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Wöhler-Hengst im Mehl-Mülhens-Rennen hauchdünn voraus

Atemberaubender Speed von Poetic Dream im Köln-Klassiker

Köln 21. Mai 2017

Der erste Klassiker der deutschen Galopper-Saison 2017 am Sonntag auf der Galopprennbahn in Köln wurde zu einem atemberaubenden Thriller: Poetic Dream, im Besitz des in Dubai ansässigen Großeigners Jaber Abdullah, gewann nach einem grandiosen Endkampf von Jockey Eduardo Pedroza mit gewaltigem Speed das 32. Mehl-Mülhens-Rennen (Gruppe II, 153.000 Euro, 1.600 m) für den von einem Triumph zum anderen eilenden Top-Trainer Andreas Wöhler (Spexard bei Gütersloh).


Poetic Dream, ein dreijähriger Hengst aus irischer Zucht, trat in einem Finale, das die vielen Besucher in der Domstadt fast genauso sehr begeistert haben dürfte wie die Fußball-Fans am Vortag die Europa League-Qualifikation des 1.FC Köln, erst auf den allerletzten Metern entscheidend auf den Plan.

Der englische Favorit Lockheed (Patrick Cosgrave) hatte stets die Spitze gehabt vor Empire of The Star (Maxime Guyon), während der spätere Sieger an sechster Position des Neunerfeldes auszumachen war. Die beiden vorderen Pferde lieferten sich auf der Zielgeraden lange einen spannenden Kampf. Es schien so, als könnte Lockheed Empire of the Star in Schach halten und nach 2016 erneut für den Erfolg eines Gastpferdes sorgen zu können, aber das war eine Rechnung ohne die Reserven von Poetic Dream, der an der Innenseite aus fast schon unmöglicher Position so beschleunigte wie ein absolutes Klassepferd.

Immer näher kam der Poet’s Voice-Sohn, der zuvor bei zwei Starts ein Rennen in Düsseldorf gewonnen und in Frankreich eine Platzierung erreicht hatte, und nach einem sensationellen Timing von Eduardo Pedroza mit einem Hals-Vorsprung noch zum klassischen Sieg, der mit 100.000 Euro Preisgeld honoriert war.

Während Pedroza zu seinem ersten Sieg im Mehl-Mülhens-Rennen kam, war es für Trainer Andreas Wöhler schon der vierte Erfolg nach Royal Abjar 1994 (für Jaber Abdullah), Manzoni 1995 und Karpino 2015. Auf den weiteren Werdegang von Poetic Dream darf man mehr als gespannt sein.

Lockheed hatte überall gewonnen, nur nicht im Ziel, lief aber dennoch das erwartet starke Rennen, was auch für Empire of the Star gilt, der als hauchdünn zurück folgender Dritter das tolle Ergebnis von Andreas Wöhler so richtig rund machte.

Wöhler in einem ersten Statement: „Eingangs der Zielgeraden hatte ich gedacht, dass Empire of the Star gewinnen würde. Eddie hatte mit Poetic Dream eine ungünstige Position, da hat sich bei mir der Focus nach vorne verlagert. Ich sah dann, dass der Engländer vorne weiterzog. Aber auf den letzten 200 Metern merkte ich, dass Poetic Dream auf freier Bahn auf dem Vormarsch war. Gott sei Dank hat es noch gereicht, aber auch Empire of the Star hat bis ins Ziel nie aufgegeben. Poetic Dream kann von seiner Art und Weise auch Distanzen bis 1.800 oder 2.000 Meter bewältigen. Für ihn kommen auch in Deutschland Top-Rennen in München und Hoppegarten in Frage. Bei Empire of the Star ist dagegen die Meile das Maximum.“

Der Mitfavorit Dragon Lips war immer vorne dabei, hatte allerdings nicht immer Freiraum und nie eine bessere Chance als Platz vier vor dem als Fünfter noch Boden gutmachenden Savile Row, den nie prominenten Fulminato und Shinzaro, dem aus bester Lage nicht weiterkommenden Dia Del Sol und Rostam.

Ende 2015 war der im Besitz des Gestüts Ammerland stehende Burma King (20:10) sogar in einem Gruppe-Rennen gelaufen. Nach einem Aufbaustart in Krefeld eröffnete der von Peter Schiergen vor Ort trainierte Hengst unter Andrasch Starke den Renntag in einer 1.850 Meter-Prüfung standesgemäß mit einem leichten Sieg über Diamond Daisy und Shark Attack und sollte bald wieder in besserer Gesellschaft mitmischen können.

