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Interview mit Petra Stucke, Besitzerin von Namos, dem Überraschungssieger der Silbernen Peitsche 2019

„Insgesamt also unvergessliche und unbezahlbare Glücksmomente!“

24. Juni 2019

Es war wohl die Überraschung des Frühjahrsmeetings 2019 in Baden-Baden: Namos fliegt an der Innenseite der Zielgeraden regelrecht an seine Konkurrenten heran und gewinnt die Silberne Peitsche mit einer halben Länge Vorsprung. Namos, 3 Jahre alt, größter Außenseiter des bedeutenden Rennens, bisher nur auf der Heimatbahn gestartet und einziges Pferd seiner Besitzerin Petra Stucke. Im Interview sprechen wir über ihre gemeinsame Geschichte und darüber, wie es ist, als Privatperson ein Rennpferd zu besitzen.

German Racing: Wie ist Ihre Verbindung zum Galopprennsport bzw. wie ist das Interesse zum Sport entstanden?
Petra Stucke: In meiner Kindheit wurde ich mädchentypisch vom „Pferdevirus“ infiziert und mir zuliebe hat mich mein Vater regelmäßig zur Neuen Bult in Langenhagen begleitet; er hat dann aber auch selbst Spaß am Rennbahn-Flair gefunden. Auch in den folgenden Lebensabschnitten war ich immer wieder mal an unterschiedlichen Orten auf der Pferderennbahn.
Verstärkt in den vergangenen 15 Jahren habe ich regelmäßig die Bahnen in Hoppegarten und Langenhagen besucht. Die Pferderennbahn ist für mich einer der wenigen Orte, an denen man komplett vom beruflichen und privaten Alltag abschalten kann.

German Racing: Wann haben Sie das erste Mal über ein eigenes Rennpferd nachgedacht?
Petra Stucke: Unterschwellig seit vielen Jahren, konkret seit 2017. Wichtigste Voraussetzung ist nun mal ausreichendes Kapital und eine realistische Finanzierungsplanung, da es sich bekanntlich um ein kostenintensives Hobby handelt, gerade für eine Privatperson. Mit dem Erwerb alleine ist es ja bei weitem nicht getan. Auch muss man es verkraften können, seine Investition ggf. komplett abschreiben zu müssen.

German Racing: Wie haben Sie sich informiert und schlussendlich das richtige Pferd gefunden?
Petra Stucke: Die einschlägigen Fachmedien, wie die Sport-Welt und die Webseiten von German Racing, galopponline und Turf-Times verfolge ich seit langem. Mit Blick auf den beträchtlichen Kostenaufwand habe ich zunächst eine Beteiligung in einem Syndikat bzw. einer Besitzergemeinschaft angestrebt, das schien mir die unkomplizierteste Lösung. Leider war dies aus rechtlichen und auch kommunikativen Gründen nicht so einfach wie gedacht – ein sehr wichtiges Thema, das es in Deutschland anzugehen gilt, Länder wie Australien und England sind uns hier weit voraus!
Ich habe mich dann an meinem letztjährigen Geburtstag dazu entschlossen, mein Projekt Rennpferd im Zweifel auch als Alleinbesitzerin durchzuziehen. Kurz darauf habe ich beim „Tag der Gestüte“ am 15.09.2018 den Brümmerhof besucht, das hatte ich schon länger vorgehabt. Ich war positiv überrascht und beeindruckt, mit welchem persönlichen Engagement die Züchterfamilie Baum diese Veranstaltung organisiert hat. Die Teilnehmer wurden intensiv betreut und fühlten sich alle willkommen. Sämtliche Fragen wurden offen und aufrichtig beantwortet. Das hat mir trotz der durchaus erteilten „Warnhinweise“ vor einem rennsportlichen Engagement wieder Mut gemacht, so dass ich wenig später eine Anfrage zu etwaigen Verkaufspferden gestellt habe.
German Racing: Welchen Rat würden Sie Neulingen mit Interesse mit auf den Weg geben?
Petra Stucke: Jede Informationsmöglichkeit nutzen, wie insbesondere die Teilnahme am „Tag der Gestüte“ und „Tag der Rennställe“, womit ja primär Zielgruppen außerhalb der Kernszene angesprochen werden sollen. Hilfreich ist natürlich ein engagierter Rennverein, der seine (künftigen) Mitglieder aktiv unterstützt. Neben der Finanzierungsfrage auch eine gute Zeitplanung, das war schon eine Herausforderung für mich.
Sehr informativ ist im Übrigen die Webseite des Rennstalls Wöhler, dort werden anschaulich die Höhen und eben auch Tiefen der sportlichen Karriere eines Rennpferds vermittelt.

