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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Professorin hat das „Speed Gen“ entdeckt

28. Februar 2018

Über das Stehvermögen von Rennpferden haben sich ja schon die größten Vordenker der Vollblutzucht Gedanken gemacht. Bereits 1919 vermeldete ein englischer Professor namens A.L. Robertson das Ergebnis von post mortem vorgenommenen Untersuchungen an Rennpferden, wonach die Muskelfasern von Stehern dunkelrot, die von Fliegern dagegen hell sind. „Damit erachte ich eines der wichtigsten Probleme der Vollblutzucht als gelöst“, verkündete er im Brustton der Überzeugung. Die Theorie mit den Muskelfasern hat auch der große Federico Tesio in seinem 1965 auf Deutsch erschienenen Buch „Rennpferde“ übernommen, merkte aber bedauernd an, dass der praktische Pferdemann die Antwort doch gerne zu Lebzeiten und nicht nach der Autopsie seines Pferdes wissen möchte. 

Da könnte jetzt Dr. Emmeline Hill helfen, denn die außerordentliche Professorin für Equine Science an der Universität zu Dublin hat das „Speed Gen“ entdeckt. Das war zwar schon vor einigen Jahren, aber - wie in der vorigen Woche in der „Thoroughbred Daily News“ zu lesen war - könne jetzt durch den „Speed Gen-Test“ mit einer Sicherheit von 98 Prozent vorhergesagt werden, ob ein Rennpferd am besten für kurze, mittlere oder lange Distanzen geeignet ist. (Video: Equinome Speed Gene Test). Dr. Hill und ihr Team haben über die Entdeckung des Speed Gens hinaus inzwischen auch einen „Elite Performer-Test“ entwickelt. Dieser, so Hill, sei zwar noch nicht so exakt wie der Speed Gen-Test, aber Tendenzen in Bezug auf eine spätere Rennlaufbahn könnten schon jetzt aufgezeigt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wissenschaftler damit an ihre Grenzen gestoßen sind. Denn gäbe es eines Tages einen wirklich stichhaltigen Test auf künftiges Rennvermögen, möchte ich nicht wissen, was dann auf den Auktionen los sein wird.

Es wäre aber interessant zu wissen was herauskommt, wenn so ein „Speed Gen-Test“, also der Test auf Stehvermögen, einmal bei Noor Al Hawa gemacht wird. Der wurde am vorigen Samstag, wie auch schon vor 12 Monaten, über die 2400-Meter-Distanz Zweiter in der Emir´s Trophy, dem Eine-Million-Dollar-Rennen auf der Al Rayyan-Rennbahn von Doha in Katar. In Deutschland und Frankreich ist Noor Al Hawa bisher immer auf deutlich kürzeren Distanzen gelaufen. Trainer Andreas Wöhler wurde am Samstag mit der Aussage zitiert, dass „man gesehen hat, dass er kein Steher ist“. Ich habe das, ehrlich gesagt, nicht gesehen, aber der Trainer mag ja recht damit haben, dass 2400 Meter nicht die Idealdistanz für Noor Al Hawa ist. Aber zumindest ist er über die Derbydistanz sehr effektiv und hat bei zwei zweiten Plätzen über diesen Weg fast 400.000 Euro verdient.

Die Emir´s Trophy war diesmal besser besetzt als in den Vorjahren, was man auch daran erkennen kann, dass dem deutschen Hengst Parviz trotz seines ganz ansehnlichen Ratings von 104 (GAG 92 kg) die Teilnahme verwehrt wurde. Zudem war das Rennen sehr international. Neben acht einheimischen Pferden waren auch acht ausländische Teilnehmer am Start, sie kamen aus den USA, England, Italien, Irland, Frankreich und eben aus Deutschland. Ryan Skelton, mein Handicapper-Kollege aus Katar, hat das Rennen über Noor Al Hawa berechnet und dessen Rating von 111 (95,5 kg) als Grundlage genommen. Der Sieger The Blue Eye, Katars bestes Pferd und Sieger in diesem Rennen bereits vor zwei Jahren und im Vorjahr Neunter, kommt damit auf 112 (96 kg). Für Noor al Hawa sind die gezeigten 95,5 Kilo seine drittbeste Karriereleistung, gleichauf mit seinem dritten Platz im Prix Daniel Wildenstein im Oktober vorigen Jahres. Mehr wert waren nur seine beiden Gruppesiege als Dreijähriger im Jahr 2016, für die wir 113 (96,5 kg) ausgerechnet hatten.

Video: H.H THE EMIRS TROPHY

* * *

Es soll ja Leute geben die behaupten, die Rennbahnen dieser Welt wären leer, wenn dort nicht gewettet und getrunken werden könnte. Vor allem auf britischen Rennbahnen wird bisweilen so viel Alkohol konsumiert, dass sich die dortigen Rennbahnen schon zu Aktionen für verantwortungsvolles Trinken veranlasst sahen, nicht zuletzt in Cheltenham. Dass die These von den leeren Rennbahnen nicht ganz zutrifft, kann man aber am Beispiel von Katar sehen. „Ihr Gläubigen! Wein und Losspiel sind Teufelswerk“, lautet ein beispielhafter Satz im Koran zum Thema Alkohol und Wetten. Beides ist demnach auf der Rennbahn von Doha nicht erlaubt, auch für Nicht-Muslime nicht. Trotzdem kommen Besucher auf die Rennbahn, aber mehr als vielleicht fünf- bis sechstausend stellen sich dort auch am größten Renntag mit den beiden Millionenrennen um das Emir´s Sword (für arabische Vollblüter) und die Emir´s Trophy (für englische Vollblüter) nicht ein. 

Ich kann das sagen, weil ich dort einige Male eingeladen war. Obwohl mich als Ausgleicher fehlende Wettmöglichkeiten nicht stören, habe ich doch die Anzeige von Eventualquoten vermisst, was eine gewisse Orientierungslosigkeit zur Folge hatte, denn die meisten der dortigen Pferde sind einem ja völlig unbekannt. Mit Ausnahme der internationalen Rennen waren die Rennen also nicht sehr aufregend, und so konnte ich endlich einmal die Worte des Schahs von Persien nachempfinden, der vor langer Zeit einmal eine Einladung zum Grand Prix de Paris mit der Begründung ablehnte, er wisse, dass ein Pferd schneller laufe als das andere - welches, sei ihm egal. Als Ersatz für nicht erlaubte Wetten vertreiben die Einheimischen sich die Zeit mit einer Art Gewinnspiel, bei dem ein wertvoller Preis zu gewinnen ist, zum Beispiel ein Automobil der Premiumklasse. 

In Katar werden rund 600 Pferde trainiert, in der Mehrzahl arabische Vollblüter. An 60 Renntagen gibt es jährlich 400 Rennen, die von Besitzern aus der Herrscherfamilie Al Thani dominiert werden. Die Rennpreise sind sehr ansehnlich, ein richtiges Grupperennen gibt es allerdings nicht, selbst das Millionenrennen um die Emir´s Trophy gilt nur als lokales Gruppe-I-Rennen. Die nicht sehr große Tribüne fasst 1500 Besucher, dazu gibt es noch diverse exklusive Lounges und ein Sponsorenzelt.

 

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