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Die Weltmeisterin Rebecca Danz im Interview

"Geld ist nicht alles im Leben"

18. Dezember 2018

Rebecca Danz gewann am 12. November die HH Sheikha Fatima bint Mubarak Ladies World Championship in Abu Dhabi und erzielte damit den größten Erfolg ihrer Karriere. Die 29-Jährige begann ihre Ausbildung zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Rennreiten 2006 bei Trainer Peter Rau in Warendorf. Nach Zwischenstationen bei verschiedenen Trainern und einem längeren Auslandsaufenthalt ist sie nun bei Trainer Jens Hirschberger und dem Gestüt Auenquelle als Jockey tätig. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.


German Racing: Glückwunsch zum Sieg in der HH Sheikha Fatima Bint Mubarak Ladies World Championship! Wie fühlt man sich nach so einem Erfolg?

Rebecca Danz: Dankeschön und einfach klasse. So richtig realisiert habe ich das aber erst auf dem Heimflug, dass ich den Titel wirklich geholt habe. Da gehen einem viele Sachen durch den Kopf. Die Jahre im Sport als Frau, es hat jede Mühe gelohnt.

German Racing: Sie haben bereits im Vorlauf der HH Sheika Fatima Bint Mubarak Ladies World Championship mit Dynamites in St. Moritz gewonnen. Haben Sie da schon angefangen vom Sieg in der Gesamtwertung zu träumen?

Rebecca Danz: Ich hatte zwar den Traum und das Ziel, diesen Titel mal zu holen. Seit fünf Jahren reite ich in dieser WM-Serie mit, aber mehr als zweite und dritte Plätze sind nicht herausgesprungen. Deswegen habe ich mir gar keinen Kopf darum gemacht. Es muss dann ja alles passen, wie zugeloste Pferde, Form usw. Deshalb war es erstmal klasse, sich für den Endlauf qualifiziert zu haben.

German Racing: Sie haben schon einige Erfolge im Rennsattel feiern dürfen. War dieser Sieg der schönste für Sie?

Rebecca Danz: Ein ganz klares Ja. Wie der Rennsport dort zelebriert wird, das ist etwas Besonderes. Die haben mich bereits vor dem Rennen nach dem Sieg von Esther mit Sprechchören angefeuert und nach dem Rennen nahm das gar kein Ende. Hochemotional.

German Racing: Mit wie viel Jahren stand für Sie fest, dass Sie professionelle Rennreiterin werden wollen?

Rebecca Danz: Relativ früh. Ich hatte ja von Kindesbeinen an mit Pferden zu tun und als ich das erste Mal auf einer Rennbahn war, wusste ich was ich werden möchte. Ich war klein und leicht, hatte also gute Voraussetzungen. Nach der mittleren Reife habe ich genau eine Bewerbung geschrieben und Peter Rau hatte dann das Vergnügen, eine kleine Zicke zur Rennreiterin zu formen. Und der saß mir schon so einige Male im Nacken. Da bin ich aber heute froh darum, bei einem Trainer der alten Schule meinen Beruf gelernt zu haben, denn das hat mich weitergebracht. Dann war da noch Andreas Löwe, der mich stark geprägt hat. Haben meine beiden Lehrmeister dann wohl nicht so schlecht hinbekommen!

German Racing: Was ist ihr nächstes Ziel?

Rebecca Danz: Die 100 Siege voll zu machen, am besten schon 2019. Wird ein Stück Arbeit, da ich nie an einem Stall war, wo ich viele Ritte bekommen habe. Durchbeißen war bei mir immer angesagt. Und dann büffele ich derzeit für meinen Trainerschein. Die ersten Prüfungen sind bereits geschrieben und im Herbst 2019 sollte ich den dann in der Tasche haben.

German Racing: Sie sind schon viel in der Welt herum gekommen: Haben Sie eine Lieblingsbahn?

Rebecca Danz: Von den Erfolgen her Dresden. Dort habe ich die meisten meiner Rennen gewonnen. Von der Atmosphäre her finde ich in Deutschland Köln klasse. Im Ausland war dann Abu Dhabi und in der Türkei Istanbul schon etwas Einzigartiges.

German Racing: Haben Sie ein Vorbild im Rennsport?

