Login
Trainerservice
Schliessen
Login

Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Nach dem Derby ist vor der Diana

12. Juli 2017

Nach dem Derby ist vor der Diana. Dieser Tatsache gilt es nun ins Auge zu sehen, denn es sind nur noch gut drei Wochen bis zum 159. Henkel-Preis der Diana, dem größten deutschen Zuchtrennen nach dem Derby. In Hannover war am vorigen Sonntag Termin für den letzten Diana-Test, den vor allem Ashiana nutzte, um sich weiter zu profilieren. Das Rennen war von Beginn an zügig gelaufen, wurde durch den Reiter von Sky Full Of Stars nach halber Strecke sogar noch ordentlich angeheizt, so dass man schon ahnen konnte, wer sich diesmal in der Komfortzone befand, nämlich die Pferde in den hinteren Regionen. Es sieht ja immer gut aus, wenn ein Pferd wie Ashiana von weit hinten gewinnt. Es verlangt von seinem Reiter aber Können und vor allem gute Nerven. Der große Amateurreiter, Journalist, Züchter (Brigadier Gerard!) und Rennsport-Funktionär John Hislop hat einmal zwischen Formelreiter und Umstandsreiter unterschieden. Der Formelreiter, so Hislop, hat eine zu ihm passende Reitweise entwickelt, er reitet also am liebsten nach immer dergleichen Taktik. Der Umstandsreiter dagegen wechselt seine Taktik je nachdem, wie sich das Rennen entwickelt. Erfolgreich können beide sein. Typische Formelreiter, die ich erlebt habe, waren z. B. Joan Pall mit der ihm eigenen Vorliebe für extremen Wartetaktiken. Oder Fritz Drechsler, der am liebsten vorne ging. Andrasch Starke gehört für mich eher in die Gruppe derjenigen, die nach den Umständen reiten, auch wenn seine Lieblingstaktik wohl darin besteht, frühzeitig die Entscheidung zu suchen. Mit Ashiana jedenfalls hielt er sich aus allem heraus und griff erst ausgangs des Schlussbogens, dann aber umso nachhaltiger ins Geschehen ein.

Für Ashiana war es der zweite Listensieg in Folge. Leicht zu berechnen ist er nicht, denn auf den Plätzen zwei und drei folgten mit Prima Violetta und Sky Full Of Stars zwei Pferde, die gerade erst ihr erstes Rennen gewonnen hatten, beide aber in gutem Stil. Dahinter sah man mit Pemina die Zweite aus der vorjährigen „Winterkönigin“, sie machte gegenüber ihrem ersten Jahresstart deutliche Fortschritte. Wir haben Ashiana erst einmal 90,5 kg (Rating 101) gegeben und uns dabei auch an Margie´s Music orientiert, die schon zuvor in ähnlicher Gesellschaft als Fünfte endete. Auch sie kam von weit hinten.

Nachdem also alle Vorbereitungsrennen gelaufen sind, kann man sich schon eine ungefähre Vorstellung vom Starterfeld in der Diana machen, auch wenn aktuell noch 52 Pferde startberechtigt sind. Die aktuelle Reihung nach Höhe des GAG finden Sie hier. Sollte es keine größeren Ausfälle mehr geben, könnte durchaus die maximale Starterzahl von 16 erreicht werden, zumal sich noch einige ausländische Stuten, auch formstarke, unter den Nennungen befinden und auch eine Nachnennung nicht ausgeschlossen ist. Ein volles Dianafeld hat es in den letzten zehn Jahren immerhin fünf Mal gegeben. Im Vorjahr wurden mindestens 84 kg für Startplatz 16 verlangt (Sarandia wurde damit Zweite), 2013 waren es 86 kg, 2011 genügten 69 kg, 2010 brachte Enora 72 kg mit (und gewann sogar) und 2008 brauchte man 73 kg um ins Feld zu kommen.

