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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

"Dearbaí na hÈireann"

3. Juli 2019

Am Sonntag fand in Hamburg der „Hella Halbmarathon“ statt. Dazu muss man wissen, dass Hella ein Mineralwasser-Produzent ist, doch ausgerechnet das Wasser wurde knapp an der Strecke, so dass viele Teilnehmer bei Temperaturen deutlich oberhalb der 30-Grad-Marke gesundheitliche Probleme bekamen und die Feuerwehr Alarm wegen „Massenanfalls von Verletzten“ auslöste und 57 Läufer ins Krankenhaus brachte. Sport war also eine gefahrengeneigte Tätigkeit an diesem Tag, die Wetterstation in Hamburg-Fuhlsbüttel meldete mit 34,8 Grad den höchsten Wert des Jahres. Heiß war es auch auf der Rennbahn in Horn, der Renn-Club hatte aber für ausreichend Wasservorräte gesorgt, die sich nach jedem Rennen aus Schläuchen und Eimern über die Pferde ergossen. Die Tierärzte vermeldeten keine besonderen Vorkommnisse. Im Laufe des Renntages sanken die Temperaturen auch langsam auf  erträgliche Temperaturen ab, das alles ohne Blitz und Donner, was gerade in Hamburg-Horn nicht immer so ist. Inzwischen ist es noch mehr abgekühlt und für den Derbytag sollte man nach den derzeitigen Prognosen sogar den Mantel aus dem Schrank holen – bei 15 Grad ist mit Schauern zu rechnen.

Soweit der aktuelle Wetterbericht, und nun zu den Rennen. Auch der G2-pferdewetten.de Großer Hansa-Preis hat den Eindruck nicht verwischen können, dass es nach dem Ausfall so vieler besserer Pferde, zu denen sich jetzt auch noch Windstoß und womöglich auch Be My Sheriff gesellt haben, schwer sein wird, Grupperennen gegen ausländische Konkurrenz zu verteidigen. Wie schon zuletzt in Köln erwies sich French King auch in Hamburg-Horn als zu stark für den Rest unserer besten Pferde, von denen Royal Youmzain erwartungsgemäß am weitesten kam. Eine Rechnung über den beständigen Derbydritten des Vorjahres ergibt für French King ein neues GAG von 98 kg (Rating 116), also eine Marke, mit der man schon einmal ein günstiges Gruppe-I-Rennen gewinnen kann. Zum Beispiel hier in Deutschland, und tatsächlich soll der Große Preis von Berlin in Hoppegarten auch das nächste Ziel für French King sein. Anschlussnennungen hat er noch für den Großen Preis von Baden und den Preis von Europa. Wenn also demnächst der eine oder andere deutsche Rennstallbesitzer nächstens hochschrecken sollte, dann könnte ihm im Alptraum dieses Pferd begegnet sein.

Video: pferdewetten.de - Großer Hansa Preis 2019 (Gr. II) - Sieger: French King

Bei Royal Youmzain habe ich seit dem Derby den Eindruck, dass er immer etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Wie festgenagelt steht er seit einem Jahr bei 96 kg, kommt darüber nicht hinaus. Auch der auf dem Rennplatz anwesende Besitzer Jaber Abdullah, der, wenn er bei seinem Trainer Andreas Wöhler in Gütersloh vorbeischauen will, gerne mal mit der Regionalbahn anreist, schien enttäuscht und trabte unmittelbar nach dem Zieleinlauf gebeugt vom Rennplatz. Vielleicht sieht man Royal Youmzain demnächst einmal auf einer kürzeren Distanz, zumal der jüngere Bruder Hello Youmzain ein exzellenter Flieger ist, mit einem aktuellen Rating von 114 (97 kg) zu Englands besten dreijährigen Sprintern gehört. Er stammt allerdings auch von Kodiac, der viel Schnelligkeit vererbt.

War in Hamburg-Horn: Jaber Abdullah, nicht am Stand von Dithmarscher Pils, sondern davor
War in Hamburg-Horn: Jaber Abdullah, nicht am Stand von Dithmarscher Pils, sondern davor

