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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Rennpferde mit Star-Qualitäten

11. Oktober 2017

Wie populär kann ein Rennpferd werden? Bei uns in Deutschland ist wohl eine Meldung in der „Tagesschau“ das höchste der Gefühle, wie zuletzt bei Danedream vor sechs Jahren. Anderswo hingegen können Rennpferde Star-Qualitäten erreichen. So erschien einmal das Porträt von Secretariat, nachdem er 1973 die amerikanische Triple-Crown gewonnen hatte, zeitgleich auf den Titelseiten von Time, Newsweek und Sports Illustrated, den drei einflussreichsten Print-Magazinen Amerikas. Das hat vorher und nachher kein Mensch mehr geschafft, geschweige denn ein Pferd. (Da fällt mir ein: Im Januar 1957 füllte der Kopf von Ribot einmal die Titelseite des „Spiegels“, aber das ist lange her.) Oder Black Caviar. Als die Stute im Juni 2012 erstmals außerhalb Australiens startete, folgten ihr 5000 Fans nach Ascot, während zu Hause in Melbourne mehr als 10.000 Menschen auf dem überfüllten Federation Square vor einem riesigen Bildschirm die Live-Übertragung verfolgten. Um zwei Uhr in der Nacht! Wenig später wurde Black Caviar sogar zu Australiens „Sportlerin des Jahres“ gewählt. 

Als Black Caviar nach Ascot kam hatte sie 21 Rennen in Folge gewonnen. Seit vorigen Samstag hat nun auch Winx 21 Starts nacheinander ohne Niederlage überstanden. Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden phänomenalen Stuten ist, dass Black Caviar dabei ungeschlagen war (und es auch blieb), Winx dagegen zu Beginn ihrer Rennlaufbahn einige Niederlagen einstecken musste. Aber das liegt nun schon lange zurück und ihre Popularität in Australien lässt sich schon jetzt mit der Black Caviars vergleichen. Ihrem Start am Samstag in den G1-Turnbull Stakes in Melbourne hatte man ja mit einiger Spannung entgegen gesehen, da sie zuletzt mit einigen spektakulären Aufholjagden die Nerven ihrer Anhänger doch arg strapaziert hatte. Aber diesmal ging alles wieder spielerisch leicht, sechseinhalb Längen Vorsprung hatte sie nach 2000 Metern gegenüber dem englischen St.Leger-Zweiten des Vorjahres, Ventura Storm. Australiens Chefhandicapper Greg Carpenter hat dafür 130 (105 kg) gegeben, zwei Pfund weniger als bei ihrem 8-Längen-Sieg im Cox Plate vor einem Jahr. Das ist Australiens größtes Altersgewichtsrennen, das sie in zweieinhalb Wochen zum dritten Mal gewinnen soll. Vor Jahr und Tag liefen dort einmal aus deutschen Ställen Silvano (Vierter), Caitano (Siebter) und Paolini (Zehnter).

Magazincover "Time" und "Der Spiegel"
Magazincover "Time" und "Der Spiegel"

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Die vorige Woche mit dem „Arc“ und mehreren Grupperennen in Deutschland war so spannend, dass man sich diesmal direkt etwas langweilte. So kann ich noch einmal zurückkommen auf den Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten mit dem Sieger Matchwinner. Ich schrieb zu anderer Gelegenheit schon einmal, ich glaube nach einem Sieg von Potemkin, dass es für die Entwicklung eines Pferdes manchmal gut ist, wenn es dreijährig nicht an den Start kommt, auch wenn der Besitzer dies vielleicht zunächst anders sieht. Matchwinner musste wegen einer Fissur das Jahr auslassen, das gemeinhin als das wichtigste im Leben eines Vollblüters angesehen wird und kam erst im Alter von vier Jahren zum ersten Mal auf die Rennbahn. Das war am 1. Mai 2015 in München-Riem in einem dieser manchmal undurchsichtigen Rennen für ältere Sieglose, das er gewann. Wenn ich in unsere Ausgleicherdatei schaue, sehe ich den Vermerk „man tappt hier völlig im Dunkeln“, angesichts dessen die vergebene Marke von 62 kg zunächst recht treffsicher war, denn damit wurde Matchwinner drei Wochen später im Ausgleich III Zweiter. Aber lange hielt er sich in diesen Regionen nicht auf und kletterte die Erfolgsleiter nach oben. Nach 20 Starts stehen jetzt 9 Siege zu Buche, nur zwei Mal lief er nicht ins Geld. Trainer Axel Kleinkorres war schon sehr früh vom Können dieses Pferdes überzeugt, aber auch von seinem Vorhaben, die Stufen bis zum ersten Gruppesieg schrittweise und nicht in Sprüngen zu nehmen. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit Kleinkorres an einem Tag im Herbst 2015 erinnern, als wir im Auftrag des Direktoriums die Neusser Sandbahn abnahmen und er mir erzählte, dass ihn nicht der Gedanke an das Können von Matchwinner beunruhige, sondern vielmehr der Gedanke an das Telefon, über das zu diesem Zeitpunkt immer höher lautende Offerten eingingen.

Mit dem Sieg in Hoppegarten hat Matchwinner erst einmal den Zenit seines Könnens erreicht. Obwohl Potemkin und Devastar erkennbar außer Form waren und man im Übrigen wohl auch nicht die besten Pferde Europas am Start sah, so machte doch der Stil des Erfolges Eindruck. 96 kg (112) war uns das erst einmal wert.

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Jetzt noch ein kurzer Sprung rüber nach Amerika, wo am Samstag in New York der Jockey Club Gold Cup stattfand. Das war einmal ein Rennen für die besten Pferde Amerikas, zahlreiche Sieger landeten anschließend in der „Hall of Fame“. Man o´War, Citation, Nashua, Kelso, Forego, Affirmed, Damascus, John Henry und Cigar sind nur eine kleine Auswahl. Einmal, 1978, trafen hier mit Affirmed und Seattle Slew sogar zwei Triple-Crown-Sieger aufeinander zu einem der größten Rennen, das die Welt je gesehen hat. Aber keiner von beiden hat gewonnen. Bei Affirmed rutschte der Sattel und Seattle Slew verlor nach heroischem Kampf über die gesamte Belmont Park-Zielgerade herunter mit einem kurzen Kopf gegen Exceller.

Der Jockey Club Gold Cup steht eigentlich stellvertretend für die Entwicklung des Rennsports in den USA, weg von den Steherdistanzen. Bis 1975 ging es über 3200 Meter, danach über 2400 Meter und ab 1990 waren es nur noch 2000 Meter. Obwohl mit 750.000 Dollar dotiert, hat es seine einstige Bedeutung längst eingebüßt und ist heute nicht viel mehr als ein Vorbereitungsrennen für den Breeders´ Cup. Der diesjährige Sieger Diversify hatte bisher keine große Rolle gespielt, es war sein erster Gruppe-Sieg überhaupt. Immerhin 119 (99,5 kg) war sein Sieg mit einer Länge gegen den Favoriten Keen Ice aber wohl doch noch wert.

 

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