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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Fett schwimmt immer oben

31. Mai 2017
„The cream always rises to the top“ 

heißt es in einer englischen Redewendung. Ins Deutsche könnte man das mit „Fett schwimmt immer oben“ übersetzen, was bedeuten soll, dass sich das Beste immer, und zu Recht, durchsetzt. Genau das war am Sonntag im Großen Preis der Badischen Wirtschaft zu beobachten, als Guignol und Iquitos sich von ihren Gegnern absetzten und das Rennen unter sich ausmachten – trotz des für beide ungünstigen Umstands, dass sie als Gruppe-I-Sieger den restlichen Teilnehmern bis zu drei Kilo Gewichtsvorgaben zu leisten hatten. Drei Kilo an ordentliche Gruppe-III-Pferde vorzugeben und diese dann vier Längen und mehr hinter sich zu lassen, ist ja keine Kleinigkeit, sondern setzt schon eine Portion Klasse voraus. Selbst eine Danedream und ein Novellist taten sich unter diesen Umständen bei ihren Siegen 2012 und 2013 damit nicht leicht.

Eines der Fragezeichen vor dem Rennen war, wie es um die Klasse von Guignol genau bestellt ist. Bis zu seinem Überraschungssieg im Großen Preis von Bayern im vorigen November war er nicht sonderlich aufgefallen, so dass manche den Sieg in München auf das Konto der sehr unterhaltsamen Taktik seines damaligen Reiters Michael Cadeddu zu buchen geneigt waren. Ich selbst war damals meiner Sache auch nicht ganz sicher, hielt es für möglich, dass Cadeddu mit dem Trick des konsequenten Gehens ein, wie ich damals schrieb, Kaninchen aus dem Hut gezaubert hatte. Aus den 99 Kilo, die er dafür bekam, wurden bei der internationalen Handicapper-Konferenz in Hongkong denn auch nur 98,5 (Rating 117), eine trotzdem immer noch anspruchsvolle Marke.

Nach dem Rennen am Sonntag bin ich für Guignol nun wieder zu den 99 Kilo (Rating 118) zurückgekehrt, diesmal ganz ohne Zweifel. Man kann aus dem Ergebnis sogar noch mehr herausrechnen, aber das soll späteren Rennen vorbehalten bleiben. Die Trennlinie zwischen einem lokalen und einem internationalen Gruppe-I-Pferd wird bei 100 Kilo (Rating 120) gezogen. Mit einer solchen Marke kann man sich berechtigte Hoffnungen auf eine Platzierung in einem der Premiumrennen nicht nur in Europa machen – und das ist es wohl auch, was die Personen um Guignol und Iquitos demnächst anstreben.

Video: Baden-Baden: Großer Preis der Badischen Wirtschaft (Gruppe 2) - Sieger: Guignol

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„Kleine Felder, große Gelder“ lautet eine alte Turfweisheit, die andeuten soll, dass kleine Felder manchmal überraschende Ergebnisse und hohe Totoquoten hervorbringen, nicht selten wegen taktischer Spielereien bei den Reitern. Fast wäre das auch beim G2-Prix Vicomtesse Vigier am Sonntag in Chantilly passiert. Es kamen nur drei Pferde an den Start, der Manduro-Sohn Vazirabad schien unschlagbar, denn schließlich hat er in Rennen über Extremdistanzen außer Order of St George kaum einen Gegner in Europa zu fürchten. Aber nach anfänglichem Schneckentempo mit zwei Führungswechseln hätte es der brave Sirius fast geschafft, den 12:10-Favoriten zur Strecke zu bringen, es fehlte nur ein „kurzer Hals“. Vorher war Sirius Zweiter im Gerling-Preis gewesen, also jenem Rennen, von dem nun nach dem enttäuschenden Abschneiden von Dschingis Secret in Baden-Baden zu hören war, es sei ganz schwach besetzt gewesen. Es überrascht, wie sich, offiziellen Pressestimmen zufolge, sogar der Trainer des Derbydritten vom Können seines Pferdes distanzierte („kann die Klasse offenbar nicht“). Dabei hieß es kürzlich noch, man erwäge mit ihm einen Auftritt im Coronation Cup. Ich habe Dschingis Secret noch nicht zum Alteisen geworfen und ihn erst einmal nur um ein Pfund auf 98 kg zurück genommen. Er – und auch der Gerling-Preis – verdienen noch eine zweite Chance. Mindestens.

