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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Ein Blick auf den Bavarian Classic

München 3. Mai 2017

War das nun das Bavarian Classic, am Montag in München-Riem? Ja klar, stand ja drüber: pferdewetten.de-Bavarian Classic. Und doch: Seit dem Vorjahr ist es ein neues Rennen und mit dem alten, das früher einmal Müller-Brot-Preis oder Großer Hertie-Preis hieß, nicht ohne weiteres zu vergleichen. Denn das „neue“ Bavarian Classic findet seit dem Vorjahr vier Wochen früher statt, nicht mehr um Pfingsten herum, sondern am 1. Mai. Damit hat das Bavarian Classic die Stelle des ehemaligen Metzler-Preises eingenommen, während der Metzler-Preis jetzt, seitdem die Frankfurter Rennbahn geschlossen ist, als Ittlingen-Derby-Trial beim Frühjahrs-Meeting in Baden-Baden gelaufen wird. Die beiden Rennen haben also sozusagen die Plätze getauscht.

Warum das so wichtig ist? Bei der Bewertung eines Rennens gibt es für den Handicapper ja immer vieles zu bedenken. In erster Linie die Form und das bisherige Rating der startenden Pferde. Aber auch, ich hatte das in einem früheren Blog schon einmal erwähnt, die sogenannte historische Perspektive, also der Blick darauf, wie die Sieger vergangener Jahre eingeschätzt wurden und was sie später geleistet haben. Diese historische Perspektive geht aber durch einen solchen Terminwechsel, wie er jetzt mit dem Bavarian Classic vorgenommen wurde, erst einmal verloren, da die Ratings der startenden Pferde Anfang Mai meistens noch niedriger sind als am Ende des Monats. Dreijährige Pferde verbessern sich schließlich mit zunehmender Jahreszeit, manchmal sogar in großen Sprüngen. So kommt es, dass das unmittelbar nach dem Rennen vergebene Rating für die letzten zehn Sieger im ehemaligen Metzler-Preis bei durchschnittlich 93 kg liegt, dasjenige im Bavarian Classic aber bei fast 94,5 kg.

Vor diesem Hintergrund muss das diesjährige Bavarian Classic beurteilt werden, in dem ja schon richtig scharf geschossen wurde. Jedenfalls ging es ordentlich zur Sache im Endkampf zwischen Warring States und Enjoy Vijay. Beide waren zum Schluss die dominierenden Pferde, aber man muss abwarten, ob die dahinter platzierten Pferde nicht noch Munition in Reserve haben auf dem noch langen Weg bis nach Hamburg. Alles in allem bleibt der Eindruck, ein Teilnehmerfeld von überdurchschnittlicher Qualität gesehen zu haben, auch wenn sich dies im Augenblick im Rating noch nicht so deutlich niederschlagen kann. Denn als Ausgangspunkt für die Rechnung kommt nur der Dritte Kastano mit seinen bisherigen 91 kg in Frage, so dass man, bei großzügiger Auslegung des Abstandes zu den beiden Ersten, für den Sieger auf maximal 94 Kilo kommt.

Das ist genau die Marke, die im Vorjahr auch Isfahan bekommen hat, als das Rennen erstmals am 1. Mai gelaufen wurde. Ein merkwürdiger Zufall will auch, dass beide Pferde, Isfahan und Warring Stakes, beim Start vorher im G1-Criterium de Saint-Cloud am Ablauf waren, dort aber nichts ausrichten konnten. Wenn die Gemeinsamkeiten nun auch in Hinblick auf das Deutsche Derby weitergehen würden, wäre man bei Qatar Racing sicher nicht unglücklich. Ob Warring States, der nach einer geschichtlichen Epoche in Japan benannt ist, im Hamburg aber wirklich läuft, dürfte durchaus noch nicht sicher sein. So hat er zum Beispiel vorher auch noch ein Engagement im englischen Derby. Er wurde zusammen mit acht anderen Fohlen auf den JRA-Select Sales in Japan für umgerechnet €350.000 gekauft.

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Japan ist ja ohnehin das Wunderland des Rennsports. Die Elite des Landes versammelte sich dort am Sonntag in Kyoto für das G1-Tenno Sho Spring, also den Frühjahrs-Kaiser-Preis. (Es gibt auch noch ein Tenno Sho-Rennen im Herbst.) Ich hatte bisher nicht geglaubt, dass ein Rennpferd in einem 3200-Meter-Rennen so schnell laufen kann, wie der Sieger Kitasan Black das bei seinem Sieg gegen Grand Cheval und Satono Diamond getan hat. Nach 3:12,4 Minuten war er im Ziel. Das ist, jedenfalls nach den Quellen, die mir zur Verfügung stehen, neuer Weltrekord. Den hielt bisher die japanische Legende Deep Impact bei seinem Sieg in diesem Rennen im Jahr 2006 (er unterbot damals den Rekord aus dem Melbourne Cup von 3:16,3 Minuten). Ein ganz hohes Rating wird für diese außergewöhnliche Leistung trotzdem nicht rausspringen, dafür waren die Abstände zwischen den vorderen Pferden zu knapp, wie so häufig in japanischen Rennen. Um die 120 (100 kg) wird es wohl werden, als Bestleistung stehen für Kitasan Black 123 (101,5 kg) zu Buche. Das erklärte Ziel für den Fünfjährigen ist in diesem Jahr der Prix de l´Arc de Triomphe.

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In München dagegen, um noch einmal auf die Rennen in der bayerischen Hauptstadt zu sprechen zu kommen, blieben die Uhren am Montag im zweiten Rennen für die sieglosen Dreijährigen stehen. „Zeit nicht gemessen“ hieß es wieder einmal. Das kommt in Deutschland durchschnittlich jede Woche einmal vor. Ich habe mal eine Zielrichterin gefragt, wie denn so etwas überhaupt möglich ist. Die Antwort war, dass man dann verpasst hat, die Zeitmessung auszulösen. Dabei wäre die Zeit gerade in diesem von Navajo gewonnen Rennen recht interessant gewesen, führte es doch über die gleiche Distanz, wie das Bavarian Classic. Ich hab einmal privat nachgemessen, anhand der Rennaufzeichnung. Das Ergebnis: Navajo war schneller als Warring States. Nun soll man das nicht überbewerten, die Zeit kann beim Galopprennen niemals eine erste Rolle spielen, aber sie kann den Blick doch in die richtige Richtung lenken. Und die heißt für Navajo: nach oben. Aus der äußersten Startbox 14 gestartet, umsegelte er in sechster Spur den ersten Bogen, um dann Mitte der Zielgeraden aus dem Pulk heraus anzutreten und die Sache in Nullkommanix zu klären, und zwar gegen doch recht ordentliche Pferde. Mehr wie 76 kg konnte man hierfür vorerst nicht ausrechnen, aber mit zwei dicken Pluszeichen dahinter.

Navajo siegt unter Adrie de Vries
Navajo siegt unter Adrie de Vries
 

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