Login
Trainerservice
Schliessen
Login

Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Longines World´s Best Racehorse Awards

24. Januar 2018
Das Team um Arrogate. Von links: Juan-Carlos Capelli(Longines), Trainer Bob Baffert mit seiner Frau Jill und Sohn Bode, Lord Grimthorpe als Vertrter von Besitzer Khaled Abdullah und Louis Romanet. [Bildquelle: IFHA]
Das Team um Arrogate. Von links: Juan-Carlos Capelli(Longines), Trainer Bob Baffert mit seiner Frau Jill und Sohn Bode, Lord Grimthorpe als Vertrter von Besitzer Khaled Abdullah und Louis Romanet. [Bildquelle: IFHA]

Das „Claridge´s“ im Londoner Stadtteil Mayfair ist bekannt dafür, dass die Königliche Familie dort häufig Gäste unterbringt, Winston Churchill 1945 nach seiner überraschenden Wahlniederlage dort für einige Zeit Wohnung nahm, und nicht zuletzt für den Weihnachtsbaum, der in jedem Jahr von einem weltbekannten Designer geschmückt wird, zuletzt von Karl Lagerfeld. Es beherbergt außerdem den angeblich ältesten (seit 1896) noch in Betrieb befindlichen Lift des Vereinigten Königreichs, selbstverständlich bedient von einer livrierten Person. Dieses Hotel also bildete gestern Nachmittag den stilvollen Rahmen für die Zeremonie der „Longines World´s Best Racehorse Awards“, während der Besitzer und Trainer derjenigen Rennpferde geehrt wurden, die von den internationalen Handicappern während ihres Meetings im Dezember in Hongkong an die Spitze der World Rankings 2017 gesetzt wurden.

Die Ehrungen nahm IFHA-Präsident Louis Romanet vor, zusammen mit Juan-Carlos Capelli, Vize-Präsident der Schweizer Uhren-Manufaktur Longines. Als Mensch, der Zeit seines Lebens meist mit Uhren aus dem zweistelligen Preissegment gut zurechtgekommen ist, wundere ich mich manchmal, wie groß doch auf der Welt der Bedarf an Luxusuhren sein muss. Denn egal, auf welche Rennbahn ich komme oder schaue, in Deutschland oder anderswo auf der Welt: Longines ist schon da - in Baden-Baden, Hoppegarten, Ascot, Hongkong, Melbourne, beim Breeders´ Cup, Japan Cup, Kentucky Derby, Dubai World Cup usw. usf. Daneben ist Longines auch noch bei anderen pferdesportlichen Disziplinen wie Springreiten und Endurance-Wettbewerben dabei und darüber hinaus noch – ohne Anspruch auf Vollständigkeit - beim alpinen Ski-Weltcup, in der Leichtathletik, beim Bogenschießen, Tennis und Turnen. Und schließlich nennt sich auch noch die Gruppe von internationalen Handicappern, der ich angehöre, „Longines World´s Best Racehorse Ranking Committee“. 

Im Claridge´s, um darauf zurückzukommen, fand also am Dienstag die Ehrung der besten Rennpferde des Jahres 2017 statt. Das waren Arrogate mit einem Rating von 134, Winx mit 132, und - gemeinsam auf Rang drei - Cracksman und Gun Runner, die beide auf 130 kamen. Die Form von Arrogate hatte zuletzt ja stark nachgelassen, so dass sich manche wundern, dass er immer noch oben steht, obwohl er - daran zweifelt niemand – am Jahresende nicht mehr das beste Pferd auf der Welt war. Aber darum geht es nicht. Es geht überhaupt nicht um das „beste“ Pferd. Das zu finden ist ja meistens gar nicht möglich. Winx zum Beispiel hat jetzt 22 Rennen in Folge gewonnen, ist seit zweieinhalb Jahren ungeschlagen, so dass niemand sagen kann, wo ihre Grenzen liegen. Das gilt auch für Enable, die in Europa fünf große Gruppe-I-Rennen nacheinander gewann, zuletzt den Prix de l´Arc de Triomphe. Solange diese Pferde immer nur gewinnen, kann niemand, auch wir Handicapper nicht, sagen, welche vielleicht noch nicht entdeckte Klasse in ihnen steckt. Was wir aber sagen können ist, dass Arrogate die nach den Regeln des Handicappens rechnerisch beste Leistung im Jahr 2017 gezeigt hat und in der Folge auch das höchste Rating erhalten hat. Es wäre nur konsequent und würde

Missverständnisse vermeiden helfen, wenn Longines die Auszeichnung nicht „The World´s Best Racehorse“, sondern „The Worlds Best Racehorse Performance“ nennen würde. Klingt allerdings nicht so gut. 