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Bis zum Derby ist es nun nicht mehr lange hin, die entscheidenden Vorprüfungen liegen hinter uns oder stehen unmittelbar bevor. Der Nebel, der im Frühjahr üblicherweise über den Derbykandidaten liegt, hat sich bisher so richtig noch nicht gelichtet, ein klarer Favorit ist auch noch nicht zu erkennen. In Baden-Baden hat Langtang jetzt das Ittlingen Derby-Trial gewonnen. Der Sieg fiel recht souverän aus, sehr hoch darf man ihn aber derzeit nicht bewerten. Dafür sorgt schon der Zweitplatzierte Rebello, der mit einem Valeur von 39 aus Frankreich kam, was bei einigem guten Willen mit 85 kg übersetzt werden kann. Die Rechnung für das Derby-Trial haben wir über den konstanten Kastano aufgebaut, der nun zum dritten Mal eine Marke von 91 kg gezeigt hat. Für Langtang kommen dann 93 kg heraus, das ist nicht eben viel. So bleibt er denn erst einmal bei seinem GAG von 94,5 kg, die für ihn seit dem Sieg im Preis des Winterfavoriten zu Buche stehen. Für die Nummer 1 im Derby wird das wohl nicht reichen, denn der Sieger im Oppenheim-Union-Rennen, das am 11. Juni in Köln gelaufen wird, bekam in den letzten zehn Jahren neun Mal ein höheres Rating.

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Es kommt nicht eben häufig vor, dass auf einer deutschen Rennbahn ein Pferd debütiert, dessen beide Elternteile ungeschlagen von der Rennbahn abgetreten sind. Genau das ist bei King´s Advice der Fall, der am Himmelfahrtstag in Dortmund bei seinem ersten Lebensstart auch gleich gewinnen konnte. Über seinen Vater Frankel braucht man keine großen Worte zu verlieren, viele sehen in ihm das beste Rennpferd aller Zeiten, er kam nach 14 Starts ohne Niederlage auf eine Marke von 140 (110 kg). Die Mutter von King´s Advice ist Queen´s Logic, Europas Champion-Zweijährige von 2001. Sie bestritt fünf Rennen, die sie alle gewann. Nach ihrem Sieben-Längen-Sieg in den G1-Cheveley Park Stakes bekam die Halbschwester des Arc-Siegers Dylan Thomas mit 122 (101 kg) das höchste jemals für eine zweijährige Stute vergebene Rating. Am Morgen des Tages der 1000 Guineas Stakes 2002, für das sie heiße Favoritin war, stand sie lahm in ihrer Boxe und konnte nicht laufen. Es gelang auch nicht sie noch einmal in Gang zu bringen. Sie wurde von Mick Channon trainiert und trug die Farben von Jaber Abdullah, der sie als Jährling in Deauville erworben hatte. Ihr bisher größter Zuchterfolg war ihr viertes Fohlen Lady Of The Desert, 2010 mit einem Rating von 117 die auf Fliegerdistanzen am höchsten eingestufte Stute weltweit. Andreas Wöhler trainiert mit Sanaadh noch einen weiteren Nachkommen der Queen´s Logic, der drei Stunden nach seinem Bruder in Baden-Baden den Ausgleich II gewann und der demnächst in Listen- oder sogar in Grupperennen anzutreffen sein wird.

 

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Erlebnissport der Extraklasse.
Unter der Dachmarke “GERMAN RACING” werden spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen abgehalten. Seit 188 Jahren bestehen Pferderennen als ältester organisierter Sport in Deutschland. Ein echter Klassiker!

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