten Strohhaufen.

Ammerländerin Gruppe-Dritte in Chantilly

Eine sehr ansprechende Vorstellung gab die im Besitz des Gestüts Ammerland stehende Lady Frankel (Pierre-Charles Boudot), eine Tochter des Ausnahmehengstes Frankel, im Prix de la Grotte (Gruppe III, 80.000 Euro, 1.600 m) am Sonntag in Chantilly. Vom letzten Platz kam die von Star-Trainer Andre Fabre aufgebotene Dreijährige auf Rang drei hinter der favorisierten Niarchos-Stute Senga (Stephane Pasquier/Pascal Bary) und der Außenseiterin La Sardane.

Recke/Daroszewski-Doppel in Sonsbeck

Bei der jährlichen Rennveranstaltung in Sonsbeck am Niederrhein feierte das Team Sonja Daroszewski (Reiterin) und Christian von der Recke (Trainer mit Storm Of Swords und Tara Mara gleich zwei Treffer.
 

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