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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Viel Geld und viel Klasse: Der Pegasus World Cup

31. Januar 2018
Die Pegasus Statue

Pegasus ist bekanntlich das geflügelte Pferd in der griechischen Mythologie, das allerlei Heldentaten vollbringt, bevor ihm Göttervater Zeus auf dem Olymp einen komfortablen Stall als Altersruhesitz einrichtet. Auch die Dichtkunst hat ihm viel zu verdanken, da durch seinen Hufschlag im Gebirge Helikon ein Quell entstanden sein soll, aus dem seitdem alle Dichter der Welt trinken und daraus Inspiration für ihre Werke ziehen. Einen Einfall hatte vor einigen Jahren auch der österreichisch-kanadische Entrepreneur Frank Stronach (84), als er bei der Kunstgießerei Strassacker in Süßen/Württemberg die größte Bronzeskulptur der Welt bestellte: „Pegasus besiegt einen Drachen“, eine Parabel auf das Gute und Böse in der Welt. 33 Meter hoch und 650 Tonnen schwer. Seit drei Jahren bildet dieses Monument nun das Zentrum eines Themenparks im Gulfstream Park, am Rande der gleichnamigen Rennbahn in Florida, die ebenfalls der Stronach-Group gehört, so wie noch einige andere Rennplätze in den Vereinigten Staaten, Santa Anita und Pimlico zum Beispiel.
Es versteht sich von selbst, dass der Pegasus World Cup  , der am vorigen Samstag auf der Gulfstream-Rennbahn zum zweiten Mal entschieden wurde, auch eine Idee von Frank Stronach war. So gewaltig wie diese Statue ist auch der Geldpreis, der ausgeschüttet wurde: 16,3 Mio. Dollar, das reichste Rennen der Welt. 1926 hatte es mit dem American Derby das erste 100.000-Dollar-Rennen gegeben, 1981 war mit der Arlington Million erstmals die Millionengrenze erreicht. Ich erinnere mich, dass an diesem Rennen auch Gestüt Bonas Hengst Esclavo teilnehmen sollte, er schaffte es aber nur bis zum ersten Ersatzpferd. Da kurzfristig noch ein Teilnehmer ausfiel, hätte Esclavo sogar laufen können, aber der Familie Harzheim als Besitzer war das Risiko zu groß gewesen und hatte die Reise gar nicht erst angetreten. Das erste 10-Millionen-Dollar-Rennen gab es dann 2010, beim Dubai World Cup. Das viele Geld für den Pegasus World Cup haben ja zum größten Teil die Besitzer der 12 startenden Pferde selbst aufgebracht, ein Startplatz kostete eine glatte Million. Aber dafür bekam selbst der Letzte noch 650.000 Dollar zurück.

Geld zieht Klasse an. Diese alte Weisheit bestätigte sich auch diesmal wieder, denn die ersten Fünf aus dem Breeder´s Cup Classic waren auch im Gulfstream Park wieder mit dabei. Wie üblich in Amerika war das Rennen bei hohem Tempo eine Prüfung auf Herz und Nieren, die der Favorit Gun Runner glänzend bestand. Sein Sieg mit 2 ½ Längen gegen den sehr guten West Coast gewinnt noch an Wert, wenn man bedenkt, dass der Dritte mit mehr als zehn Längen Rückstand die Ziellinie erreichte. Gun Runner hat nun fünf Gruppe-I-Rennen in Folge gewonnen, mehr werden nicht mehr dazukommen, denn es war sein letzter Start. Es hätte sogar sein achter Sieg in Serie werden können, wenn nicht im März vorigen Jahres ein gewisser Arrogate gezeigt hätte, dass er ein noch besseres Pferd als Gun Runner ist.