German Racing: Erzählen Sie uns ein bisschen über Namos. Wie ist er vom Charakter, was zeichnet ihn aus?
Petra Stucke: Bei der Besichtigung der seinerzeit verfügbaren Verkaufspferde des Gestüts Brümmerhof war ich beim ersten Anblick von Namos doch irritiert und habe mich spontan gefragt, wie ein solch kleiner, überbauter Pummel wohl jemals ein Rennen gewinnen soll. Trotz seiner vordergründigen Unscheinbarkeit - markante Abzeichen weist er nicht auf - verkörpert Namos jedoch die Gelassenheit auf vier Beinen. Diesen Charakterzug fand ich für einen zweijährigen Vollblüter bemerkenswert und das hat mich wohl auch in meiner Yoga-Affinität angesprochen. Also habe ich mich dann für das in sich ruhende Dickschiff entschieden.
Bei meinen Besuchen nach dem Besitzwechsel ist mir sein Selbstbewusstsein und sein Ehrgeiz deutlich geworden, trotz seines Phlegmas ist er überaus neugierig und beobachtet seine Umgebung sehr aufmerksam.
Auch als Charmeur zeigt er viel Talent und hat schnell eine spezielle Taktik entwickelt, um für eine Extraportion Leckerli seine Besitzerin um den Finger zu wickeln. Dabei muss ich aber sehr aufpassen, dass auch alle Finger dranbleiben.

German Racing: Wie lässt sich ein eigenes Rennpferd im Alltag integrieren und was sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Training?
Petra Stucke: Auch wenn sich mein beruflicher Lebensmittelpunkt in Berlin befindet, bin ich aus familiären Gründen regelmäßig in Hannover. Damit lassen sich meine Trainingsbesuche bei Namos recht gut kombinieren. Seine ersten beiden Starts waren ohnehin auf der Heimatbahn Hannover. Termine plane ich so, dass ich hoffentlich bei allen seiner Starts persönlich vor Ort sein kann.
Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Training sind aus meiner laienhaften Sicht:
• Absolutes Vertrauen in den Trainer und in die Professionalität des gesamten Betreuerteams bis hin zum Tierarzt
und Hufschmied,
• Hervorragende Trainingsbedingungen und eine pferdegerechte Infrastruktur, so wie das Galopp-Trainingszentrum
Hannover dies bietet und
• vor allem ein zufriedenes, sich wohl fühlendes Pferd.

German Racing: Wie lebt ein aktives Rennpferd; welche Parteien muss man als Besitzer zusammenbringen?
Petra Stucke: Für diese Frage wäre wohl Trainer Moser der bessere Adressat.
Aus meiner Perspektive ist es sicherlich elementar, rechtzeitig die Grenzlinie zwischen sportgerechter Beanspruchung und Überforderung im Trainingsalltag und im Renn-geschehen zu erkennen. Wichtig scheint mir, Rennpferde entwicklungsgerecht einzusetzen und Geduld aufzubringen. So hat Namos die Zeit bekommen, die er benötigt hat. Vor diesem Hintergrund hat der Alleinbesitz also seine Vorteile, da ich nicht auf die – grundsätzlich berechtigten – finanziellen Interessen anderer Mitbesitzer Rücksicht nehmen und keine aufwändige Abstimmung durchführen muss. Daher habe ich auch Respekt vor der schwierigen Aufgabe aller Trainer, diesen Spagat zwischen gegenläufigen Interessen zu bewältigen.

German Racing: Wie haben Sie den Renntag in Baden-Baden und den Sieg von Namos in der Silbernen Peitsche wahrgenommen? Was geht einem als Besitzer in solchen Momenten durch den Kopf?
Petra Stucke: Zunächst war ich verblüfft, wie abgeklärt Namos durch den Führring marschiert ist, da er bis dato nur auf seiner Heimatbahn gestartet war. Ich dagegen war schon Tage vorher aufgeregt. Das gab mir Hoffnung auf eine vordere Platzierung, aber ein Sieg erschien mir völlig fernliegend. Im Rennen habe ich Namos eigentlich nur hinten gesehen, den katapultartigen Satz nach vorne nach etwa der Hälfte des Rennens habe ich live gar nicht richtig registriert. Erst durch die frenetischen Anfeuerungsrufe der Zuschauer habe ich bemerkt, dass ich nicht so ganz auf der Höhe des aktuellen Geschehens war. Mein besonderer Dank gilt daher dem fantastischen Iffezheimer Publikum, das Namos mit seiner begeisternden Unterstützung geradezu ins Ziel geschoben hat. Die Sattelplatz-Tribüne hat ja förmlich gebebt. Ich würde mich eher als sehr rational veranlagt einschätzen, deshalb war ein solches Maß an Emotionalität vor dieser großartigen Kulisse außerhalb meiner Vorstellungswelt. Auch die freudige Erleichterung beim Betreuerteam bei der Abholung vom Geläuf, insbesondere natürlich bei Jockey und Trainer, sowie der enthusiastische Zuspruch der gesamten Züchterfamilie Baum, haben mich sehr bewegt. Insgesamt also unvergessliche und unbezahlbare Glücksmomente!

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