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Der Große Hansa-Preis ist zwar noch keine 150 Jahre alt, wird aber immerhin schon seit 1892 in Hamburg-Horn gelaufen. Zunächst vor allem als Vorprüfung für das Blaue Band, später dann hauptsächlich als Ziel ehemaliger Derbysieger. Sechs Mal war ein Dreijähriger vor seinem Derbysieg erfolgreich, zuletzt Palastpage 1932 – 17 Mal wurde der Hansa-Preis von einem vier- oder fünfjähren Derbysieger gewonnen, die letzten waren Schiaparelli (2007), Lando (1994) und Acatenango (1987). Ein Kuriosum für sich war der allererste Hansa-Preis, der am Montag nach dem Derby gelaufen wurde und mit Coureur ein Pferd am Ablauf sah, das tags zuvor im Derby Zweiter zu dem Österreicher Espoir geworden war. Coureur war zwar Favorit, wurde aber wieder nur Zweiter, diesmal hinter Nickel, dem bis dahin gewinnreichsten deutschen Rennpferd. Den Sieg eines im Ausland trainierten Pferdes hat es vor French King lange Zeit nicht gegeben, es waren die Engländer Record Run (1976) und Roscoe Blake (1978). Auch das wirft ein bezeichnendes Licht auf die derzeitige Misere.

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Dearbaí na hÈireann. Das ist der Name für das Irische Derby in der irisch-gälischen Sprache, das am Samstag zum 153. Mal entschieden wurde. Man kann nicht sagen, dass sich dieses Rennen derzeit in seiner allerbesten Verfassung befindet, obwohl es doch mit 1,5 Millionen Euro eine enorme Dotierung aufweist und der Sieger meist ein Pferd außergewöhnlicher Klasse ist. Problem Nummer eins: Der Sieger kommt fast immer aus demselben Stall, nämlich aus dem des alles überragenden Trainers Aidan O´Brien, der zudem häufig mehr als die Hälfte der Starter stellt. Problem Nummer zwei: kleine Felder. In den vergangenen zehn Jahren sind nur durchschnittlich 8,6 Pferde an den Start gekommen. Problem Nummer drei (seit Neuestem): Zuschauermangel. Obwohl die Rennbahn auf dem Curragh in der Nähe von Dublin in den letzten zwei Jahren für 81 Millionen Euro erneuert wurde, wollten diesmal nur 11.957 Besucher das Rennen sehen. (2018 und 2017 war die Zuschauerzahl wegen der Baumaßnahmen auf 6000 begrenzt, 2016 kamen 18.000, 2015 noch 25.225 Zuschauer.) Klagen über lange Schlangen an den nur wenigen Bars und vor den Toiletten taten ein Übriges.

Video: Dubai Duty Free Irish Derby 2019 (Gr.I) - Sieger: Sovereign

Auch der Ausgang des Rennens entfachte keine Begeisterungsstürme. Von Grabesstille nach dem Zieleinlauf wird berichtet, der Sieg des als Pacemaker eingesetzten 33:1-Außenseiters Sovereign, dem fünften Rad am Wagen von Trainer Aidan O´Brien, versetzte alle in eine Art Schockzustand. Es zeigte sich einmal mehr, wie gefährlich es sein kann, einen Pacemaker weit enteilen zu lassen, wenn dieser über genügend Stehvermögen verfügt und einen guten Tag erwischt. So konnte Sovereign, ein Galileo-Sohn (natürlich!) unbedrängt als Sechs-Längen-Sieger vor Englands Derbysieger Anthony Van Dyck durchs Ziel gehen, der in Epsom seinerseits noch sechs Längen vor Sovereign gewesen war. Für den Handicapper ist ein solcher Rennausgang meist ein Albtraum, über den Drittplatzierten Norway kann man diesmal aber einigermaßen zuverlässig auf ein Rating von 118 (99 Kilo) kommen, womit Sovereign und Anthony Van Dyck erst einmal auf einer Stufe stehen.
Das englische Rennsystem macht es möglich, dass der neue irische Derbysieger demnächst mit niedrigem Gewicht in einem Handicap antreten könnte. Sovereign hatte schon vor dem Derbystart eine Nennung für das John Smith` s Diamond Handicap am 13. Juli in York bekommen und stand nach Gewichteveröffentlichung unter 79 Kandidaten an Nummer 44 (bei 22 Startplätzen). Durch das nach den Regeln maximal mögliche Aufgewicht von 5 Pfund rutsche er jetzt an Position 25. Ein Start wird nicht gänzlich ausgeschlossen. Alternativen sind der Grand Prix de Paris und die King George VI. and Queen Elizabeth Stakes.

Hinweis: In der nächsten Woche erscheint der Handicapper Blog erst im Laufe des Donnerstags.

 

GERMAN RACING

Seit 2010 bildet GERMAN RACING die große Dachmarke, unter der regelmäßig spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen stattfinden. Gleichzeitig fungiert die Marke als Oberbegriff für den Galopprennsport in Deutschland.

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