Rebecca Danz: Früher habe ich mich an den üblichen Verdächtigen orientiert. Bei den Männern ist Andrasch das Non plus ultra bei uns, viele Tipps habe ich von meinem Trauzeugen Alex Pietsch bekommen. Bei den Damen war es immer Hana Mouchova, zu der ich früher aufgeschaut habe, bevor ich überhaupt das erste Rennen geritten hatte. Heute reiten wir zusammen und sind befreundet. Was die Zeit so alles bringt, wenn man mal Rückblick hält. Und eine andere Amazone, die wird das vielleicht überraschen, war Kirsten Schmitt. Harte Konkurrentin von mir auf den kleinen Bahnen im Südwesten, aber was Kirsten als Frau und zudem als Amateurin in unserem Sport geleistet hat, davor ziehe ich den Hut. Früher war ich oft richtig verärgert, weil sie wieder vor mir war. Heute sehe ich das relaxter. Kirsten war schon eine Hausnummer bei den Amazonen und hätte es als Profi weit geschafft. Also Hana und Kirsten bei den Amazonen, Andrasch, Alex, Eddie und nicht zu vergessen der liebe Andre Best, der für mich unterschätzt wird, bei den männlichen Kollegen.

German Racing: Sie hatten schon einige schwere Verletzungen in Ihrer Karriere. Was gibt Ihnen die Kraft nicht aufzugeben und immer weiter zu machen?

Rebecca Danz: Oh ja, da kam einiges zusammen. Aber ich konnte nie lange still sitzen, musste raus. Ich weiß noch, wie Trainer Recke mal geschaut hat, als ich 4 Tage nach einer Knieoperation im Krankenstand im Stall stand und mit Kniegestell und Krücken ein Pferd geputzt habe. Der dachte wohl, die ist wahnsinnig. Aufhören kam für mich nie in Frage. Man kann hinfallen, dann gehört auch das Aufstehen dazu. Ich hatte zum Glück nie Angst, dass es wieder passieren kann. Es passiert oder halt nicht. Ich habe immer nur direkt nach vorne geschaut und bin so schnell wie möglich wieder in den Sattel. Das ist mein Leben.

German Racing: Sie haben eine Zeit bei Trainer Mohannad Al Yaqout & Al Jeryan Stud in Qatar gearbeitet. Wie kam es dazu und streben Sie an, noch einmal für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen?

Rebecca Danz: Ich hatte in Baden-Baden in einem Araberrennen den Ritt auf einer Debütantin, die nur lernen sollte. Das haben wir dann gegen die gemeinten Pferde gewonnen. Dann kam das Angebot von den Besitzern, nach Qatar zu kommen und für sie in der Saison zu reiten. Also habe ich das nach Rücksprache mit meinem damaligen Trainer Andreas Löwe gemacht, denn das bringt einen weiter. Ich hätte auch dort bleiben können, die wollten mich alle behalten, aber mich hat damals nach einer langen Saison in der Wüste schon so das Heimweh geplagt. Wegen des Geldes hätte ich dort bleiben müssen, gar keine Frage, aber Geld ist nicht alles im Leben. Ein Angebot fürs Ausland gab es bereits für dieses Jahr. Das habe ich aber abgelehnt, wegen der Trainerlehrgänge, die ich zur Zeit besuche. Aber sie haben ja Ersatz gefunden. Es gibt auch ein Angebot für die Zeit nach meiner Karriere; mal schauen, was daraus wird. Festlegen kann man sich in unserem Sport sowieso nicht.

German Racing: Was fasziniert Sie am Galopprennsport?

Rebecca Danz: Die tägliche Arbeit mit den Pferden, die Menschen im und um den Sport. Highlights sind natürlich die Rennen. Diese sind für uns Reiter das Salz in der Suppe.

German Racing: Was würden Sie Jugendlichen raten, die den Wunsch haben, Rennreiterin zu werden?

Rebecca Danz: Heutzutage? Als Frau und Profi? Man muss es lieben, viel Hartnäckigkeit mitbringen, einen langen Atem haben, maximal 50 kg wiegen und einen Partner haben, der dahinter steht. Wer eines davon als Frau nicht mitbringt, sollte es sein lassen. Denn als Frau ist es ein steiniger und harter Weg als Profi in unserem Sport. War es zumindest für mich. Aber, das kann ich auch sagen: Viele schöne Momente haben alles bis heute gerechtfertigt.

German Racing: Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Karriere als Rennreiterin?

Rebecca Danz: Ja die gibt es, dafür büffele ich ja für den Trainerschein. Das heißt aber nicht unbedingt, dass ich irgendwann Trainerin werde. Assistenztrainerin, auch das würde mich reizen. Aber nach der Karriere werde ich erstmal noch über den Tellerrand schauen und auch mal in England und Frankreich für je ein halbes Jahr bei Trainern hospitieren. Dann mal sehen, was genau die Zukunft bringt, gerade für unseren deutschen Galopprennsport.


Vielen Dank und weiterhin noch viel Erfolg!
 

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