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„Wir wollen zufriedene Kunden, die Spaß am Wetten haben“

Hans-Ludolf Matthiessen über den „Dreheffekt“ am deutschen Totalisator

Deutschlandweit 21. März 2019

Wie wirken sich die reduzierten Toto-Abzüge in der Sieg- und Platzwette bei deutschen Galopprennen und die dadurch attraktiveren Wettquoten auf das Wettverhalten in Deutschland aus? Im Interview berichtet Hans-Ludolf Matthiessen, Vorstandsmitglied des Hamburger Renn - Clubs e.V., für Wettstar über die erfreuliche Tendenz beim Umsatz durch den sogenannten „Dreheffekt“: Mehr Quote, mehr Gewinn, mehr Wetten.

Am 17. März startete in Krefeld die Grasbahn-Saison nach einem langen Sandbahn-Winter. Wie fällt Ihre Umsatzbilanz der Winterrennen aus?

Hans-Ludolf Matthiessen: Natürlich ist die Winter-Saison nicht repräsentativ, aber der Auftakt des Rennjahres war wirklich bemerkenswert. Wir haben gegenüber dem Vorjahr bei einem Umsatzvergleich pro Rennen den Platz-Umsatz mehr als verdoppelt und auch das Wettaufkommen in der Siegwette um mehr als 45 Prozent pro Rennen gesteigert. Da es insgesamt eine Umsatzsteigerung in allen Wettarten von 43 Prozent gab, haben sich Sieg- und Platzwetten überproportional erhöht. Das ist ein gutes Omen für die gesamte Saison.

Wie haben sich reduzierten Toto-Abzüge seit Januar auf die Quoten in der Sieg- und Platzwette ausgewirkt?

Matthiessen: Durch diese Maßnahme sind die Quoten deutlich attraktiver geworden. Unser Ziel ist, dass der Kunde am Wettschalter sagt, die Platzwette ist interessant geworden, da er mehr Geld zurückbekommt. Die Zufriedenheit der Kunden und der Ausbau der Marktposition sind für uns wichtig.

Was bedeuten höhere Quoten und dadurch attraktivere Gewinne für die Wetter? Gehen diese seither mehr zum Wettschalter, da sie mehr Geld zurückbekommen?

Matthiessen: Man spricht hier vom „Dreheffekt“. Wenn ein Kunde mehr Geld bekommt, dann ist er unter Umständen auch bereit, mehr Geld einzusetzen, da er einfach mehr Spaß beim Wetten hat. Mit einer Ausschüttung von 85 Prozent liegen wir mit dem deutschen Galopprennsport nun im Spiel- und Wettbereich sehr weit vorne. Und das wird von den Wettern wahrgenommen und wirkt sich positiv aus, gerade in Konkurrenz zur Sportwette.

Nimmt diese Entwicklung der Quoten nur ein Insider oder auch der normale Rennbahnbesucher wahr?

Matthiessen: Die meisten Leute schauen sich die Quoten an. Das sieht man doch allein schon daran, dass der Sportwett-Markt fast nur mit Festquoten arbeitet, und hier schaut ein Kunde auch vorher, ob die Quote für ihn attraktiv ist oder nicht. Auch Freunde von Festkursen werden bei den heutigen Quoten Probleme bekommen, ein besseres Angebot als am Totalisator zu finden.
Je größer bei uns die Pools sind, desto weniger Schwankungen gibt es bei den Pferdewetten in den Quoten. Die Frage, was kann ich gewinnen, ist für einen Wetter elementar.

In welchem Maße unterstützt Wettstar die Rennvereine bei den höheren Auszahlungen durch die Abzugs-Reduzierung?

Matthiessen: Die Rennvereine werden durch eine Absicherung so gestellt, dass sie bei gleichem Umsatz auch den gleichen Ertrag haben. Wir hoffen natürlich, dass der Umsatz steigt und die Zuzahlungen sich verringern werden. Wir wollen zufriedene Kunden, die Spaß am Wetten haben, das ist das Wichtigste, und wir wollen am Markt attraktiver werden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, wie konkurrenzfähig der deutsche Galoppsport ist: Jeder Wetter hat doch schon mal eine Siegwette mit einer Quote von 6:1 getroffen. Das kann im Laufe eines Renntages ja sogar mehrfach vorkommen. Es ist aber sehr schwer, bei einer Einzelpaarung eine Sportwette mit solch einer Quote überhaupt zu finden, und sie ist dann auch viel schwerer zu treffen.

Welche weiteren Förderungsmaßnahmen durch Wettstar gibt es?

Wettstar sorgt in diesem Jahr, gemeinsam mit dem Direktorium, nicht nur für einen Ausgleich möglicher Mindereinnahmen der Rennvereine durch die Reduzierung der Abzüge, sondern auch dafür, dass das Rennpreis-Niveau im Vergleich zum Vorjahr erhalten bleibt, obwohl die Anzahl von PMU-Renntagen geringer geworden ist. Die Höhe der Rennpreise wird durch diese Maßnahmen unverändert bleiben können.

Ist auch im Trabrennsport eine Reduzierung der Toto-Abzüge geplant, oder beschränkt das auf den Galopp?

Matthiessen: Die Trabrennvereine haben darüber beraten und werden sich kurzfristig daran beteiligen. Sechs der acht Ganzjahresveranstalter in Deutschland haben vor, die Abzüge auf Sieg und Platz bald auf 15 Prozent zu senken. Ich denke, dass das in spätestens ein bis zwei Monaten der Fall sein wird, vielleicht auch schon früher. Die Rennbahn Straubing hat im Übrigen einen solchen Schritt schon eingeführt, mit Wirkung zum 1. Februar.

Wie sind Ihre Erwartungen für den Start der grünen Saison?

Matthiessen: Nach den Zahlen des Winters hoffen wir auf eine weitere positive Entwicklung und rechnen damit, dass der Trend vor allem in der Sieg- und Platzwette nach oben geht. Unser Produkt ist nun gleichwertig zu Frankreich im Verhältnis der Quoten.

Die höchsten Wettumsätze werden in der Dreier- und Viererwette erzielt. Ist auch hier geplant, die Abzüge zu ändern?

Matthiessen: Hier ist in diesem Jahr keine Änderung geplant, aber wir sind auch bei den schwierigeren Wettarten international konkurrenzfähig.

Ihre Prognose: Wie entwickelt sich das deutsche Wettgeschäft 2019?

Matthiessen: Wir erwarten, dass es durch die eingeleiteten Maßnahmen zu einer deutlichen Steigerung der Toto-Umsätze kommt. Die Ergebnisse der ersten Renntage der neuen Saison geben auf jeden Fall zu einigem Optimismus Anlass.

Das Interview führte Michael Hähn
 

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