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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Ein Blog zum Hindernissport

22. November 2017

Dieser Blog gehört dem Hindernissport. Oder was vom Hindernissport übrig geblieben ist in Deutschland. Viel ist das ja nicht. Genauer gesagt waren es 19 Hindernisrennen (3 Hürden- und 16 Jagdrennen) die 2017 auf deutschen Rennbahnen gelaufen wurden. Mit 15 verschiedenen Siegern. Dazu kommen noch 15 Siege im Ausland, ausnahmslos in der französischen Provinz. Man tut sich schwer, einen dieser Sieger hervorzuheben, so richtig ragt keiner heraus. Am ehesten vielleicht noch Interior Minister wegen seiner vier Siege. Oder Novalis, der drei Rennen gewonnen hat, zwei davon auf Bahnen im Elsass. Und Wutzelmann. Dessen Sieg im letzten Hindernisrennen des Jahres in Krefeld war insofern etwas Besonderes, als er mit einem Vorsprung von 59 Längen errungen wurde. 59 Längen! Das sind 147 Meter, legt man zweieinhalb Meter für eine Pferdelänge zugrunde. Ich kann mich nicht an einen Richterspruch ähnlicher Größenordnung erinnern. Falconettei gewann das Hamburger Seejagdrennen im vorigen Jahr mit 44 Längen, auf der Flachen ist mir ein Sieg auf der Dortmunder Sandbahn mit, ich glaube, 42 Längen in Erinnerung, Name des Pferdes und Jahr des Ereignisses sind aus meinem Gedächtnis leider verschwunden. Novalis und Wutzelmann stehen derzeit mit einem GAG von 80 kg am höchsten, ebenso Parron, der für Trainer Waldemar Himmel vier Mal in Wissembourg und Vittel gewonnen hat. 

Diese Zahlen zeigen schon, dass es mit der Klasse unserer besten Hindernispferde nicht weit her ist, denn ein ordentliches Hindernispferd sollte schon 90 kg können. Das schaffte zuletzt vor acht Jahren der Wallach Soverness. Ein wirklich erstklassiges Hindernispferd aber kann 100 Kilo oder wenigstens nicht viel weniger. Der Letzte dieser Art war Fiepes Shuffle mit einem GAG von 99 kg. Diese Marke hatte er sich mit einem Gruppe 2-Sieg am 27. Dezember 2009 in Kempton Park verdient. Die besten Steepler, die ich in meinen 50 Jahren Rennbahnerfahrung in Deutschland gesehen habe, waren Oldtimer (GAG 105), Registano, Romping to Work (beide 102), Toronja (101), Bonito und Mandino (beide 100), der beste Hürdler war Hämon (98). Wenn ich von diesen Pferden den Größten nennen soll, schwanke ich zwischen Oldtimer und Registano. Oldtimer gewann einmal 11 Jagdrennen in Folge, war zwischen November 1988 und Mai 1991 ungeschlagen, bis er im Iffezheimer Jagdrennen im Juni 1991 am 6. Hindernis zu früh absprang und ins Gras musste. Registano gewann insgesamt 24 Hindernisrennen und schaffte vier Jahre nacheinander ein GAG 100 Kilo oder mehr. Beide, Oldtimer und Registano, gewannen die Mehrzahl ihrer Rennen mit „Weile“, das sind mehr als zehn Längen. Genauere Angaben gab es damals noch nicht.

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Einen bedeutenden und funktionierenden Hindernissport gibt es heute eigentlich nur noch in Frankreich und – in noch weit größerem Maße – in Irland und England. Auch Deutschland war einmal besser dran, dabei braucht man gar nicht einmal bis in die Zeit der Herrenreiter zurückzugehen. Noch 1992 gingen von 2866 Rennen immerhin 212 Rennen über Sprünge. Aus Besitzerperspektive sind Hindernisrennen ja durchaus attraktiv, auch mit begrenzten Mitteln kann man schneller zu großen Erfolgen kommen als auf der Flachen. Ich habe das selbst erfahren dürfen, denn in den ungefähr 15 Jahren als Teil einer kleinen Besitzergemeinschaft (Stall Vincennes) schafften wir es auf der Hindernisbahn mit zwei Pferden bis in die Listenklasse. Und der Sieg von unserem Narcissus, trainiert von Adolf Wöhler und geritten von Stefan Wegner, bei seinem Jagdbahndebüt am Silvestertag 1982 in Neuss gehört zu meinen schönsten Erinnerungen aus dem Rennsport.

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Mit einem GAG von 105 Kilo ist Oldtimer offiziell also das beste deutsche Hindernispferd der Neuzeit. Eine solche Marke reicht aber immer noch nicht aus, um gegen die besten englischen oder irischen Pferde anzukommen. Ein Hindernis-GAG von 105 entspricht nach unserer Umrechnung einem Rating von 162. Kauto Star erreichte vor einigen Jahren für seinen 35-Längen-Sieg in der King George VI. Chase in Kempton Park ein Rating von 193, das wären dann in GAG ungefähr 118 kg. Sprinter Sacre, um noch ein bekanntes Pferd aus jüngster Zeit zu nennen, kam auf ein Rating von 188 (115,5 kg), der im Gestüt Etzean gezogene Gold Cup-Sieger Don Cossack auf 175 (109,5 kg).

Ausnahmepferde wie Kauto Star oder Sprinter Sacre hat der anglo-irische NH-Sport aktuell nicht. Die Besten, Douvan, Thistlecrack (beide 174) und auch Altior (170) kränkeln derzeit und warten noch auf ihre ersten Saisoneinsätze. Dafür hat sich ein Superstar am vorigen Sonntag nach einer Pause von 665 Tagen wieder in alter Größe zurückgemeldet: Faugheen gewann im irischen Punchestown ein Gruppe-I-Hürdenrennen mit 16 Längen gegen den ehemaligen Championhürdler Jezki. Neun Jahre alt ist Faugheen jetzt, von 14 Rennen hat er 13 gewonnen, einmal war er knapp geschlagen Zweiter.

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Am frühen Sonntagmorgen unserer Zeit wird zum 37. Mal der diesmal mit rund fünf Millionen Euro dotierte Japan Cup entschieden Unsere beiden Pferde Guignol und Iquitos sind gut angekommen und haben zur Zufriedenheit gearbeitet. Viel mehr hat man noch nicht gehört, so dass ich hier einmal die voraussichtlichen Starter mit ihren Ratings nennen will (klick zur Starterliste). Die beiden Deutschen stehen rechnerisch also ganz gut im Rennen. Aber beim Pferderennen ist Rechnung eben nur Theorie, und die ist bekanntlich grau und grün ist nur des Lebens goldner Baum.

 

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