Arrogates Rating von 134 gilt für seinen spektakulären Erfolg im Dubai World Cup am 25. März 2017. Ein so hohes Rating ist danach von keinem anderen Pferd mehr erreicht oder gar übertroffen worden. Und es ist auch heute noch, in der Rückschau und mit dem Wissen, was die von ihm geschlagenen Gegner anschließend geleistet haben, kein Gramm weniger wert: Nach verunglücktem Start, bei dem er behindert wurde, kam Arrogate auf dem leicht schlammigen Sandgeläuf schnell an die letzte Stelle zu liegen, galoppierte danach immer weit außen, hatte aber trotzallem bereits 200 Meter vor dem Ziel mit beispielloser Energie sämtliche Gegner ein- und überholt und erreichte das Ziel nahezu verhalten mit mehr als zwei Längen vor Gun Runner, der Rest fünf Längen und mehr zurück. Die Anstrengung, das zu vollbringen, hat ihn gewiss an die Grenze dessen gebracht, was ein Rennpferd physisch zu leisten in der Lage ist. Das hat Spuren hinterlassen, denn danach war Arrogate nicht mehr derselbe, ohne dass sein Betreuer ihm das äußerlich oder im Training ansehen konnte.

* * *

Eine solche physische Überanstrengung und deren Folgen erinnern mich – auf etwas geringerem Niveau und auch weniger dramatisch – an den letzten Start des großen Acatenango. Das war im Preis von Europa 1987 in Köln. Acatenango hatte damals seit drei Jahren in Deutschland nicht mehr verloren, drei Wochen zuvor den Großen Preis von Baden aber nur noch mit letztem Einsatz, über die Zielgerade wankend und schwankend, gegen den englischen Hengst Moon Madness aus dem Feuer reißen können. Für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ schrieb ich damals: „Wie groß ist das Herz eines Rennpferdes? Um das zu erfahren, wird man erst dasjenige von Acatenango untersuchen müssen, denn Deutschlands Galopper-As gewann gestern in Iffezheim den Großen Preis von Baden mit einer beispiellos zu nennenden Kampfleistung … Viele vertraten danach die Ansicht, den letzten Sieg dieses Pferdes gesehen zu haben. Ermüdungserscheinungen sind bei ihm offenkundig.“ In dem schließlich von Kondor gewonnenen Preis von Europa spielte Acatenango dann auch keine Rolle mehr. Er wurde Achter.

* * *

In die World´s Best Racehorse Rankings sind diesmal 335 Pferde aufgenommen worden, die vollständige Liste finden Sie hier. Ein und dasselbe Pferd kann mehrfach vorkommen, wenn es seine beste Leistung in mehreren Rennen oder auf verschiedenen Untergrund (Gras, Sand) erzielt hat. Auf einem gemeinsamen Rang 40 und mit einem Rating von 120 (100 kg) taucht als bestes in Deutschland trainiertes Pferd Dschingis Secret auf. Er schaffte diese 120 gleich drei Mal, im Großen Hansa-Preis, im Großen Preis von Berlin und im Prix Foy. Auch Guignol (119) zeigte seine Bestform bei drei verschiedenen Gelegenheiten, Iquitos (118) sogar bei vier - ein eindrucksvolles Zeugnis für die Formbeständigkeit unserer drei Spitzengalopper im Jahr 2017, und das auf so hohem Niveau.

Das Welt-Ranking ist auch Grundlage für den deutschen Generalausgleich, der in den nächsten Tagen erscheinen wird. Ich werde darüber in der nächste Woche berichten. Hier schon einmal die Spitzenposition bis hinunter zu 95 kg.

 

GERMAN RACING

Erlebnissport der Extraklasse.
Unter der Dachmarke “GERMAN RACING” werden spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen abgehalten. Seit 188 Jahren bestehen Pferderennen als ältester organisierter Sport in Deutschland. Ein echter Klassiker!

Imagefilm

GERMAN RACING Imagefilm