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Die "Königin des Engadins"

Interview mit Valeria Holinger

21. Februar 2019

Valeria Holinger nimmt seit drei Jahren mit der Stute Usbekia aus dem Asterblüte-Quartier von Peter Schiergen an Skikjöring-Rennen in St. Moritz teil. 2017 und 2018 ergatterten sie zusammen sogar den begehrten Titel der Königin des Engadins, das bedeutet den Sieg in der Gesamtwertung von drei auf einander folgenden Rennen.

German Racing: Sie waren an den drei letzten Wochenenden wieder mit Usbekia beim Skikjöring in St. Moritz dabei, wie kamen Sie zum Skikjöring?

Valeria Holinger: Mein Vater ist früher auch Skikjöring gefahren. Man sagt ja auch: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ich habe ihn als kleines Mädchen immer bewundert und wollte dies auch unbedingt machen. Da man aber erst mit 18 Jahren Skikjöring fahren darf, musste ich noch etwas warten. Ich bin bereits mit 2 Jahren auf den Ski gestanden und professionelle Skirennen gefahren, dadurch wurde mir das Skikjöring praktisch in die Wiege gelegt. Reiten habe ich mit 7 Jahren gelernt und seit meinem 14. Lebensjahr sitze ich im Sattel von Rennpferden. Die Kombination aus Skifahren und Reiten ergibt dann das Skikjöring.

Fahren Sie auch privat professionell Ski? Für solch ein Rennen benötigt man sicherlich sehr viel Erfahrung auf den Skiern.

Valeria Holinger: Das Skifahren ist die Hauptvoraussetzung. Man muss sehr gut Skifahren können. Ich selbst bin früher internationale Skirennen gefahren, musste aber aus Verletzungsgründen aufhören. Heute fahre ich selbst noch sehr viel Ski zum Spaß, man verlernt es ja nicht.

Wie bereiten Sie sich auf die Skikjöring-Rennen in St. Moritz vor?

Valeria Holinger: Ich halte mich das ganze Jahr über körperlich fit. Das heißt, ich gehe 2 Mal die Woche ins Fitness-Studio und mache Kraft- und Ausdauertraining. Zusätzlich versuche ich so oft wie möglich reiten zu gehen, ob dies bei Peter Schiergen in Köln ist oder in der Schweiz bei Karin Suter in Dielsdorf. Durch das Reiten behalte ich den Kontakt zu Pferden und während des Sommers vergisst mich Usbekia nicht.
Kurz vor den Skikjöring-Rennen spannen wir dann Usbekia jeweils in Köln einmal ein, das heißt, wir machen das Tuch und die Leinen dran und gehen mit ihr damit spazieren. Sie liebt es und man kann mit ihr ohne Führer über das ganze Gelände laufen, so wird sie jeweils daran erinnert, dass es bald wieder losgeht.

Tragen Sie während der Rennen eine bestimmte Schutzkleidung?

Valeria Holinger: Helm und Rückenprotektor sind obligatorisch. Ich selbst trage sogar einen Integralhelm, damit mein Gesicht vom Kickback geschützt ist. Zusätzlich dazu trage ich eine „Footballpant“, die die Oberschenkel vor blauen Flecken schützt und Knieschoner.

Haben Sie während eines Rennens schon einmal eine brenzlige Situation erlebt?

Valeria Holinger: Brenzlige Situationen kommen oft vor, vor allem wenn ein anderes Pferd von hinten auf mich aufläuft. Dann besteht das Risiko, dass es auf meine Skier tritt und ich stürze. Aber zum Glück ist mir dies noch nie passiert. Am Start hingegen kann es immer wieder zu Konflikten kommen, wenn der eine oder andere schief aus der Startboxe springt. Da ist mir schon mal einer vor die Beine gesprungen und ich bin dann leider gestürzt.

Sie haben bereits 2017 und 2018 mit Usbekia sehr erfolgreich beim Skikjöring teilgenommen. Haben Sie mittlerweile eine besondere Beziehung zu ihr?

Valeria Holinger: Mit Usbekia habe ich mein allererstes Skikjöring-Rennen gewonnen und wurde mit ihr auch gleich zwei Mal hintereinander Königin des Engadins. Dies wird man, wenn man die Gesamtwertung über alle drei Renntage gewinnt. Somit bedeutet mir Usbekia sehr viel. Sie ist für mich nicht nur ein Rennpferd, sondern gehört zur Familie. Die Besitzergemeinschaft, die sie damals für mich fürs Skikjöring gekauft hat, hatte davor nie etwas mit Rennpferden zu tun. Nun haben sie auf Anhieb Glück gehabt und so viel Freude an ihr. Sie läuft ja nicht nur schnell im Skikjöring, sondern bereitet uns auch viel Spaß im Sommer.

Gibt es noch weitere Skikjöring-Wettbewerbe und wo sind die?

Valeria Holinger: Skikjöring gibt es so nur in St. Moritz. Es gibt viele andere Skijörings, die aber beritten sind. Der Unterschied macht das „K“ im Namen. Skikjöring mit K ist ohne Reiter und Skijöring ohne K ist mit Reiter.
Unser Skikjöring ist auch besonders, weil dafür offizielle Vollblutrennpferde verwendet werden.

Eignet sich jedes Pferd für diese Art von Rennen? Warum wurde Usbekia für diese Wettbewerbe ausgesucht?

Valeria Holinger: Die Skikjöring-Distanz beträgt 2700m, somit ist ein Pferd, das längere Rennen bestreitet, bevorzugt. Außerdem ist es ganz klar ein Pluspunkt, wenn das Pferd gut auf dem Schnee laufen kann. Das sieht man allerdings erst, wenn es das erste Mal gelaufen ist.
Usbekia ist eine Vollblutstute, die es liebt zu rennen. Je weiter die Distanz, desto besser. Zudem benötigt sie keine Top-Jockeys, die sie zu Bestleistungen treiben. Sie ist das Ausbildungspferd im Stall Asterblüte und hat mit den Auszubildenden die meisten Siege errungen. Je weniger man oben macht, desto mehr Spaß hat sie. Dies sind genau die Voraussetzungen, die ein Skikjöring-Pferd benötigt. Und dass sie gut ist im Skikjöring, hat sie ja bewiesen.

Ihr Freund Dennis Schiergen reitet sehr erfolgreich Rennen. Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, Rennen zu reiten?

Valeria Holinger: Ja, klar denkt man darüber nach, Rennen auch als Jockey oder zumindest als Amateur zu bestreiten. Aber für mich war das Reiten auf Rennpferden schon immer nur ein Hobby. Ich arbeite bei der Skifirma HEAD als Marketing-Assistentin und Racing Manager und bin somit sehr viel unterwegs. Da hat das Rennreiten auch gar keinen Platz mehr. Damit man dies erfolgreich verfolgen könnte, müsste ich viel häufiger im Training mitreiten. Und wie gesagt, habe ich einen Freund, der dies professionell und erfolgreich macht. Dennis reitet Rennen und ich fahre Skikjöring.

Was fasziniert Sie am Galopprennsport?

Valeria Holinger: Tempo, Mut und das Adrenalin. Ob ich jetzt selbst im Skikjöring fahre oder bei Dennis Rennen zuschaue - es kommen immer diese drei Komponenten vor. Und natürlich darf man das Vollblut an sich nicht vergessen, welches für mich der perfekte Sportler ist.

Vielen Dank für das Interview und jetzt schon mal Hals und Bein für die Skikjöring-Rennen in 2020!

Das Interview führte Mira Bühlbäcker 

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