Was ist dieser Pegasus-Sieg nun wert? West Coast hat in den World Rankings ein Rating von 122 (101 kg) erhalten. So viel, wenn nicht sogar eine Kleinigkeit mehr, sollte er am Samstag auch wieder gezeigt haben. Für Gun Runner käme dann eine Marke von mindestens 128 (104 kg) heraus, also nicht weit weg von den 130, mit denen er in den World Rankings steht. Die erste Weltrangliste im Jahr 2018 wird am 8. März erscheinen.
Kleine Fußnote: Bei einem Verzicht auf Lasix hätte eine Gewichtserlaubnis von sieben Pfund in Anspruch genommen werden können. Kein Teilnehmer hat davon Gebrauch gemacht.

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Die Phrase „Horses for courses“ hat es in England bis in die Alltagssprache gebracht und heißt zu Deutsch ungefähr so viel, dass es für jede Gelegenheit das Passende oder für jeden Topf den richtigen Deckel gibt. Im engeren Sinne liegt die Bedeutung natürlich darin, dass sich unter Rennpferden immer mal wieder Spezialisten für bestimmte Rennbahnen finden lassen. Umgekehrt gilt das natürlich auch, dass also Pferde bestimmte Rennbahnen nicht mögen. Bei Dschingis Secret, der Nummer Eins im gerade veröffentlichten Jahres-Generalausgleich, glaubt man nach drei deutlichen Niederlagen in Baden-Baden an eine Abneigung gegen den Linkskurs von Iffezheim. Der fünfte Platz beim Frühjahrs-Grand-Prix in Iffezheim, der nicht mehr als 93 kg wert war, blieb sein einziger Schwachpunkt in einer sonst tadellosen Leistungsbilanz für das Jahr 2017. In GAG ausgedrückt: 98,5-100-100-100-99-99,5. Er hat also Bestleistungen geliefert wie eine gut geölte Maschine. Man muss schon lange zurückblättern, um ein in Deutschland trainiertes Rennpferd zu finden, das es in einer Saison bei drei verschiedenen Gelegenheiten auf 100 Kilo gebracht hat. Das war Tiger Hill, der 1999 bei seinen Siegen in Saint-Cloud und zwei Mal in Baden-Baden jeweils 102 kg schaffte.

Doch nicht nur Dschingis Secret glänzte im vorigen Jahr mit einer gleichmäßigen Form auf hohem Niveau. Guignol, die Nummer Zwei der deutschen Rennpferde, erscheint in den World Rankings und im Jahres-GAG gleich drei Mal mit einer Leistung von 99,5 kg (Badische Wirtschaft, Großer Preis von Baden, Großer Preis von Bayern), und Iquitos, die Nummer Drei, hat es sogar vier Mal auf 99 Kilo gebracht. Da alle drei im Training bleiben, können wir uns in diesem Jahr auf einiges gefasst machen, zumal mit Windstoß noch ein junger Rivale dazukommt.

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Dieser Windstoß war der Beste in einem ansonsten doch enttäuschenden Dreijährigen-Jahrgang 2017. An ihm lag es jedenfalls nicht, dass das Deutsche Derby nun doch etwas überraschend beim European Pattern Committee wieder auf der Liste der gefährdeten Rennen auftaucht. Die Regeln hierfür sind ja etwas kompliziert. Ein Gruppe-I-Rennen darf, erstens, nicht mehr als zwei Jahre in Folge unter dem geforderten Parameter bleiben (also nicht unter 115) und es darf, zweitens, die Mindestanforderung im Drei-Jahres-Durchschnitt nicht um mehr als zwei Punkte verfehlen, also nicht unter 113 rutschen. Das ist aber nach dem eher schwachen Derby 2017 passiert, für die Jahre 2015-17 erreicht das Derby nur noch 112,83. Wenn es die vier Erstplatzierten in diesem Jahr auf einen Schnitt von 111,50 bringen, ist aber wieder alles in Ordnung. Das sollte möglich sein, denn in den letzten zehn Jahren ist das nur einmal nicht gelungen.

Pegasus World Cup - Gulfstream Park - Sieger: Gun Runner

 

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