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Janina Beckmann ist Vielseitigkeitsreiterin und Besitzerin des ehemaligen Rennpferdes Lord of Desert

Die Karriere nach der Karriere

Essen 22. März 2019

Dass englische Vollblüter sich nicht nur für die Rennbahn eignen, sondern auch nach der aktiven Rennkarriere einen klasse Sportpartner abgeben, bewiesen Janina Beckmann und ihr Vollblüter Lord of Desert (Desert Prince x Acatenango) auf der diesjährigen Equitana. German Racing hat einen Teil des Sponsorings für das Live – Geländetraining mit Bodo Battenberg übernommen und sie in diesem Zuge zu einem Austausch zu Rasse und Sport getroffen. Bodo Battenberg war lange Jahre Mitglied der deutschen Vielseitigkeitsequipe, ist u.a. Silbermedaillengewinner der Europameisterschaften 1999 und mehrfacher deutscher Meister sowie Vielseitigkeitstrainer.

German Racing: Erzählen Sie uns kurz Ihre gemeinsame Geschichte!

Janina Beckmann: Lord of Desert und ich haben uns im Rennstall kennengelernt. Seine Laufbahn begann als die klassische eines Rennpferdes in Deutschland mit der Aufzucht im Gestüt, anschließender Ausbildung im Rennstall und darauf folgenden ersten Einsätzen in verschiedenen Rennen. Ich bin zu der Zeit als Amateurin selbst im Training mitgeritten und so haben sich unsere Wege das erste Mal gekreuzt. Über die Zeit hat sich eine besondere Verbindung eingestellt und früh war klar, dass ich bei diesem Pferd „mit einsteigen“ werde. Wir sind dann mit den Rennfarben von Stall Italia in den Stall von Jutta Mayer gezogen. In der normalen Arbeit habe ich ihn selbst geritten und für die schnellen Grasbahn-Trainings und natürlich die Rennen in professionelle Hände gegeben. Insgesamt ist Lord drei- bis siebenjährig 49 mal gestartet und ist in 2/3 seiner Rennen „ins Geld gelaufen“. Ende der Saison 2015 habe ich mich dazu entschieden, ihn aus dem aktiven Renngeschehen zurückzuziehen und damit begann die Umschulung zum Reitpferd.

German Racing: Wie sind Sie dann auf den Vielseitigkeitssport gekommen?

Janina Beckmann: Schon während seiner aktiven Galoppzeit habe ich bei Lord großen Wert auf eine solide Grundausbildung gelegt, was den alltäglichen Umgang sehr erleichtert hat. Nach der Rennkarriere haben wir quasi ein Sabbat-Jahr eingelegt und das normale Freizeitpferde-Leben kennengerlernt. Doch wir sind beide keine gemütlichen Typen und vor allem keine eintönigen und so fingen wir an, unterschiedliche Dinge auszuprobieren, um so den richtigen Weg für uns zu finden. Lord ist sehr gelehrig und aufmerksam, er braucht allerdings auch viel abwechslungsreiche Beschäftigung, um sein volles Potenzial zu entfalten. Der Vielseitigkeitssport vereint die drei Disziplinen Dressur, klassisches Parcoursspringen und den Geländeritt, also optimal für ein so breit aufgestelltes und aufgewecktes Pferd. Zudem bringt Lord, wie die meisten Vollblüter, das nötige Stehvermögen für mehrere Prüfungen an einem Tag mit. Und das nötige Herz sowie das „Go“, um auch nach Dressur- und Springen noch in Bestzeit über die Geländestrecke zu galoppieren.

German Racing: Heute haben wir Sie im Live – Geländetraining mit Bodo Battenberg gesehen. Waren Sie zufrieden mit sich und Lord?

Janina Beckmann: Ja, sehr. Lord hat sich weder von dem sturmgebeutelten Abreitezelt, noch von den Zuschauern oder der Leinwand im Großen Showring irritieren lassen und wie üblich brav und höchst engagiert seinen Job gemacht. Einmal mehr bewährt sich seine Nervenstärke und Belastbarkeit. Und natürlich sein Kampfgeist.