Im Interview vor dem Renntag hatte sich Champion Filip Minarik noch eher skeptisch zu den Chancen von Wind Chill in einem 1.850 Meter-Ausgleich III geäußert, doch nach einem starken Endspurt landete er mit dem von Yasmin Almenräder aus Mülheim aufgebotenen Hengst zur Quote von 66:10 einen knappen Treffer und verhinderte damit den dritten Sieg in Folge von Camberwell. Der wegen seines ungewöhnlichen Aussehens so populäre „schnellste Schecke der Welt Silvery Moon kam ebenfalls noch prächtig auf und bestätigte als Dritter seinen kürzlichen Erfolg.

„Adler können fliegen“, so lautet ein Werbeslogan für den Deckhengst Adlerflug, und tatsächlich schienen seinem Sohn Adler (M. Seidl) in einer 2.400 Meter-Prüfung für Dreijährige Flügel zu wachsen. Denn solche Reserven wie der 37:10-Mitfavorit aus dem Champion-Stall von Markus Klug war kein Gegner, auch nicht der vorne lange dagegenhaltende Royal Music und der immer prominente Dante Veloz. Nun könnte er diverse Auktionsrennen als nächstes ansteuern. Trainer Markus Klug stand auch später wieder auf dem Treppchen, als ihn die größte hiesige Besitzergemeinschaft (über 200 Personen), der Galopp Club Deutschland, als Turfpersönlichkeit des Jahres 2016 kürte.

Immer wieder für eine Überraschung gut ist Trainerin Ana Bodenhagen, wie sich in der Wettchance des Tages (Ausgleich IV, 2.200 m), ausgestattet mit einem Jackpot von über 7.000 Euro in der Viererwette, herausstellen sollte. Denn Art Charter sorgte mit Alexander Pietsch schon für den siebten Saisonsieg seiner Betreuerin. Allerdings rettete sich die 112:10-Außenseiterin gerade noch gegen die heranfliegende Dakota Sun und Faytosa über die Ziellinie.

Eine mehr als lobenswerte Initiative ist der Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung. Im ersten Wertungslauf (Ausgleich III, 1.400 m) bewies die 17-jährige Warendorferin Lilli-Marie Engels ihr Können, denn dem von Karl Demme aufgebotenen Handicap-Neuling Irish Dickens (122:10) bewahrte sie einen Mini-Vorteil auf den Vorjahressieger Dragoslav sowie den Drittplatzierten Charles Darwin.

Lange stand eine 2.200 Meter-Prüfung im Zeichen des letztjährigen Union-Siegers und Derby-Favoriten Boscaccio, der unterwegs mit mehr als zehn Längen Vorsprung richtig Tempo machte. Doch trotz aller Gegenwehr musste er sich am Ende noch gegen den Görlsdorfer Space Cowboy (91:10, M. Seidl) geschlagen geben. Der vor zwei Jahren als Derby-Hoffnung gehandelte Adlerflug-Sohn (zweiter Treffer für den Deckhengst an diesem Tag) meldete sich aus einer einjährigen Pause in Top-Verfassung zurück und bescherte dem Team Martin Seidl/Markus Klug den zweiten Erfolg an diesem Tag sowie Besitzerin Heike Bischoff-Lafrentz ein Geburtstagsgeschenk. Nach dem so gelungenen ersten Start als Wallach darf man ihm für die Zukunft noch eine Menge zutrauen. Notre Same wurde Dritter vor dem unter den Erwartungen gebliebenen Karajol.

Seine große Form krönte der holländische Gast Meerwind (29:10) aus dem Quartier von Lucien can der Meulen unter Robin Weber in einem 1.850 Meter-Ausgleich IV bei einem sicheren Sieg gegen Lady Mac Ben und Noble Fighter.

Kein Renntag ohne einen Sieg des Bahrain-Jockeys Ali Alshowaikh. Diesmal gelang ihm zum Abschluss in eine, 1.400 Meter-Ausgleich IV einen ganz knapper Erfolg mit Hurricane Harry (33:10) vor Atlas Royal und Goldie Doll, womit der Wallach aus dem Stall von Selina Ehl sein drittes Rennen in Folge gewann.

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