* * *

Es waren ziemlich dramatische Eclipse Stakes am Samstag in Sandown Park. Durch pullende Pferde kam es zu einer schweren Behinderung zum Nachteil des Favoriten Cliffs of Moher, mehrere Jockeys durften sich später bei der Rennleitung Sperren wegen Peitschenmissbrauchs abholen, und zwischen Ulysses und Barney Roy musste das Zielfoto entscheiden. Sie haben das Foto später auf dem Bildschirm gezeigt. Ich habe mir sogar die Brille von der Nase genommen und bin ganz nah ran gegangen, konnte aber trotzdem keinen Unterschied erkennen. Die Ankunftszeit für beide war 2:03:49 Minuten, also auf die hundertstel Sekunde gleich. Es gibt ja Sportarten, da wäre so etwas ein „totes Rennen“, beim Alpinen Skisport und beim Schwimmen zum Beispiel. Dort will man es, obwohl technisch möglich, nicht genauer wissen. Beim Pferderennen aber darf man das Foto solange vergrößern, bis ein Pferd vielleicht ein Pixel Vorsprung hat. Irgendwie fragwürdig. 

In der neuen Weltrangliste, die am Donnerstag erscheint, wird Ulysses voraussichtlich mit einem Rating von 121 (100,5 kg) erscheinen, Barney Roy bleibt bei seinen 120 (100 kg). Unter den internationalen Handicappern gibt es eine kleine Minderheit, zu der auch ich gehöre, denen das zu wenig ist. Die Eclipse Stakes zählen zu den größten Vergleichsrennen zwischen den Generationen während des ganzen Jahres, das Rennen war gut besetzt und zwei sehr gute Pferde haben sich auf den letzten 150 Metern auf 3 ½ Längen abgesetzt. Bei allem Respekt vor unseren besten Pferden Dschingis Secret, Guignol und Iquitos, die alle bei 99 kg oder 98,5 kg (118 bzw. 117) stehen: Zwischen ihnen und Ulysses und Barney Roy, liegen mehr als zwei, drei oder vier Pfund.

* * *

Die Eclipse Stakes gehören seit ihrer Gründung im Jahr 1886 zu den größten Rennen Englands, für die erste Entscheidung stellte Leopold Rothschild einen Betrag von 10.000 Pfund zur Verfügung und machte es damit sogar zum damals wertvollsten Rennen der Welt. Seit 1976 wird es von der Buchmacherfirma Corals gesponsert. Ich hatte einmal das Glück, eines der besten Pferde aller Zeiten in diesem Rennen siegen zu sehen. Das war Brigadier Gerard im Jahr 1972. Neben dem Brigadier gab es seinerzeit mit Mill Reef ein weiteres Ausnahmepferd und der Plan war, beide in den Eclipse Stakes gegeneinander laufen zu lassen, im „Rennen des Jahrhunderts“. Damals wie heute fand das Rennen am Samstag nach dem Deutschen Derby statt und so machte ich mich noch am Abend nach Tarims Derbysieg von Hamburg mit einem alten Renault R4 auf in Richtung London, nur um bei meiner Ankunft zu erfahren, dass Mill Reef nicht laufen kann. Er war nicht ganz in Ordnung, brach sich wenig später sogar ein Bein. (Er konnte aber gerettet werden.) Einmal in England, blieb ich aber dort, sah mich auf mehreren Rennbahnen um, und am Samstag gewann der Brigadier, sogar bei scheußlichem Regenwetter, das er gar nicht mochte. Aber sein Besitzer, der weiter oben schon erwähnte John Hislop, war sportlich genug, ihn trotzdem laufen zu lassen. Gegen Mill Reef, das bekannte er später einmal, wäre er aber unter diesen Bedingungen nicht angetreten. Brigadier Gerard gewann bei 17 seiner 18 Starts, einmal wurde er geschlagen, vom Derbysieger Roberto. 17 historische Kurzgeschichten gibt es übrigens auch über den Helden, der diesem Pferd seinen Namen gegeben hat, verfasst von Sir Arthur Conan Doyle.

 

GERMAN RACING

Erlebnissport der Extraklasse.
Unter der Dachmarke “GERMAN RACING” werden spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen abgehalten. Seit 188 Jahren bestehen Pferderennen als ältester organisierter Sport in Deutschland. Ein echter Klassiker!

Imagefilm

GERMAN RACING Imagefilm