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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Iquitos ist doch der Beste

7. November 2018

„Ende gut, alles gut“. Das sagt Helena gegen Ende der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare, aber ob nun wirklich alles gut ist, das weiß man doch nicht so recht. Dasselbe könnte auch für Iquitos gelten, nach seinem Erfolg vor knapp einer Woche beim G1-Bayerische Hausbau-Großen Preis von Bayern in München-Riem. Gut ist jedenfalls, dass er dieses Jahr, das für ihn nicht immer optimal gelaufen ist, mit einem Sieg beendet. Sogar mit einem rundweg überzeugenden Sieg, der auf dem letzten Drücker noch einmal deutlich macht, dass er doch unser derzeit bestes Rennpferd ist. Aber was kommt jetzt? Findet er einen Platz in der Zucht, den er aufgrund seiner Rennleistungen wirklich verdient hat? Oder wird er auch nächstes Jahr noch laufen.

Als Unbeteiligter hätte man ja nichts dagegen, den kleinen Hengst auch im nächsten Jahr noch in Aktion zu sehen. Er wird ja auch dringend gebraucht, denn die Reihen unserer Leistungsträger haben sich zuletzt doch arg gelichtet. Iquitos wird dann sieben Jahre alt sein, aber das sollte nicht stören, solange er weiter so wie bisher mit Enthusiasmus bei der Sache ist. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Rennpferde auch in diesem Alter noch zu Höchstleistungen fähig sind, gerade hat Winx das wieder gezeigt. Oder Soldier Hollow, der mit sieben seine Handicapmarke sogar noch einmal um ein Kilo auf 99 steigern konnte.
Bei 99 Kilo steht Iquitos nun schon seit zwei Jahren, diese Marke hat er auch für dieses Jahr wieder sicher, mindestens. Wir, also meine Kollegen und ich, haben ihn jetzt sogar auf 100 Kilo gestellt, wir meinen, dass sein Sieg in München das wert war, vier Längen vor Defoe und sogar acht Längen vor dem Dritten. Dieser Dritte, Dee Ex Bee, war im Epsom Derby Zweiter und hat danach im Grand Prix de Paris, in den Gordon Stakes und im Doncaster St. Leger jeweils 94 Kilo gezeigt, warum also nicht auch in München. Nimmt man die zweimal vier Längen bis zu Iquitos jeweils mit drei Kilo, kommen 100 Kilo (Rating 120) heraus. Nun ja – wenn man genau hinschaut, waren es vielleicht nicht ganz vier Längen, aber Iquitos gewann doch sehr leicht und souverän. Wie alle Handicapmarken in diesen Regionen, so müssen auch diese 100 Kilo am Jahresende in Hongkong noch bestätigt werden, das sei hier noch einmal gesagt. Es ist keineswegs sicher, dass dies auch geschieht.

Video: Bayerische Hausbach-Großer Preis von Bayern (Gr.I), Müchen-Riem - Sieger: Iquitos

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In der Fachpresse ist ja gebührend herausgestellt worden, dass seit 29 Jahren keine Stute mehr das Ratibor-Rennen gewonnen hat. Damals, 1989, gewann Sound of Silence, sie wurde später noch Vierte in den German 1000 Guineas, danach war nicht mehr viel von ihr zu hören und zu sehen. Für die nächsten Stutensiege muss man wieder weit zurückgehen, was sich aber lohnt, denn 1976 gewann mit La Dorada die spätere Mutter von Lomitas und 1975 war Licata erfolgreich, die Großmutter der beiden Derbysieger Lando und Laroche. Und jetzt hat Donjah gewonnen. Und wie!
Schon bei ihrem Debüt hatte man sich ja verwundert die Augen gerieben, als sie nach langsamem Start 15 Längen aufzuholen hatte und dennoch mit 4 1/2 Längen Vorsprung gewann. Am Sonntag, beim 140. Herzog von Ratibor-Rennen in Krefeld, fiel ihr Sieg noch imponierender aus, wobei besonders ihr kraftvoller Antritt beeindruckte, der sie trotz einer exzessiven Jubelarie ihres Reiters auf sechs Längen vor die Gegner brachte.


Für uns war das eine Form, die mindestens mit der von Whispering Angel aus der Winterkönigin gleichzusetzen ist, und so haben wir Donjah denn auch 93 kg gegeben, womit sich beide die Spitzenposition bei den zweijährigen Stuten teilen. Auf der Jährlingsauktion im vorigen Jahr kostete sie 100.000 Euro, sie hieß damals noch Detonation, musste sich also eine Namensänderung gefallen lassen. Zum positiven, wie ich finde.

Video: Preis des G.O.L.D. Gartenstadt Olympisches Dorf von 1936 - Herzog von Ratibor-Rennen (Gr.III), Krefeld - Sieger: Donjah

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Es war ja ein großes Wochenende für das Gestüt Karlshof, das nicht nur Züchter von Donjah ist, sondern auch von A Raving Beauty, die am Samstag Dritte im Breeders´ Cup Filly and Mare wurde und damit ihren Leistungen in Amerika die Krone aufsetzte, jedenfalls sehen die Handicapper das so. Bekanntlich ist Karlshof nicht mehr Besitzer dieser fünfjährigen Schimmelstute, sie ging auf der Arqana-Auktion im vorigen Dezember für 230.000 Euro an eine amerikanische Besitzergemeinschaft, die mit ihr das große Los gezogen hat. Denn A Raving Beauty hat seitdem in den USA eine märchenhafte Karriere hingelegt, hat neben ihrer Platzierung beim Breeder´s Cup noch zwei Gruppe-I-Rennen und ein Gruppe-III-Rennen und rund eine Million Dollar an Preisgeld gewonnen. Und einen Tag nach dem Breeders´ Cup erzielte sie bei den November Sales in Lexington im Verkaufsring auch noch zwei Millionen Dollar, die Haruya Yoshida aus Japan für sie anlegte. Unglaublich.

Eine solche Entwicklung konnte vor Jahresfrist niemand voraussehen, sie hatte damals mit einem zweiten Platz im G1-Premio Lydia Tesio gerade eine neue Bestmarke von 92,5 kg (Rating 105) erreicht. Bis dahin war ihre Rennkarriere eher unauffällig verlaufen. Zweijährig hatte sie in Dortmund auf der Sandbahn einmal für Aufsehen gesorgt, als sie mit 31 Längen Vorsprung gewann. In den beiden nächsten Jahren sprangen bei 13 Starts zwei Siege in Listenrennen heraus, die beide 88 Kilo wert waren, und eben der zweite Platz in Rom. Ihre Leistungsgrenze schien erreicht. Dass europäische Stuten sich häufig stark verbessern, wenn sie nach Amerika gehen, ist eine bekannte Geschichte.
Trotzdem ist das Ausmaß der Steigerung von A Raving Beauty verblüffend, denn bei ihren sechs Starts in Amerika kam sie auf Ratings, die deutlich über denen liegen, die sie in Europa erzielt hat: 95,5-95-96-94-96,5 und jetzt, beim Breeders´ Cup, 97 kg oder 97,5 kg, das steht noch nicht so genau fest. Wenn es 97,5 kg (Rating 115) werden, dann ist A Raving Beauty die alleinige Spitzenstute des Jahrgangs 2013 aus Deutschland, noch vor Spectre (97 kg), der Diana-Siegerin Serienholde und Quidura (beide 96,5 kg), wobei auch die Fährhoferin Quidura ihre Marke in den USA erreicht hat.

 

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