German Racing: Herr Battenberg, wie eingangs erwähnt, sind Sie selbst erfolgreich im Vielseitigkeitssport unterwegs und das auch mit Vollblütern.

Bodo Battenberg: Ja, das ist korrekt. Ich selbst reite und trainiere Vielseitigkeit bis zur schweren Klasse und auch mein Herz schlägt für das Vollblut. Die Pferde bringen alles mit, was man für den Sport braucht: Schnelligkeit, Ausdauer, Zuverlässigkeit und Unerschrockenheit. Ist ein Pferd bereits auf der Rennbahn gelaufen, hat es zudem schon bewiesen, dass es die nötige Härte und Gesundheit mitbringt.

German Racing: Welche Vollblüter haben Sie nach der Rennkarriere umgeschult?

Bodo Battenberg: Zum einen den 2002 geborenen Cadgold, den ich in der Vielseitigkeit international bis CIC**** platzieren konnte. In einem etwas jüngerem Projekt aktuell der 2012 geborenen Serien Rock (v. Rock of Gibraltar (IRE) – Saldenehre), der vor vier Monaten aus dem Rennstall zu uns kam und großes Potenzial für die Vielseitigkeit zeigt.

German Racing: Frau Beckmann, was verbinden Sie mit englischen Vollblütern und dem Galopprennsport an sich?

Janina Beckmann: Einmal Blüter, immer Blüter! Wie Herr Battenberg gerade schon erwähnt hat: Diese Rasse zeichnet sich durch hervorragende Charaktereigenschaften aus und bringt dazu noch äußerst gesunde und leistungsfähige Pferde hervor. Ich selbst bin in England durch die Point-to-Point Rennen (Hindernisrennen für Amateure) zum Vollblut gekommen und seitdem komplett diesen tollen Pferden verfallen.

German Racing: Sie haben Lord gekauft, als er noch aktives Rennpferd war. Wie haben Sie den Galopprennsport als Besitzerin erlebt?

Janina Beckmann: Sehr positiv und auf jeden Fall zu empfehlen. Die Reit- und Trainingsmöglichkeiten auf der Münchner Galopprennbahn machen einfach nur Spaß und das Ausreitgelände ist auch ganz passabel. Im Sommer sind wir halt an den Wochenenden nicht zu Dressur- oder Springen, sondern nach Mannheim oder Baden Baden gefahren und im Bereich Ausgleich 4 / Ausgleich 3 gestartet. Als Lord das erste Mal ein Rennen für mich gewonnen hat, stand ich nur noch schluchzend im Ziel und konnte gar nicht fassen, welch ein wunderbares Kampf-Pferdchen ich da erwischt hatte. Neulinge sollten keine Scheu haben, sich gründlich zu informieren und dann in die Faszination Galopprennsport einzutauchen!
Ich hatte natürlich auch Glück bei der Pferdewahl: Da war die Haltung eines aktiven Rennpferdes deutlich günstiger, als die eines Freizeitpferdes. Das Verhältnis von Nenngeld, Reitgeld und Preisgeld ist im Rennsport – gegenüber dem Reitsport – natürlich ein Traum. Dass Lord seine Unterhaltskosten selbst verdient: Dieser Zeit trauere ich ehrlich gesagt ein kleines bisschen nach.

German Racing: Das freute uns natürlich zu hören. Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft mit Lord?

Janina Beckmann: Langfristige Pläne mache ich nicht mehr – dafür hat mich dieses Pferd viel zu oft (positiv) überrascht. Lord hat letztes Jahr in seiner ersten Turniersaison tolle Fortschritte gemacht und konnte sich bereits in einer A* Vielseitigkeit platzieren (vergleichbar mit einem Ausgleich 3). Darauf wollen wir ab Frühjahr im Rahmen der internationalen Turnierserie Grenzlandcup aufbauen. Nächstes Etappenziel ist ein Sieg in einer A*-Vielseitigkeit und dann der Schritt in die nächst höhere Klasse A**.

 

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