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Zum Tode von Ex-Jockey Joan Pall

Meister der Wartetaktik, der genau wusste, wo der Zielpfosten stand

Gladbeck 28. Juli 2018

Es war nach seiner aktiven Zeit still geworden um ihn, sehr still sogar. Und insbesondere zahlreiche ältere Galopp-Interessierte fragten sich hin und wieder: Was ist denn eigentlich aus Joan Pall geworden? Jenem Jockey, der einige Jahrzehnte lang den bundesdeutschen Turf entscheidend mitgeprägt hat und dabei seinen Namen in etlichen Siegerlisten großer und größter Rennen verewigen konnte. Aus dem nordrhein-westfälischen Gladbeck kommt nun die traurige Nachricht, dass Joan Pall im Alter von 88 Jahren am 26. Juli gestorben ist.

Aus Rumänien war er bereits in den Fünfzigern nach Deutschland gekommen und hatte relativ schnell Fuß fassen können in einer Jockey-Elite, in der vor allem Hein Bollow, Gerhard Streit, Micky Starosta, Walter Held, Ossi Langner, Alfred Lommatzsch sowie Fritz Drechlser und noch manch anderer populäre Reiter die tonangebenden Koryphäen waren.

Joan Pall fiel insbesondere auf durch einen vergleichsweise unkonventionellen Sitz. Doch nicht nur sein Reitstil hob sich etwas ab, vielmehr war er dazu ein begnadeter Taktik-Fuchs. Ein Jockey nämlich, der es verstand „zu warten“. Der auf jeder Bahn ganz genau wusste, wo der Zielpfosten stand. Unzählige Rennen hat er schließlich – vor letzten Platz aus kommend – hauchdünn und oft erst nach Zielfotoentscheid gewonnen.

Vor allem sein Ritt auf Margit Gräfin Batthyanys Hengst Marduk im Deutschen Derby 1974, den Hein Bollow als Trainer gesattelt hatte, gilt als eines der typischen Beispiele für einen Triumph der Marke Pall. Zum Leidwesen des Anhangs vom mitfavorisierten Röttgener Lord Udo, der damals schon überall das bessere Ende für sich zu haben schien und dennoch knapp unterlag. Ein Schuss, ein Knall – von hinten kam der Pall. So lautete jedenfalls ein gängiger Spruch, der nach solchen Anlässen unter den Rennbahnbesuchern stets aufs Neue kursierte.

Das Deutsche Derby hatte Joan Pall übrigens zehn Jahre zuvor bereits mit Walter Vischers dreijährigem Zank gewonnen, nachdem er sich mit dem Frankfurter Hengst aus dem Quartier von Trainer Andreas Hecker bei dessen vorausgegangenem Start in Wien überdies schon das Österreichische Derby geholt hatte.

Was Joan Pall, der ein sehr stiller und in sich gekehrter Mann war, außerdem ein wenig von den Kollegen unterschied, war die Tatsache, dass er selten an große Ställe gebunden und über Jahre hinweg der klassische „Freelancer“ im System war. Wurde für ein Klassepferd ohne festen Jockey ein adäquater Reiter gesucht, fiel die Wahl zu mehr als 90 Prozent immer wieder auf ihn.

Nichtsdestotrotz feierte Joan Pall eine beachtliche Anzahl Erfolge auch in festen Engagements, wie beispielsweise am Kölner Stall Asterblüte von Trainer Heinz Jentzsch. Hier bewies der Verstorbene nachdrücklich, dass er genauso die Kunst beherrschte, Rennen von der Spitze aus zu gewinnen. Denn mit dem langen Warten hatte es der Vielfach-Champion nie so sehr. Seine Schützlinge gingen in der Regel vorne und machten sich ihr Rennen selbst. Auch unter Joan Pall, dem Jockey, der dann ebenfalls stets ganz genau wusste, wo der Zielpfosten stand.

 

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